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Tides of Time – Im Strom der Zeit
Kartenspiele 18.01.16

Das 18 Karten schlanke 2-Personen-Mikrospiel „Tides of Time – Im Strom der Zeit“ kommt im ähnlichen Format wie das äußerst erfolgreiche „Love Letter“ daher. Ob es auch spielerische Parallelen gibt, wollen wir uns genauer anschauen. Die opulent bebilderten Karten und ein mystisch-fantastisches Thema machen schon mal neugierig.

von  Michael Wilhelm

Weniger ist manchmal mehr, mögen sich die polnischen Autoren von „Tides of Time – Im Strom der Zeit“ gedacht haben. So kommt dieses Kartenspiel mit ganzen 18 Karten und 4 Holzmarkern aus. Das Spielmaterial ist, wie von Pegasus gewohnt, hochwertig und auch bei häufigerem Gebrauch widerstandsfähig. Die wie bei „Love Letter“ übergroßen Karten sind griffig und handlich; die Illustrationen zeigen wunderschön gestaltete mystisch-fantastische Bauwerke: Paläste, Burgen, Gärten und Bibliotheken. Und schaffen auch gleich einen thematischen Übergang zu Titel und Spielablauf.

Man denke sich in eine mythische Welt, in der großartige Reiche wiederholt dem Verfall erliegen und nur einzelne Monumente dem Zahn (oder Strom) der Zeit trotzen und als Relikt in die nächste Epoche überdauern. Dann beginnt der Kreislauf von Wachstum und Untergang der Zivilisation erneut. Wie zu einem Mikrospiel mit 15 bis 20 Minuten Dauer passend, geht das natürlich nicht endlos so weiter, sondern nach drei Durchgängen ist Schluss.

Nach dem Mischen erhält jeder Spieler 5 Karten, wählt eine davon aus und deckt sie zeitgleich mit dem Gegner auf. Dann gibt man die restlichen 4 Karten an den Gegner weiter, wählt aus diesen wieder eine Karte und nach 5 Runden Draften (wie man es vielleicht aus dem Turnierbetrieb von „Magic: The Gathering“ kennt) ist die erste Epoche zu Ende.

Nun folgt eine Epochenwertung. Für die Wertung kommt es auf die in der oberen linken Ecke der Karten abgebildeten Symbole (Krone, Blatt, Turm, Schriftrolle oder Hand) und den Spieltext an. Die recht klangvollen Titel und hübschen Illustrationen der Karten sind dafür nicht von Belang. Der Spieltext bezieht sich meist auf die Symbole und verteilt für bestimmte Kombinationen oder Anzahlen von Symbolen Punkte. Die meisten Karten geben keine Punkte für das auf der gleichen Karte vorhandene Symbol, sondern fordern, dass man durch vorausschauendes Draften Punkte-trächtige Kartenkombinationen ergattert. Gleichzeitig sollte man die ausliegenden Karten des Gegners im Auge behalten, damit man dessen Pläne vielleicht auch einmal durchkreuzen kann. Die Siegpunkte müssen mit (in den meisten Haushalten sicher vorrätigen) Stift und Papier notiert werden.

Nach der Wertung werden alle 5 eigenen ausliegenden Karten wieder auf die Hand genommen. Eine Karte wird nun als Relikt für die nächste Runde ausgewählt und mit Holzmarker markiert, eine Karte wird ganz aus dem Spiel genommen und die restlichen 3 bilden mit 2 neuen vom Nachziehstapel die neue Starthand. Das Draften geht von neuem los, bis dann 6 Karten ausliegen und gewertet werden. Danach bleiben 2 Relikte als Start für die dritte Runde. Und am Ende der dritten Runde liegen dann vor jedem Spieler 7 Karten aus und die entscheidende Abschlusswertung steht an.

Bei „Tides of Time“ kann das Spielglück recht eindrucksvoll hin und her schwappen. Auch ein deutlicher Vorsprung nach der ersten oder zweiten Runde ist keine Garantie für den letztendlichen Sieg. Einzelne Karten können (wenn einem Glück und Geschick bei der Kartenauswahl hold sind) das Spiel kippen. So gibt der „Saphirhafen“ beispielsweise 8 Siegpunkte Bonus für die höchste Wertung mit einer anderen Karte, das „Dach der Welt“ verdoppelt die Anzahl der Symbole der häufigsten Symbolart oder das „Königsnest“ lässt alle Gleichstände gewinnen.

Abgesehen vom Draften hält sich die Interaktion mit dem Gegner allerdings in Grenzen, auch wenn man natürlich Einfluss auf die Karten hat, die dem Gegner zur Verfügung stehen, und man ihm die eine oder andere wertvolle Karte auch mal wegschnappen kann.

Negativ fällt auf, dass man bei der kurzen Spieldauer von 15 Minuten (mit erfahrenen Spielern auch mal weniger) immerhin drei Mal Stift und Papier zücken muss, bis der Strom der Zeit einen Sieger erkoren hat. Dafür hat man bis dahin ein kurzweiliges und spannendes Spiel gespielt, das gleich Lust auf eine zweite oder dritte Partie macht.

Fazit: „Tides of Time“ kommt mit ähnlich wenig Spielmaterial aus wie das populäre „Love Letter“, spielt sich aber gänzlich anders. Die stimmungsvollen Illustrationen verschmelzen mit dem Relikt-Mechanismus zu einem spannenden und abwechslungsreichen Draft-Spiel. „Tides of Time“ mag nicht gerade ein abendfüllendes Epos sein, macht aber genug Spaß, dass man gleich mehrere Runden hintereinander spielen will.


Tides of Time – Im Strom der Zeit
Kartenspiel für 2 Spieler ab 8 Jahren
Kristian Curla
Pegasus Spiele 2015
EAN: 4250231707209
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 9,95

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