Des Wandelbaren Schicksal (Heldenwerk)

Nach „Kibrakadabra“ legt die „Heldenwerk“-Reihe einmal mehr einen Zwischenstopp im Genre Dungeon Crawl ein. Und ebenso wie der letzte Dungeon liegt das zu erforschende Gewölbe in ungewohnter Umgebung: Willkommen auf Maraskan! Lohnt sich der Ausflug auf die Insel?

von André Frenzer

Vorab sei dem Leser eine Warnung entgegengebracht: Die folgende Rezension enthält den einen oder anderen Spoiler. Wer „Des Wandelbaren Schicksal“ noch als Spieler erleben möchte, dem sei angeraten, gleich zum Fazit vorzuspringen.  Eröffnet wird das Abenteuer mit einer interessanten Abhandlung über die Geschichte eines mittelreichischen Jagdschlosses auf Maraskan, dass zunächst reiche Adelige beherbergte, dann aber rasch zu einer Schutzburg gegen den maraskanischen Dschungel ausgebaut wurde. Fortan wurden hier unliebsame Reichstreue geparkt, die man gerne loswerden wollte. In den nächsten Jahrtausenden wurden hier Gefangene gehalten, Emeran von Tuzak residierte hier, dann stand sie Ewigkeiten leer und zuletzt war sie Heimstatt der Tuzaker Magierakademie Schule der Wandelbaren. Getrieben von Haffax-Anhängern und Dämonenpaktierern fand aber auch hier alles Leben schließlich ein jähes Ende durch eine fehlgeschlagene Daimonenbeschwörung. Und wieder ruht der Dschungel.

In eben diese Ruine nun verschlägt es die Helden, als sie im Auftrag einer reisenden Spektabilität ein Buch aus den Trümmern bergen sollen. Dieses Buch soll jahrtausendealte Geheimnisse der Akademie beherbergen und ist damit eine reichlich großzügig ausfallende Belohnung wert. Mittlerweile hat sich aber – unbemerkt von der Außenwelt – ein Spinnenkult in der Ruine breitgemacht, der die Ankunft Mishkharas vorbereitet.

So treffen die Helden auf ihrem Weg hinunter in die tiefsten Ebenen unter der zerstörten Burg also nicht nur auf Überbleibsel der finsteren Magie der Borbaradianer sondern auch auf den Spinnenkult und ihre Verbündeten. Sie bekommen es mit verschiedenen Chimären zu tun, mit Kultisten, Achaz, Speispinnen, Marasken, Sklaven und einigen Zauberkundigen. Außerdem ist da noch ein alter Fluch und der Geist eines bornischen Adelsjungen, der seit Ewigkeiten hier herumspukt. Allein diese Aufzählung verrät vielleicht, dass „Des Wandelbaren Schicksal“ ein wenig durcheinander wirkt.

In meinen Augen verpassen die Höhlen unterhalb der Burgruine mehrfach die Chance, ein guter Dungeoncrawl zu werden. Die Gegnervielfalt ist viel zu divers und wirkt wenig aufeinander abgestimmt. Die Gänge sind meist viel zu linear angelegt und lassen den Spielern wenig Bewegungsfreiheit. Und die Rätsel erstrecken sich meist darauf, irgendwelche Geheimtüren zu finden, indem man lose Steine oder Schalter findet. Auch Interaktion mit den Gewölbe-Bewohnern ist – abseits von Kampfhandlungen – eigentlich nicht vorgesehen. Aufgrund des geringen Platzes der „Heldenwerk“-Reihe gehen dann auch noch die eigentlich interessanten Charaktere – wie Djurmojian, die Mensch-Harnischräger-Chimäre oder die Spinnenhexe Qunbusalab – völlig in dem wüsten Einheitsbrei unter. Das ist schade, denn hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Das dann auch noch die Dungeonkarte so winzig abgebildet ist, dass man eine Lupe braucht, um überhaupt die Beschriftungen zu erkennen, stört fast auch nicht mehr.

Das Design gleicht – wie üblich – den Vorgängerbänden. Leider ist die Bebilderung deutlich reduziert worden, aber immerhin wissen die Charakterporträts zu gefallen. Das Lektorat hat wieder gute Arbeit geleistet und so erhält der handwerkliche Teil der Publikation von mir abermals eine gute Note.

Fazit: „Kibrakadabra“ hat in meinen Augen die Messlatte für Dungeoncrawls der „Heldenwerk“-Reihe hochgelegt. „Des Wandelbaren Schicksal“ kommt in keinster Weise an dieses Abenteuer heran. Was bleibt, sind einige gute Ideen, die man sicherlich als Steinbruch verwenden kann.


Des Wandelbaren Schicksal (Heldenwerk)
Abenteuer
Askin-Hayat Dogan
Ulisses Spiele 2017
ISBN: n.a.
16 S., PDF, deutsch
Preis: EUR 2,99

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