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Der Film wurde im Vorfeld seines Kinostarts unglaublich aggressiv dadurch beworben, dass man nichts von ihm verriet. Ein Datum, den abgeschlagenen Kopf der Freiheitsstatue – viel mehr gab es von dem geheimnisvollen Projekt des Mr. J. J. „Lost“ Abrahms nicht zu sehen. Dabei hätte es dem Film vielleicht sogar gut getan, einfach laut und deutlich zu verkünden, dass er ein spannender, krachender Monsterfilm ist – denn nicht mehr (aber auch nicht weniger) ist „Cloverfield“: Godzilla made in America. Wen all dieser Kunst-Hype letztlich vom Kinobesuch abgehalten hatte, der kann diesen Fehler nun mit dem DVD-Release wieder beheben – denn „Cloverfield“ macht Spaß!
von Bernd Perplies

Der Film
Das Ganze beginnt wie eine Mischung „Blair Witch Projekt“ und all diesen coolen, hippen Twentysomething-Beziehungsfilmen, die man aus der Hollywood-Maschinerie kennt. Mit scheinbar amateurhaftem Hobbyfilmer-Impetus (und dabei doch niemals so amateurhaft, dass man dabei irgendetwas Relevantes verpassen würde!) mäandert die Kamera auf der Party von Rob umher, der nach Asien geht und dem seine Freunde eine Abschiedsüberraschung mit Wein, Weib und Gesang beschert haben. Robs bester Freund Hud nimmt in diesem Zusammenhang Grußworte der Gäste auf – seinem Blick werden wir in den kommenden 78 min. folgen.
Irgendwann fällt urplötzlich der Strom aus und die Erde bebt. Eher neugierig als schockiert klettert die Partygesellschaft auf’s Dach, nur um zu sehen, dass im Hafen von Manhattan eine Explosionswolke aufsteigt. Gab es einen Unfall? Haben Terroristen zugeschlagen? (Gerade diese Furcht wird zu Beginn in mehreren Motiven unterfüttert, etwa einem einstürzenden Hochhaus und der seit 9-11 ikonischen Staubwolke, die sich infolgedessen durch die Straßen wälzt.) Doch als dann unvermittelt der Kopf der Freiheitsstatue quer durch Manhattan segelt, nur um just vor den Augen der Protagonisten auf den Asphalt aufzuschlagen, ist klar, dass hier mehr im Gange ist. Ein gewaltiges, riesenhaftes Ungetüm hat sich nach New York verirrt, und wo es hinhaut, werden unsere zivilisatorischen Errungenschaften in Steinschutt, Glassplitter und Asche zerlegt.
Das alles geht sehr schnell vonstatten, wird fast in Echtzeit erzählt. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, als sich die kleine Gruppe, die im Zentrum der Handlung steht – neben Rob und Hud noch Robs Bruder Jason, dessen Freundin Marlena und Huds heimliche Liebe Lily –, auf die Flucht vor dem monströsen Eindringling macht. Obwohl natürlich immer wieder geschnitten wird, um Zeit zu überbrücken, derer es nun mal bedarf, um Manhatten zu durchqueren, gelingt es den Machern sehr gut, den Adrenalinspiegel ihrer Helden und der Zuschauer oben zu halten und einem fast ständig das Gefühl zu vermitteln, mittendrin, statt nur dabei, zu sein. Es kracht und donnert allerortens, wenn sich die Army gegen die haushohe, in Rauch und Dunkelheit mehr zu erahnende als zu sehende Bestie zur Wehr setzt. Und dass Regisseur Matt Reeves und sein Drehbuchautor Drew Goddard dabei keinesfalls vor Toten in den eigenen Reihen zurückschrecken, verleiht der Geschichte zusätzliche Spannung.
Es ist ein Film voller Klischees, keine Frage. Das beginnt bei den allzu gutaussehenden Protagonisten, setzt sich über die unvermeidliche Liebesgeschichte, die überhaupt erst zum Antriebsmotor wird, sich mehr als eine Stunde durch ein urbanes Minenfeld zu bewegen, fort und endet nicht zuletzt in den Standardsituationen des Monsterfilms, etwa den alienartigen Insektoiden („Starship Troopers“ lässt grüßen), die dem Leib des Riesen entfallen, damit die monströse Gefahr auch stilecht in dunklen Ecken zu lauern vermag oder der Erkenntnis, dass so ein Vieh niemals tot ist, wenn es nicht als zerfetzter Haufen Echsenfleisch auf einer gut einzusehenden Fläche herumliegt! Dennoch: Für ein B-Movie funktioniert „Cloverfield“ hervorragend – das ist nichts, was man geheimhalten muss.
Die DVD
Für eine Single-Disc-Edition ist „Cloverfield“ geradezu vorbildlich mit Bonusmaterial ausgestattet. Es existiert nicht nur ein Audiokommentar von Regisseur Matt Reeves, der seine Bezeichnung ausnahmsweise mal wirklich verdient – denn der Mann kommt keine Minute lang zur Ruhe, sondern redet wie ein Wasserfall. Es findet sich auch ein dreiteiliges Making Of (Über die Dreharbeiten, über die Digitaleffekte, über das Monsterdesign) auf dem Silberling, das eine knappe Stunde Informatives rund um die Entstehung des Films bietet.
So verrät J. J. Abrahams etwa, dass ihn ein Japan-Besuch und die dortige Präsenz von Godzilla als nationaler Monster-Ikone dazu bewogen haben, auch den Amerikanern „ihr Monster“ zu schenken. Außerdem wird dem tatsächlichen Dreh, also der Arbeit mit Greenscreen, tragbarer Digitalkamera und Spezialeffekten viel Platz eingeräumt. Zum Ausklang sind noch einige Blooper sowie zwei alternative Enden (der Unterschied ist allerdings kaum der Rede wert) und ein paar entfernte Szenen auf der DVD abgelegt – allesamt mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs, der offenbar so begeistert von dem Film war, dass er einfach nicht genug darüber erzählen konnte.
Fazit: „Cloverfield“ ist für alle Freunde des „Monsterfilms“ ein kleine Offenbarung. Wenn man darüber hinwegsieht, dass sich der Film im Vorfeld größer machen wollte, als er ist, wird man 80 atemlose Minuten hervorragend unterhalten – und das Bonusmaterial strotzt dank einem extrem mitteilungsbedürftigen Regisseur nur so vor Informationen. Klare Kaufempfehlung! 
Cloverfield
USA 2008
Regie: Matt Reeves
Darsteller: Michael Stahl-David (Rob), Jessica Lucas (Lily), Lizzy Kaplan (Marlena), T. J. Miller (Hud), Mike Vogel (Jason), Odette Yustman (Beth)
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.08.2008
Länge: 78 min.
Bildformat: 1,78: 1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Matt Reeves, Dokumentation 18.01.08: Das Making of von Cloverfield, Die visuellen Effekte von Cloverfield, Ich sah es! Es lebt! Es ist gigantisch!, Clover Spaß, Entfernte Szenen, Alternative Enden
Preis: EUR 17,95
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