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Almanach der okkulten Geheimnisse
Rollenspiele, Pathfinder 15.11.15

Jede Welt und jede Kultur birgt große Geheimnisse und Mythen über die Schöpfung oder die Götter. Oder sie trifft auf Rätsel vergangener Kulturen. Oder spinnt Verschwörungstheorien über das Verschwinden seltener Bücher. Golarion ist hier keine Ausnahme, und mit dem Almanach der okkulten Geheimnisse begeben sich Paizo und Ulisses auf den Weg, solche Geheimnisse zu lüften.

von  Tobias Dworschak

Der „Almanach der okkulten Geheimnisse“ ist 68 vollfarbige Seiten stark und wurde von einer ganzen Reihe namhafter Paizo-Autoren geschrieben, darunter Jason Bulmahn, Erik Mona oder James Jacobs. Das Layout entspricht dem gewohnt hohen Standard und dieses Mal gibt es auch an der deutschen Übersetzung nichts auszusetzen. Was erwartet uns in dem Almanach? Ein erstes Durchblättern gibt darauf nur eine unklare Antwort. Ich sehe viel Text und in der zweiten Hälfte viele Tabellen. Laut Einleitung will der Band die größten Geheimnisse Golarions vorstellen – und lüften...? Aber Paizo wäre nicht Paizo, wenn sie nicht die Gelegenheit nutzten, unzählige neue Optionen unterzubringen. Doch der Reihe nach.

Der Einstieg gestaltet sich recht stimmungsvoll mit einem Schreiben, das gefährliche Bücher der Spielwelt benennt; ein fiktiver Brief, der für sich steht und mit wenigen Worten den ein oder anderen Anker für eine kleine Episode auswirft. Ein Textkasten erläutert, welcher Autor welches Thema bearbeitet hat.

Unter der Überschrift „Golarische Geheimnisse“ steigen wir in den erzählerischen Teil des Bandes ein. Sehr ausführlich werden hier verschiedene Themen besprochen, die ich an anderen Stellen – zum Beispiel dem Kampagnenband – schon gehört habe. Diesmal aber in größerer Tiefe und immer unterteilt in eine Einleitung, die das Geheimnis vorstellt, eine Sammlung von Fakten und schließlich unterschiedliche Theorien zu den einzelnen Aspekten des Geheimnisses. Ganz offenkundig soll dies als Aufhänger für Abenteuer oder ganze Kampagnen dienen. Und das gelingt hervorragend. So viel wirkliche spannende Ansätze und originelle Ideen auf so kurzem Raum sind das, was Paizo meines Erachtens auszeichnet. Und hier glänzen sie erneut damit. Zu den behandelten Geheimnissen gehören das Aucturn-Rätsel aus dem alten Osirion, die Schöpfungsmythen unterschiedlicher Völker, der Exodus der Gnome und verborgene Herrscher. Am liebsten hätte ich hier mehr von gelesen. Übrigens werden die Geheimnisse nicht gelüftet. Welche Theorien richtig sind und ob es am Ende nicht um etwas ganz Anderes geht, bleibt offen.

Das Kapitel „Geheimgesellschaften“ wird leider wieder regellastiger. Es stellt acht sehr unterschiedliche Gesellschaften in einer Form vor, die es Spielern ermöglicht, Mitglied zu werden (was ich nicht in jedem Fall befürworten würde, aber das kommt auch auf die Art von Kampagne an, die jemand spielen möchte). Dazu gehört natürlich ein umfangreicher Stat-Block mit Werten für die Aufnahme, Aufgaben, Belohnungen und Vorteile. Die Beschreibungen der Vereinigungen sind jedoch im Großen und Ganzen gelungen, sodass sie in der einen oder anderen Form Einzug in eine Kampagne oder ein Abenteuer halten können.

Das dritte Kapitel widmet sich „esoterischen Traditionen“ und steigt damit voll in neue Möglichkeiten für Spieler und deren Charaktere ein; und das auf knapp 20 Seiten. Vorweg: Das muss nicht sein. Das meiste davon brauche ich nicht. Ja, es trägt aus meiner Sicht noch nicht einmal zu einem spannenden Spiel bei. Immerhin finde ich zwischendrin noch Hinweise auf die einzelnen Traditionen in Golarion. Ich hätte mir hier den Schwerpunkt vor den Regeln gewünscht. Die behandelten Themen sind Numerologie, Astrologie, Selbstverstümmelung, Spiritismus und Turmkartendeutung. Im Wesentlichen bekomme ich hier neue Talente oder Zauber, eine neue Prestigeklassen, ein neues Mysterium oder neue Regelelemente (Leiden für die Selbstverstümmelung).

Ich muss feststellen, dass ich hier zum Teil wirklich unsinnige Regeln finde. Bei der Numerologie gibt es ein Talent, das es einem Magier erlaubt, kostenlos metamagische Talente anzuwenden, wenn es ihm gelingt, durch Rechenoperationen mit den Augen einer Anzahl sechsseitiger Würfel (abhängig von dem Fertigkeitsrang in Wissen (Baukunst)) sogenannte Primzahlkonstanten zu errechnen. Das beschleunigt das Spiel in keiner Weise und bringt für mich keine wirklich interessanten, neuen Aspekte. Warum sollte ein Charakter hierfür auf ein sinnvolles Talent verzichten? Leider entdecke ich solche Mechanismen wiederholt, was diesen Teil des Buches für mich abwertet. Und ganz ehrlich: Ich bin nicht sicher, ob mit spielerischen Vorteilen für die Selbstverstümmelung nicht eine Grenze überschritten ist. Das muss natürlich jeder für sich entscheiden und bestimmte Aspekte an seinem Spieltisch nicht zulassen.

Das letzte Kapitel überrascht mit einer Sammlung „okkulter Schriften“. Ich finde sehr detaillierte Angaben für die Geschichte der Werke, ihre Verbreitung und ihren Inhalt. Die regeltechnischen Anteile stören hierbei nicht: Manchmal sind es bestimmte Auswirkungen beim Lesen, manchmal magische Rituale oder Zauber, die man aus diesem Buch lernen kann. Hier offenbart sich ein reichhaltiger Fundus an Ideen, den ich gerne nutze. Denn die Beschreibungen sind so gehalten, dass auch immer Raum für eigene Ergänzungen ist.

Fazit: Der „Almanach der okkulten Geheimnisse“ lässt mich insgesamt etwas ratlos zurück. Ich habe spannende Erkenntnisse gewonnen, bin inspiriert worden und tiefer in Golarion eingetaucht. Gleichzeitig wird mir nicht klar, was dieses Buch eigentlich will. Es sammelt thematisch passende Regeln, Geheimnisse, Gesellschaften und Bücher. Zwischendurch habe ich den Eindruck, es war für Paizo einfach wieder Zeit, einen Sammelband angefallener Ideen zu veröffentlichen. Derlei Quellenbücher sind für mich ohnehin immer zwiespältig. Insgesamt überwiegt aber der positive Eindruck. Die fehlende Stringenz durch viele unterschiedliche aber hochkarätige Autoren wird insgesamt durch die hohe Qualität der zum Teil außergewöhnlich kreativen Ideen kompensiert. Für ähnliche Bände wünsche ich mir mehr davon – gerne zu Lasten merkwürdiger Optionen.


Almanach der okkulten Geheimnisse
Quellenband
Jason Bulmahn, Erik Mona, James Jacobs u. a.
Ulisses Spiele 2015
ISBN: 978-3-95752-0-487
64 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 19,95

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