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Belfort
Brettspiele, Familienspiele (allgemein) 16.04.13

Willkommen in Belfort, der schönsten Stadt der Welt. Naja, zumindest auf dem Papier, denn ihr seid schließlich der Bauherr. Ach, und wenn ich gleich bei den schlechten Nachrichten bin: Es gibt ein paar Konkurrenten eurer Zunft bei der Erbauung der Stadt, aber nur einen goldenen Schlüssel für selbige zu vergeben. Sodann; möge der beste Bauherr gewinnen …

von  Lars Jeske

Das farbenfrohe Strategiespiel „Belfort“ von Jay Cormier und Sen-Foong Lim hält die 2 bis 5 Spieler dazu an, sich als Stadtbauer zu verdingen. Dabei bauen alle Spieler in der gleichen Stadt, wodurch es die Siegpunkte pro Jahreszeit nach dem Mehrheitsprinzip der gebauten Häuser je Stadtteil gibt. Die Beschaffung der Rohstoffe für die Häuser erfolgt mit Hilfe von Handwerkern, deren Anzahl man ebenfalls selber regulieren kann und welche Bonuspunkte bringen. – Soweit so gut und die bekannten Aspekte, die man bei einem derartigen Spiel erwartet.

Die erste Überraschung ist das reichhaltige Spielmaterial. Die standardisierte Eurosize-Box ist randvoll mit zwei Übersichtstableaus, einen fünfteiligen Spielplan, Pappmarkern für Geld und die Spielerreihenfolge sowie Unmengen an Holzteilen, die die verschiedenen Arbeiter repräsentieren, dazu Häuser und sonstige Marker. Ein Stapel Karten mit den Gebäuden rundet das Ganze gut ab. Die Qualität von allem ist hervorragend. (Lediglich die Karten sind recht dünn, aber die kann man gleich in passende Hüllen verschwinden lassen.)

Vor dem ersten Spiel gilt es aber erst einmal die Marker der Spieler vorzubereiten. Vor allem die Holzsteine wollen mit Aufklebern versorgt werden. Die runden werden somit zu Elfen, quadratische zu Zwergen und die 5-eckigen zu Gnomen. Dies ist leicht zu bewerkstelligen, jedoch sind es über 80 Sticker. Ist dies dann geschafft, ist die Atmosphäre des Spiels hergestellt. Nun gilt es, sich der Spielanleitung zu widmen. Die 18 Seiten sind mitunter lustig geschrieben, damit ist die Story auch stimmig. Inhaltlich ist alles abgedeckt und verständlich erklärt.

Das Spiel ist leicht zu verstehen. Vor allem wenn die Spielerrunde ähnliche Spiele schon einmal gespielt hat, sind maximal 10 Minuten dafür nötig, was zur geplanten Spielzeit von 120 Minuten in einem guten Verhältnis steht. Damit aber auch genreneue Spieler nicht den Überblick verlieren, bekommt jeder Spieler eine ausführliche Ablaufübersicht. Dort sind alle Regeln und Aktionen, die man pro Phase durchführen darf, aufgelistet. Eine sehr gute Idee, die den (Wieder)Einstieg enorm erleichtert.

Genügend Platz sollte auf dem Tisch sein, denn die Karten, die man zieht, stellen Gebäude dar, welche jeder Spieler entsprechend vor sich auslegen muss. Der Spielablauf ist einfach. Zuerst sichert man sich die Aktionsfelder (in diesem Fall also Bonusrohstoffe der Gilden), zusätzliche Arbeiter, ändert die Spielerreihenfolge oder gönnt sich einen Bonus durch schon ausgespielte Häuser, welche man exklusiv nutzen darf. Die übrigen Arbeiter werden zur regulären Beschaffung der Rohstoffe eingesetzt. Hier setzt das Spiel, wie das Cover schon zeigt, voll auf Klischees. Den Elben obliegt es, das Holz zu schlagen, während Zwerge allein Steine heranschaffen können. Geht es um Eisen, müssen beide jedoch zusammenarbeiten, das heißt ein Elb und ein Zwerg bringen dem Spieler dieses. Nur beim Gold ist es egal, da darf jeder Arbeiter ran. Falls man allein die meisten Arbeiter an einen Rohstoffpunkt schickt, bekommt man sogar noch einen extra. Dies kann das Spiel dramatisch ändern.

Nach den Einnahmen und Steuerabgaben darf der aktuelle Startspieler seine Aktionen in der Stadt bei den Gilden und seinen Häusern tätigen, neue Gebäude bauen, Waren mit der Bank tauschen, etc. Ebenso besteht die Möglichkeit Gnome anzuwerben. Dies ist die 3. und letzte Sorte von Arbeitern. Allerdings haben die als einzige einen gesicherten Arbeitsplatz, das heißt man muss sofort für diese eine Verwendung haben und kann dadurch weitere Extras in den Gebäuden freischalten. Der entsprechende Gnom bleibt dann für die Restdauer der 7 Spielrunden auf der Karte liegen.

Für die 3 Wertungen im Verlauf des Spieles gilt es im entscheidenden Moment die Mehrheit an Gebäuden in den 5 Stadtbezirken zu haben. Ein Gleichstand bringt dabei weniger, da jeder Beteiligte nur die Belohnung der nachfolgende Stufe bekommt. Ebenso gibt es auch Punkte für die Mehrheit an Arbeitern (Elben, Zwerge und Gnome). Somit muss man mehrere Ressourcen managen und auch die Mitspieler im Auge behalten.

Beim Erstkontakt mit „Belfort“ kommt einem der Spielplan zu bunt und recht unübersichtlich vor. Denn die Spielerfarben decken sich mit einigen Häuserfarben, wodurch nicht immer die aktuellen Mehrheitsverhältnisse sichtbar sind. Ein Manko für Einsteiger. Wie bei Strategiespielen häufig, muss man „Belfort“ auch öfter spielen, um mehrere Wege auszuprobieren und andere Ideen zu entwickeln, wie man noch erfolgreicher spielt. Etwas, das man mit den richtigen Mitspielern hier jedoch gern tut.

Mit zunehmendem Spielverlauf wird sinnvollerweise die Steuerabgabe der führenden Spieler höher, wodurch eine gewisse Regulierung eintritt. Mehr Siegpunkt bedeutet immer auch eine höhere Steuerklasse.

Die zweite Überraschung ist die Varianz der Gilden (Aufleger von Bonusplättchen in der Stadt). Aus den drei Kategorien „Ressourcen“, „Basis“ und „Interaktion“ kann man die 5 benötigten auswählen, sodass kein Spiel dem nächsten gleicht. Verschenkt wurde hier leider die Möglichkeit, auch die Bezirke nicht gleichartig aufzubauen. Das Spiel wäre noch kniffliger, wenn es als Profiversion nicht in jedem Stadtteil genau die gleichen Gebäude geben würde.

Die letzte Überraschung ergibt sich aus der Spieleranzahl. Bei 2 Spielern steuert jeder noch einen NSC, mit dem man dann taktisch etwas zusammenarbeiten kann. Bei 3 Spielern ist „Belfort“ am kompetitivsten. Hier benötigt man auch insgesamt mehr Spielzeit, da es wichtige Entscheidungen gibt, die wohl überlegt sein wollen, um nicht längere Zeit ins Hintertreffen zu geraten. Am familienfreundlichsten ist das Spiel mit 5 Spielern. Hier werden einem oft Entscheidungen abgenommen, da man weniger Setzmöglichkeiten hat, und auch die Steuerlast fällt nicht so ins Gewicht (da man insgesamt nicht so viele Siegpunkte erreicht). Daraus ergibt sich, dass man nicht schon eine Runde im Voraus seine Finanzen planen muss und somit auch wirklich schon ab 12 Jahren nahezu gleichwertig mitspielen kann. Die 7 Runden, die zu spielen sind, gehen dann jedoch vor allem am Ende viel zu schnell vorbei und man sieht erst, wie vollgepackt zwei Stunden werden können.

Fazit: „Belfort“ ist ein Strategiespiel, in dem es um Figurenmehrheiten und Ressourcenmanagement geht. Das Setting wirkt nicht übergestülpt, sondern passt gut zu den Spielregeln, die zudem recht leicht zu verstehen sind. In gut zwei Stunden gilt es im richtigen Moment Figurenmehrheiten zu haben, um spätestens bei der finalen Wertung vorn zu liegen. Es werden keine neuen Spielmechanismen hervorgebracht, jedoch bekannte geschickt kombiniert. Wer vor strategischen Entscheidungen nicht zurückschreckt, kann „Belfort“ gut als Einstiegsspiel nehmen. Es ist nicht das komplexeste Spiel der Welt, wenngleich hinreichend anspruchsvoll.
PS: Den Druckfehler auf den Wertungstafeln für die Arbeitermehrheiten (nicht 2, sondern 3 Punkte) kann man leicht mit einem schwarzen Stift korrigieren.


Belfort
Brettspiel für 2 bis 5 Spieler
Jay Cormier, Sen-Foong Lim
Pegasus Spiele 2012
EAN: 4250231704284
Sprache: deutsch
Preis: EUR 39,95

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