Dragon Age Roleplaying Set 1

„Dragon Age“ ist das Rollenspiel zum gleichnamigen Fantasy-Computerspiel „Dragon Age: Origins“ von BioWare. Der Kontinent Thedas wird von einer Verderbnis heimgesucht, und die Dunkle Brut fällt über die Menschen, Elfen und Zwerge her. Das Land braucht Helden.

von Peter Berneiser

Die Box enthält zwei hochwertige Hefte mit erstklassigen, vollfarbigen Illustrationen und übersichtlichem Layout, eine großformatige Karte und drei sechsseitige Würfel. Das äußere Erscheinungsbild lässt nichts zu wünschen übrig.

Das Spielerbuch

Das Spielerbuch enthält eine Beschreibung des Landes Ferelden, Informationen zur Charaktererschaffung, zu Fertigkeiten und Talenten, Ausrüstung und Magie sowie die grundlegenden Regeln.

Ferelden

Die Abenteuer des ersten „Dragon Age Roleplaying Sets“ finden in Ferelden statt. Ferelden ist ein raues Land auf dem Kontinent Thedas, umgeben von Meer im Norden und Osten und einem Gebirge im Westen. Dichte Wälder, Grasebenen, Hügel und felsiges Hochland prägen die Landschaft. Die Bewohner des Landes sind stolz und unbeugsam. Vor über neunhundert Jahren, als sie noch kriegerische Barbaren waren, befreiten sie sich von der Herrschaft des Tevinter Imperiums, des mächtigsten Reiches auf dem Kontinent.

Zu dieser Zeit wurde Thedas von der ersten Verderbnis vergiftet, als die Dunkle Brut in Scharen aus Tunneln hervorkroch, die einst die Zwerge erschaffen hatten. Hungersnöte und Seuchen brachen aus, und schwarze Wolken verdunkelten den Himmel. Während Ferelden verschont blieb, wurde das Tevinter Imperium durch den Ansturm der schrecklichen Kreaturen verheert. Die Grauen Wächter, tapfere Krieger und Magier, töteten den Erzdämon, der die Dunkle Brut anführte. Die Verderbnis endete, aber das Tevinter Imperium war nur noch ein Schatten seiner alten Macht.

Die Prophetin Andraste und ihr Ehemann Maferath vereinten die Barbaren Fereldens, führten sie über das Meer und besiegten das Imperium, das von einer Sklavenrevolte der Elfen geschwächt war. Nach dem gewaltsamen Tod der Prophetin breitete sich der Glauben an den Schöpfer aus, und die Kirche wurde gegründet.

Jahrhunderte später entstand das Königreich Ferelden, das gegen die Horden dreier Verderbnisse Stand hielt und die Armee des Königreichs Orlais aus dem Westen zurückdrängen konnte. Zehn Jahre sind seit dem Friedensschluss vergangen. Nun muss sich König Cailan einer neuen Bedrohung entgegenstellen, der fünften Verderbnis. In diesen dunklen Tagen nimmt die Handlung des Rollenspiels ihren Lauf. In zukünftigen Erweiterungen sollen weitere Länder vorgestellt werden.

Die Charaktererschaffung

Die Werte für acht Attribute werden ausgewürfelt: Communication (Verhandeln, Interaktion), Constitution (Konstitution), Cunning (Klugheit), Dexterity (Geschicklichkeit), Magic (Magie), Perception (Wahrnehmung), Strength (Stärke) und Willpower (Willenskraft). Im Durchschnitt liegen die Werte bei Null bis Zwei.

Anschließend wird ein Hintergrund ausgewählt: Elfischer oder menschlicher Apostat (abtrünniger Magier), Avvar (menschlicher Barbar), elfischer oder menschlicher Magier des Zirkels, Stadtelf (Stadtelfen sind Diener und Arbeiter der Menschen), Dalischer (traditionell lebender) Elf, Fereldischer Mensch oder Oberflächenzwerg. Der Hintergrund bestimmt, auf welches Attribut ein Spielercharakter einen Bonus erhält (etwa +1 Stärke als Oberflächenzwerg), welchen Attributs-Fokus er wählen kann, welche Sprachen er spricht und welche Klassen er wählen kann.

Bei „Dragon Age“ stehen die Charakterklassen Krieger, Magier und Schurke zur Auswahl. Krieger haben viele Lebenspunkte, können schwere Rüstungen tragen und den Umgang mit vielen Waffen erlernen. Magier können Zauber wirken und Schurken hinterhältig angreifen sowie flexibel als Kundschafter, Dieb oder Meuchelmörder gespielt werden.

Fertigkeiten sucht man bei „Dragon Age“ vergeblich. Stattdessen gibt es Attributs-Foki, die einem Attribut zugeordnet sind und einen +2 Bonus bei bestimmten Aktionen geben. Wer beispielsweise den Fokus „Lock Picking“ hat, bekommt einen +2 Bonus auf Geschicklichkeitswürfe beim Öffnen von Schlössern. Mit Talenten können sich die Spielercharaktere auf Kampfstile und Magieschulen spezialisieren oder besondere Aktionen ausführen.

Die Regeln

Magie birgt große Gefahren, die aber die Regeln (noch) nicht wiedergeben. Magier sind mit einem jenseitigen, „Fade“ genannten Reich verbunden und ziehen die Geister dieser Welt an. Dämonen können von Magiern Besitz ergreifen und die Welt der Lebenden verheeren. Aus diesem Grund werden Magier zugleich geachtet und gefürchtet. Sie sind in dem Zirkel organisiert und werden von der Kirche aufmerksam beobachtet. Zauber kosten Manapunkte (Rüstungen erhöhen die Kosten) und haben einen Schwierigkeitsgrad, der mit dem Zauberwurf erreicht werden muss. Bei einigen Zaubern darf das Ziel einen Rettungswurf machen, um die Auswirkungen zu verringern. Das erste Set enthält achtzehn Zauber.

Die Regeln sind dem d20-System sehr ähnlich. Ob eine Aktion gelingt, entscheidet ein Wurf mit 3W6. Der Wurf wird mit dem Attributswert und anderen Boni modifiziert und muss einen bestimmten Schwierigkeitsgrad erreichen. Bei Angriffen entspricht der Schwierigkeitsgrad dem passiven Verteidigungswert des Gegners (Grundwert + Geschicklichkeitswert + Schildbonus). Der Geschicklichkeitswert wird bei Fernkampfwaffen und leichten Waffen, der Stärkewert bei allen anderen Waffen zum Angriffswurf addiert. Ist der Angriff erfolgreich, wird der Schaden ausgewürfelt und bei Nahkampfwaffen der Stärke-, bei Fernkampfwaffen der Wahrnehmungswert hinzugerechnet. Die Schadenspunkte werden abzüglich des Rüstungsbonus von den Lebenspunkten abgezogen. Mit vielen Lebenspunkten und einer Rüstung ausgestattet, können die Helden bei „Dragon Age“ einiges einstecken – vor allem, wenn ein Magier den Heilzauber beherrscht.

Der Kampf ist in Runden unterteilt. Beginnend mit der höchsten Initiative (3W6 + Geschicklichkeit) führen alle am Kampf Beteiligten entweder zwei geringe Aktionen (wie zielen oder bewegen) oder eine große (wie angreifen oder verteidigen) und eine geringe Aktion aus. Wie bereits bei den Magieregeln wird auch hier deutlich: „Dragon Age“ erfindet das Rollenspiel-Rad nicht neu, aber das System ist bewährt und unkompliziert.

Die „Stunts“ genannten Kampfmanöver machen die Kämpfe abwechslungs- und actionreich, sind aber sehr glücksabhängig. Wer einen Pasch beim Angriff würfelt, schaut auf den „Dragon Die“, der sich farblich von den anderen beiden Würfeln unterscheidet. Der Angreifer erhält so viele „Stunt Points“, wie die Augenzahl zeigt. Diese Punkte müssen in derselben Runde für einen oder mehrere „Stunts“ ausgegeben werden, sonst verfallen sie. „Stunts“ kosten unterschiedlich viele Punkte und ermöglichen beispielsweise das Entwaffnen des Gegners oder als Magier die Erschaffung eines Manaschilds.

Das Spielleiterbuch

Das Spielleiterbuch enthält Tipps für den Spielleiter, einige Regelerweiterungen, Werte für NSC und Gegner sowie Erläuterungen zur Vergabe von Erfahrungspunkten und dem Stufenanstieg. Eine Herausforderung, die die Spielercharaktere durch Würfelglück schnell gewinnen, ist weniger Punkte wert als eine Herausforderung, bei der die Spielercharaktere Würfelpech haben. Ob diese Regel sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden. Bei einem Stufenanstieg erhält ein Spielercharakter Lebenspunkte, einen Attributspunkt, einen Fertigkeits-Fokus und neue Klassenfähigkeiten. Eine kurze Übersicht über magische Gegenstände rundet den Regelteil ab.

Das letzte Drittel des Spielleiterbuchs enthält ein Einführungsabenteuer. Schauplatz ist die Grenze zwischen Ferelden und dem großen Wald im Osten. In einer kleinen Siedung wurden Vieh und Menschen angegriffen. Während die Einwohner die arglistigen Elfen des nahen Waldes dafür verantwortlich machen, begeben sich die Spielercharaktere auf die Suche nach dem wahren Übel. Das Abenteuer ist geradlinig, aber spannend, abwechslungsreich und ein guter Einstieg in die Welt von „Dragon Age“. Auf der Rückseite des Einbands ist eine hilfreiche Übersicht über Aktionen und „Stunts“ abgebildet.

Fazit: Ein unkompliziertes Regelwerk und eine stimmungsvolle Hintergrundwelt mit wenigen Fantasy-Klischees ergeben ein interessantes Rollenspiel. „Dragon Age“ ist nicht nur für Einsteiger geeignet, die mit allen wichtigen Grundregeln und Hintergrundinformationen für ihre ersten Abenteuer ausgestattet werden, sondern auch für erfahrene Spieler geeignet, die ohne viel „Regel-Ballast“ spielen möchten. Ein hervorragender Index ermöglicht einen schnellen Zugriff auf die Inhalte. Die beiden Bücher sind trotz der geringen Seitenzahl randvoll mit Informationen, weisen aber Lücken auf. Es fehlen beispielsweise Informationen über wichtige Persönlichkeiten, Organisationen und Orte sowie Abenteueransätze für Einsteiger. Da das erste Set nur Regeln für Charaktere bis zur 5. Stufe enthält, bleibt zu hoffen, dass Green Ronin die nächste Box zügig veröffentlicht. Potential hat das „Dragon Age RPG“ auf jeden Fall.


Dragon Age Roleplaying Set 1
Grundregelwerk
Chris Pramas
Green Ronin 2010
ISBN: 978-1-934547-30-4
Box mit Player’s Guide (64 S.), Gamemaster’s Guide (64 S.), Karte, 3 Würfel / englisch
Preis: $ 29,95

bei amazon.de bestellen