Andrax 4 – Im Sog des Verderbens

Im vierten Band der fünfbändigen „Andrax“-Neu-Edition erlebt unser Held in vier neuen Geschichten wieder allerlei wahnwitzige Abenteuer. Sei es ein Ausflug in die germanische Unterwelt der Göttin Hel, eine Begegnung mit einem wahnsinnigen Wissenschaftler, ein einäugiger Riese, außerirdische Eismenschen, dreiäugige Krötenmenschen oder gar ein Geisterschiff. Es gibt halt immer was zu tun!

von Dominik Cenia

 

 

In „Zur Hölle und zurück“ wird Andrax’ und Holernes’ Freundschaft hart auf die Probe gestellt, während die beiden Helden in dem bizarren Reich einer wahnsinnigen Schönheit, die sich selbst als Göttin Hel bezeichnet, ums Überleben kämpfen (aber eigentlich sind ja bei Andrax alle bösartigen Frauen hinreißend schön). In „Mörderische Hände“, treffen Andrax und Holernes auf Kampfmönche und einen verbannten Thronerben, der sein Reich zurückgewinnen möchte. Doch ist jenes kurze Abenteuer nur der Auftakt für ein ganz anderes Duell mit Fischmenschen, einer riesigen Krake und anderen Gefahren.

In „Irrwege des Schreckens“ erleben Andrax und sein Freund mehrere kurze Abenteuer bei dem Versuch, einen Gebirgszug durch einen verfluchten Pass zu durchqueren. Hier wechseln eine Reihe unterschiedlichster Geschichten einander ab, was wohl damit auch namensgebend für das ganze Kapitel war. In „Die Schiffe der lebenden Toten“ sitzen Holernes und Andrax schließlich auf einer Art Atoll mitten im Meer fest. An diesem Ort ermorden sich Nacht für Nacht die gleichen Piraten gegenseitig, und nur Andrax und Holernes können den Fluch brechen.

Es fällt mir an dieser Stelle schwer, etwas zu schreiben, dass ich ohnehin nicht schon in den Rezensionen zu den ersten drei Bänden von mir gegeben habe. Kurz gesagt: Man kann sich Andrax und Holernes Charme einfach nicht entziehen. Auch im vierten Band reihen sich die Ereignisse in wahren Bilderfluten aneinander. Schnell, actionreich und ganz ohne Kompromisse. „Andrax“ ist Abenteuercomic pur. Besser kann man es wohl einfach nicht beschreiben.

Zugegeben, der vierte Band legt zum Teil ein etwas gemäßigteres Tempo an den Tag. Vor allem in der ersten Hälfte von „Irrwege des Schreckens“ und in „Die Schiffe der lebenden Toten“ gibt es sogar verhältnismäßig wenig Action und für einen echten „Andrax“ ist die letzte Geschichte sogar überaus textlastig. Kein Wunder, hat sich Autor Peter Wiechmann bei der Geschichte doch tatsächlich an Wilhelm Hauffs „Sage vom Gespensterschiff“ orientiert.

Nicht unerwähnt möchte ich natürlich auch wieder die Zeichnungen von Jordi Bernet lassen, die Andrax erst zu dem werden lassen, was man hauptsächlich zu Gesicht bekommt: einen echten Comic-Helden. Bernets Strich und Bildkompositionen sind für dieses Genre einfach unübertroffen. Und die Vielzahl von Andrax’ unterschiedlichen Begegnungen (Monster, Wüsten, Untersee, Dinosaurier, und und und …) zeigen einfach, dass Bernet in jedem Segment sein Handwerk voll und ganz beherrscht hat. Mögen seine Zeichnungen nach heutigen Maßstäben vielleicht nicht mehr so sehr eine jüngere Zielgruppe ansprechen, so sind doch einige seiner Visionen bis heute maßgeblich. Vor allem die gesichtslosen Vampire aus „Zur Hölle zu zurück“ wirken auch heute noch zeitgemäß wie eh und je. Und auch die Fisch- oder Krötenmenschen erinnern stark an heutige Illustrationen der „Tiefen Wesen“ aus H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos.

Fazit: Der vierte Band offenbart wieder einmal, wie vielseitig „Andrax“ doch sein kann. Nicht immer ist es nur rein die Nostalgie, die Andrax so beliebt machen. In all den Geschichten steckt ein Stückchen unbedarfte Abenteuerlust, wie man sie in heutigen Comics nur noch selten findet. Sei es, weil sich die heutigen Zeichner und Autoren solche Gratwanderungen einfach nicht mehr trauen oder weil das Duo Bernet und Wiechmann auch nach über 30 Jahren unübertroffen sind.


Andrax 4 – Im Sog des Verderbens
Comic
Jordi Bernet, Peter Wiechmann
Cross Cult 2008
ISBN: 978-3936480788
ca. 154 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 18,00

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