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10.000 BC (2-Disc Special Edition / Steelbook)
DVDs 20.07.08

Roland Emmerichs größte Filme, die Weltuntergangsszenarien „Independence Day“ und „The Day After Tomorrow“, zeichnen sich vor allem durch zwei Dinge aus. Zum einen eine umfangreiche – und nicht uninteressante – Darstellerriege, die in mehreren Erzählsträngen die Reaktionen eines Querschnitts der amerikanischen (wohl stellvertretend für die Welt-) Bevölkerung auf Katastrophen wie eine Alieninvasion oder den Klimaschock darbietet. Zum anderen spektakuläre CGI-Bilder, die sich vor allem auf der Kinoleinwand dramatisch entfalteten und so über manche Handlungsschwäche hinwegsehen ließen. Mit „10.000 BC“ verfolgt Emmerich nun einen anderen Ansatz.

von  Bernd Perplies

Der Film

Er will eine Legende aus prähistorischer Zeit erzählen. Und erzählt wird sie wortwörlich, denn im Original verleiht Omar Sharif der Geschichte mit Greisenstimme und der blumigen Sprache, wie sie nur „primitive Naturvölker“ zustande zu bringen scheinen, seine mythische Unterfütterung (und leider auch Distanz zum Zuschauer). Dass die Erzählung dabei eigentlich von der Legende des Kindes mit den blauen Augen handelt, der Film allerdings den Weg eines jungen Kriegers in ein fernes Land zwecks Brautrettung zeigt (ja, sie hat blaue Augen, aber ihr Anteil an den Geschehnissen reduziert sich im Wesentlichen darauf, ihre Peiniger aus selbigen widerspenstig anzublitzen), ist eine inhaltliche Diskrepanz, die man mit einem Schulterzucken abtun kann.

Schwieriger wird dies bei zwei anderen Mankos des Films: Zum einen bleiben die Figuren – dem Konzept der „Legende“ geschuldet? – ziemlich eindimensional. Grundlegendste Momente des Erzählens – die Liebe zu einer Frau, das Auflehnen gegen den Tyrannen, das allmächtige Schicksal – bestimmen ihre Handlungen, und entsprechend vorhersehbar ist der Fortlauf der Ereignisse, vor allem, nachdem uns die Weise Frau des Stammes des Helden zu Beginn bereits prophezeit hat, was passieren wird: Das Kind mit den blauen Augen, das die Jäger im Schnee ihrer kalten Heimat gefunden haben, wird igendwann die Geliebte des Ersten Jägers, später gemeinsam mit den Männern ihres Volkes durch die vierbeinigen (a.k.a. Berittenen) Dämonen geraubt, durch den Jäger gerettet und am Ende sollen die beiden den Stamm in ein neues Zeitalter (von der Mammutjagd hin zum Ackerbau) führen.

Und weil Emmerich und sein Co-Drehbuchautor Harald Kloser auch nicht versuchen, aus dem prophezeiten Schema auszubrechen, sondern stattdessen in der zweiten Filmhälfte nur noch das bekannte „Stargate“-Schema (allerdings ohne den coolen Kurt Russell) aus der filmischen Mottenkiste holen – auf der Reise trifft der Held freundliche Eingeborene, mit deren Hilfe er gegen die „vom Himmel gekommenen Götter“, die Tausende von Sklaven zum Pyramidenbau zwingen, antritt –, will sich auch keine gesteigerte Spannung beim Zuschauer einstellen – trotz Säbelzahntiger, riesigen, aggressiven Laufvögeln und schurkischen arabischen Sklavenhändlern.

Apropos Säbelzahntiger (und dergleichen): Die gezeigten Urzeitviecher, allen voran die Mammuts und ausgerechnet ausgenommen des Säbelzahntigers, der einen bittenden Hundeblick an den Tag legt, bei dem sich jeder echten Katze der Welt das Fell sträuben würde, sind durchaus beeindruckend digital umgesetzt. Das zeigt sich vor allem in der Mammutjagd zu Beginn. Dennoch – und damit kommen wir zu Manko Nummer zwei – fehlt es „10.000 BC“ an spektakulären Bildern. Mammuts sind nett, aber einfach zu klein, um wirklich „groß“ zu wirken. Bergpanoramen sind schön, aber Neuseeland kennen wir mittlerweile wirklich, und die hier gezeigten Aerial Shots könnten Eins-zu-eins aus „Der Herr der Ringe“ stammen. Emmerich versucht dies in der zweiten Hälfte des mit 104 Minuten überraschend kurzen Films durch mehrmalige Kameraschwenks über seine weitläufige Pyramidenbaustelle wettzumachen, aber irgendwie erscheinen diese Szenen trotz tausendfachem Gewusel seltsam steril und leblos.

Ich will nicht sagen, dass „10.000 BC“ nicht seine Momente hat. Der Kampf gegen die „Terror Birds“ in dem tropischen Lost Valley, das die schneebedeckten Berge der Heimat des Helden von der gleißenden Wüste, in der die Bösen leben, trennt, hat Tempo und Action. Und auch das babylonische Sprachengewirr, das mitunter zwei Mittelsmänner braucht, damit sich Held und Schurke unterhalten können, ist eine so überraschende Konzession an den Realismus in einem Film wie diesem, dass es mir einfach gefällt. Dennoch bleibt der Film über weite Strecken hinter seinen Möglichkeiten zurück. Für ein Epos ist er nicht hart, für ein Pulp-Abenteuer nicht humorvoll genug, der Handlung fehlen überraschende Wendungen, den Bildern die Wirkungskraft und den Schauspielern die Präsenz, einen Blockbusterfilm anzuführen. Alles in allem kein Beitrag zu Emmerichs Werk, der in Erinnerung bleiben wird.

Die DVD

Die „2-Disc Special Edition“ kommt in einem bronzefarben glänzenden Steelbook daher, dessen Oberflächenmarmorierung an Schlangenhaut erinnert – auch wenn keine einzige Schlange in dem Film vorkommt (es sieht trotzdem sehr hübsch aus). Die Bild- und Tonqualität ist ordentlich, wenngleich die Szenen – gerade in der Dunkelheit – seltsam mattgrau wirken, ein Phänomen übrigens, das viele moderne, computergefilterte Filme teilen: Die Farben wirken schlicht gedeckter und flächiger als zu Zeiten, in denen Technicolor den Markt beherrschte.

Das Bonusmaterial ist indes hervorragend. Zwei Features geben einen insgesamt etwa 30-minütigen Einblick in die Entstehung von „10.000 BC“, wobei die Macher mehrmals darauf hinweisen, dass sie sich sowohl kontroverser wissenschaftlicher Theorien als auch dichterischer Freiheiten bedient haben, um Volksgruppen aus scheinbar unterschiedlichen Zeitaltern der Menschheitsgeschichte zusammenzubringen (Mammutjäger und Pyramidenbauer beispielsweise) – wobei sich Zuschauer, die Emmerichs Film historische Ungenauigkeit vorwerfen, angesichts des durchaus bekannten Oevres des Regisseurs ohnehin einem Reality Check unterziehen sollten.

Geradezu tragisch sind die Szenen, die zeigen, mit welcher Mühe ein 70-köpfiges Team eine riesige Modellandschaft der Pyramidenstätte errichten, denn im Film wirkt das Ganze aufgrund extensiver Digitalnachbearbeitung leider wie eine mäßige CGI-Animation – auch das übrigens ein Phänomen, dass „10.000 BC“ mit vielen modernen, computergefilterten Filmen teilt.

Das Kernstück des Bonusmaterials ist eine 90-minütige Dokumentation des „History Channel“ über das Leben der „Clovis People“, der ersten Ureinwohner Amerikas, die ungefähr um „10.000 BC“ lebten. Ich will nicht sagen, dass diese Doku direkt unterhaltsamer ist, als Emmerichs Popcorn-Movie, aber man nimmt als Zuschauer auf jeden Fall mehr daraus mit, denn es werden – in einer Mischung aus Spielszenen, Digitaleffekten und Interviews mit Wissenschaftlern – interessante Einblicke in das damalige Leben und seine Herausforderungen geboten.

Abgerundet wird das Bonusmaterial durch ein alternatives Ende, in dem Omar Sharif persönlich als greiser Urzeit-Erzähler den Epilog sprechen darf, außerdem gibt es einige Deleted Scenes.

Fazit: Auch wenn der Film selbst kein Meisterwerk Emmerichs ist, sondern nur solide (und auf dem Fernsehbildschirm etwas unspektakulär wirkende) Abenteuerkost, muss man vor der DVD-Umsetzung den Hut ziehen. Die Aufmachung ist großartig und das Bonusmaterial höchst interessant – vor allem die Dokumentation des „History Channels“, die Emmerichs Fiktion mit harten Fakten untermauert.


10.000 BC
US/NZ 2008
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: Steven Strait (D’Leh), Camille Belle (Evolet), Cliff Curtis (Tic’Tic), Joel Virgel (Nakudu), Ben Badra (Warlord), Omar Sharif (Erzähler)

Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 07.07.2008

Länge: 104 min.
Bildformat: 2,4:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Englische Audiodeskription für Blinde (Dolby 5.1)
Untertitel: Deutsch, Spanisch, Italienisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Ein wilder, aber flauschiger Ritt – wie Prähistorisches auf der Leinwand lebendig wird; Die Inspiration für ein Epos – wie die Geschichte das Drehbuch und das Design beeinflusst; The History Channel: Eine Reise in die Vergangenheit: 10.000 BC; Alternatives Ende; Zusätzliche Szenen

Preis: EUR 18,90

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