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Die Winterkönigin 2: Baba Jagas Hütte
Rollenspiele, Pathfinder 21.09.16

Nachdem die Gruppe im ersten Teil des Abenteuerpfades „Die Winterkönigin“ auf subtile Weise den Auftrag bekommen hat, die verschwundene Baba Jaga wiederzufinden, gilt es im vorliegenden zweiten Teil, ein geeignetes Vehikel zu finden, um der Brotkrumenspur der alten Hexe zu folgen: Dies soll die titelgebende Hütte sein, die sich in Weißthron befinden soll.

von  Tobias Dworschak

Für den Autor Jim Groves war „Baba Jagas Hütte“ seinerzeit das erste Abenteuer, das er zu einem Abenteuerpfad beigetragen hat. 2010 erreichte Groves die Top 4 vom „Paizo RPG Superstar“-Wettbewerb und seitdem tritt er immer wieder mit Publikationen auf den Plan, darunter auch dem sehr gelungenen Abenteuer „Hunter’s Mark“.

„Baba Jagas Hütte“ ist der zweite Teil von „Die Winterkönigin“ und präsentiert sich auf den gewohnten 100 Seiten (inklusive separater Karten der Örtlichkeiten) in technisch sehr guter Qualität (Satz, Illustrationen, Gestaltung – ich mag dieses kühle Blau im Seitendesign). Die Übersetzung geht in Ordnung.

Ich will zuerst einen Blick auf die übrigen Artikel werfen, um so für den Leser, der das Abenteuer noch erleben möchte, die Spoiler so gering wie möglich zu halten.

Milani ist eine geringere Gottheit, die ihr sterbliches Leben Aroden widmete und von diesem mit dem Schutz menschlicher Siedlungen an Orten, an denen die Zivilisation keine Macht hat, beauftragt wurde. Sie repräsentiert die Hingabe zu einem Ziel und den Willen, sich gegen Unterdrückung zu erheben. Der Artikel, den Sean K. Reynolds über sie verfasst, ist sehr inspirierend. Für mich passt Milani gut nach Golarion und vor allem in diesen Abenteuerpfad. Natürlich haben in dem vorliegenden Heft die Anhänger dieser Göttin eine Rolle zu spielen und das, was ich hier lese, hilft mir dabei, diese Anhänger stimmiger darzustellen. Neben einem ausführlichen Hintergrund zu der Göttin und ihrem Leben finde ich alles Wissenswerte über das Leben der Priester, Feiertage, Sprichworte, heilige Texte, Beziehungen zu anderen Religionen und so weiter. Das kenne ich aus anderen Beschreibungen von Gottheiten und es trägt hier in einem besonderen Maße zu einem größeren Verständnis für die Rolle der Göttin bei.

Gleiches lässt sich auch über die Lebensweise der Winterwölfe sagen. Diese Kreaturen sind intelligente, böse Bestien der Kälte, groß wie ein Bär und auch für erfahrende Reisende gefährlich. Winterwölfe können sprechen und bilden komplexe rudelbasierte Gesellschaften. Sie verbünden sich gerne mit Humanoiden, insbesondere, weil diese durch ihre Hände in der Lage sind, Werkzeuge zu manipulieren. Der Artikel beschreibt die Herkunft der Winterwölfe, deren Lebensweise und Gesellschaft und trägt so dazu bei, einem eigentlich nur am Rande wichtigen „Monster“ Leben einzuhauchen. Leben, dass ich bei dem Abenteuerpfad auch gleich nutzen kann, denn darin spielen Winterwölfe eine Rolle.

Das Bestiarium ist für mich ein echter Leckerbissen: Spiegelmänner (menschenähnliche Konstrukte mit einem Spiegel statt eines Gesichts), Dämmerpfeifer (Feen) sowie die Schablone der Winterfee sind spannende Konzepte, die ich gerne auch in anderen Zusammenhängen nutzen werde. Die Autoren beweisen hier eine große Kreativität, was auch deshalb nicht überrascht, weil „Pathfinder“ bisweilen eine große Zuneigung zu Feenwesen aufweist.

Die Artikel runden das Heft ab und unterstützen das Abenteuer in sehr gelungener Weise. Das habe ich auch schon anders erlebt, weshalb ich es hier hervorheben möchte. Ich wünsche mir mehr gelungene Kreaturenbeschreibungen wie zu den Winterwölfen. Und mehr vielschichtige Gottheiten wie Milani.

Werfen wir nun einen Blick auf den Kern des Bandes: das Abenteuer. Doch zunächst der übliche Hinweis auf die Spoiler: Wer das Abenteuer erleben will, sollte die folgenden Absätze überspringen und erst beim Fazit weiterlesen.

Um Baba Jaga zu finden, müssen die Charaktere deren Hütte zurück erobern. Hierbei handelt es sich unter anderem um ein mächtiges Artefakt, das in der Lage ist, die Charaktere an jeden beliebigen Ort zu bringen – wenn sie den richtigen Schlüssel verwenden. Baba Jagas Tochter – die bekanntermaßen ihre Mutter betrog, um der unausweichlichen Absetzung nach 100 Jahren Regentschaft über Irrisen zu entgehen – hat die Hütte jedoch nach Weißthron gebracht und hält sie dort fest.

Die Charaktere müssen also zunächst durch die lebensfeindliche Wildnis Irrisens reisen und dann in die Stadt des Feindes eindringen, nur um zu erfahren, dass sich um die Hütte in mysteriöser Wald gebildet hat. Um überhaupt in die Nähe der Hütte zu kommen, gilt es, eine Ablenkung zu schaffen. Zum Glück finden die Charaktere in einer Untergrundgruppe Hilfe und können dann den Wald betreten, wo sie erfahren, dass mächtige Feen dort beginnen, die Realität aufzulösen, um die Hütte in ihre Dimension zu bringen.

Das klingt in der kurzen Zusammenfassung nach einem bunten Durcheinander unterschiedlicher Ideen. Beim Lesen fügt sich der Ablauf jedoch – sehen wir an dieser Stelle mal von einigen logischen Schwächen ab – überraschend gut zusammen. Vor allem gelingt es dem Abenteuer, in einem gemeinsamen Handlungsbogen ganz unterschiedliche Herausforderungen unterzubringen, die durch den Spielleiter beliebig ausgeschmückt werden können.

Es beginnt mit der Überlandreise nach Weißthron, die schon gefährlich ist. In die Stadt einzudringen, ist ebenfalls keine leichte Übung und gelingt am besten mit der Hilfe eines Schmugglers über den Stadtteil, der von Winterwölfen bewohnt wird.

Auch die erwähnte Untergrundbewegung bietet zahlreiche Gelegenheiten für rollenspielerische Highlights, um die doch zahlreichen und durchaus fordernden Kämpfe aufzulockern. Natürlich presst der Autor wieder die unterschiedlichsten Gegner in das Abenteuer – unter der Prämisse seines Plots ergibt dies aber durchaus Sinn.

Der Wald in Weißthron ist für mich persönlich für das Abenteuer etwas viel in dem Sinne, dass der Verlauf bisher abwechslungsreich genug war. Dennoch ist er an sich ein gelungener „Dungeon“ mit spannenden Herausforderungen. Und am Ende winkt der große Preis, Baba Jagas Hütte.

Das Abenteuer fühlt sich manchmal noch zu sehr wie ein Vorspiel zu dem eigentlichen Abenteuerpfad an, ist die Hütte doch notwendig, um Baba Jagas Spur zu folgen. Unabhängig davon gelingt es dem Autor aber, eine abwechslungsreiche Reise zu erzählen, die ganz verschiedene Herangehensweisen anspricht und fordert. Diese Mischung gefällt mir gut.

Fazit:
Auch wenn die Geschichte hinter dem Abenteuer an sich etwas eindimensional ist (Rettet die Hütte), gelingt dem Abenteuer eine spannende Umsetzung mit vielen Möglichkeiten, gerade im Hinblick auf eine lebhafte und vertiefte Darstellung der Umgebung und der durchaus gelungenen NSC. Die übrigen Texte finde ich sehr gelungen, denn sie laden dazu ein, die Welt und gerade wegen des direkten Bezugs auch das Abenteuer konkreter darzustellen und mehr Hintergrund in eine glaubwürdigere Welt einfließen zu lassen.


Die Winterkönigin 2/6 – Baba Jagas Hütte
Pathfinder-Abenteuerpfad
Jim Groves u.a.
Ulisses Spiele 2014
ISBN: 978-3-95752-002-9
96 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 22,95

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