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City Tycoon
Brettspiele, Familienspiele (allgemein) 11.09.13

In „City Tycoon“ übernehmen die Spielenden die Rollen von Wirtschaftsmagnaten, errichten gemeinsam eine Stadt, versorgen deren Gebäude mit Rohstoffen und kassieren dafür Geld und Siegpunkte. Wem das am besten gelingt, der wird am Ende Bürgermeister. Eine ungewöhnliche Art und Weise, an den Posten des Stadtoberhauptes zu kommen? Mag sein, aber wer weiß, vielleicht ist das Ganze ja ein Kommentar auf die Verzahnung von Wirtschaft und Politik in demokratischen Staaten.

von  Bastian Ludwig

Regeln

Während einer Partie „City Tycoon“ spielt man insgesamt vier Runden, die in mehrere Phasen aufgeteilt sind. Aus einem zufällig zusammengestellten Vorrat suchen sich die Spielenden zunächst reihum je sechs „Stadtplättchen“ heraus, Gebäude, die im Verlauf des Spiels gebaut werden dürfen, dadurch Kosten verursachen, später aber auch Erträge abwerfen können.

Gebaut werden die Stadtplättchen in der zweiten Phase, in der die gemeinsame Stadt erweitert wird. Für den Stadtplättchenbau gibt es nur zwei Regeln: Die Baukosten müssen bezahlt werden und ein Plättchen muss mit mindestens einer Kante an ein schon gelegtes angrenzen. Manchmal bekommt man schon beim Auslegen Siegpunkte, Rohstoffe oder Ähnliches. Im Verlauf des Spiels werden die Plättchen teurer, aber auch ertragreicher. Gelegte Plättchen werden mit einem Besitzmarker gekennzeichnet. Alternativ zu den Stadtplättchen kann man auch „Kraftwerksplättchen“ auslegen. Kraftwerke haben die Funktion „Rohstoffe“, irritierenderweise nicht etwa „Energie“ oder „Strom“, zu produzieren. Des Weiteren hat man auch die Möglichkeit, seine Stadtplättchen gegen Bares einzutauschen.

Sind alle Stadtplättchen verbraucht, darf man beliebig viele eigene Stadtplättchen mit Rohstoffen versorgen. Dafür muss man eine Anzahl an Rohstoffen, die auf dem Stadtplättchen angegeben ist, von einem oder mehreren Kraftwerksplättchen durch die Stadt transportieren. Bewegt man sich dabei über ein Plättchen eines Mitspielenden, sind dafür Durchreisegebühren fällig. Man kann ein eigenes Plättchen auch mit Rohstoffen von fremden Kraftwerken versorgen, was allerdings ebenfalls bezahlt werden muss. Hat man ein Stadtplättchen versorgt, bekommt man dafür „Einnahmen“, also entweder Geld, Siegpunkte oder auch Rohstoffe, die sich später wieder für die Versorgung anderer Stadtplättchen einsetzen lassen.

Das Spiel gewinnt, wer am Ende die meisten Siegpunkte hat, wobei auch erwirtschaftetes Geld abschließend in Siegpunkte umgerechnet wird.

Besprechung

„City Tycoon“ ist ein Spiel, bei dem sich Glück und Taktik die Waage halten. Die Stadtplättchen etwa werden nicht vollkommen zufällig verteilt, sondern nach einem bestimmten System von den Spielenden nacheinander aus einem Vorrat ausgewählt. Man bekommt also nicht unbedingt alle Plättchen, die man sich wünscht, kann aber schon hier in Ansätzen eine Strategie für die folgende Runde zurechtlegen, denn das Spiel bietet einem mehrere Wege, Geld und Siegpunkte zu erwirtschaften.

So kann man sich etwa auf kurze und dadurch kostengünstige Transportwege konzentrieren oder auch versuchen, durch eigene Kraftwerke und Stadtplättchen möglichst viele Gebühren einzunehmen. Auch Produktionsketten sind möglich, wenn man etwa zwei rote Rohstoffe zu Stadtplättchen A transportiert, wofür man einen gelben Rohstoff bekommt, mit dem man dann wiederum Stadtplättchen B versorgt.

Im Prinzip sehr hübsch ist die Option, Stadtplättchen nicht nur mit Rohstoffen eigener Kraftwerke zu versorgen, sondern auch einfach die Rohstoffe der Mitspielenden zu benutzen, ohne dass diese etwas dagegen unternehmen können. Dadurch – und natürlich durch die Möglichkeit, den Mitspielenden mit eigenen Stadtplättchen Wege zu verbauen – ist „City Tycoon“ nicht nur ein defensives Spiel, bei dem man sich allein auf seine eigenen Versorgungswege konzentriert, sondern es bekommt auch eine offensive Note. Interaktion oder gar Kommunikation bleiben dennoch Randerscheinungen. Meist baut man doch eher nebeneinander her, gerade wenn man sich bei mehreren Spielenden an unterschiedlichen Enden der Stadt arrangiert.

„City Tycoon“ fordert einen dazu auf, möglichst immer einen Plan B, besser auch noch einen Plan C oder D in der Hinterhand zu haben, denn es lässt sich nur schwer voraussagen, in welcher Weise sich die Stadt weiterentwickeln wird. Dafür hat man einfach zu wenig Informationen über die Plättchen und die Pläne der Mitspielenden. Das führt leider auch dazu, dass man verhältnismäßig lange warten muss, bis man an der Reihe ist, da man aufgrund der Unwägbarkeiten eigentlich erst so richtig mit der Planung des eigenen Zuges beginnen kann, wenn man an der Reihe ist. Außerdem kalkuliert man Gewinnspannen oft recht knapp, Einnahmen von zum Beispiel 10 EUR stehen gerne mal Ausgaben von 8 EUR gegenüber. Da kann schon eine unvorhergesehene Kleinigkeit den kompletten Gewinn auffressen. Und das passiert nicht selten, gerade auch, weil ja jeder Spielende jederzeit die Rohstoffe fremder Kraftwerke verwenden kann. Wie schon gesagt: Glück und Taktik gehen bei „City Tycoon“ Hand in Hand.

Das Spiel ist ordentlich designt, die Stadt- und Kraftwerkplättchen sind schlicht und übersichtlich, die Symbole lassen sich gut erkennen. Allein die Illustrationen wirken auf mich in ihrem ungelenken Irgendwie-Manga-aber-doch-nicht-so-richtig-Stil und der allzu flächigen, ihren digitalen Ursprung atmenden Kolorierung unsympathisch. Bei einem Spiel, das in einem modernen, urbanen Umfeld spielt, lass ich mir das aber noch gefallen, wären wir hier im, sagen wir mal, beschaulichen Mittelalter, würden die Zeichnungen für mich zu echten Atmosphärekillern werden.

Zum Abschluss noch weniger eine Kritik als vielmehr eine Überlegung. Das Spiel gibt sich alle Mühe, seine Mechanik in einen narrativen Kontext einzubauen. Da ist man also ein Tycoon, baut Gebäude und Kraftwerke, versorgt die Gebäude beziehungsweise deren Einwohner ihren Bedürfnissen entsprechend mit Rohstoffen, scheffelt immer mehr Geld, hofft mit all diesen Dingen dem Bürgermeisterposten näherzukommen. Und in diesem doch in sich recht stimmigen Szenario ist es dann allen Ernstes das Ziel, Siegpunkte zu sammeln? Wie passen die denn da rein? Wo bitteschön gibt es im echten Leben Siegpunkte? Weswegen wird der Spielfortschritt nicht in Wählerstimmen gemessen oder in öffentlicher Beliebtheit oder eben gleich mit dem eingenommen Geld? Schon klar, an der Qualität des Spiels ändert so ein Detail wenig. Es passt an dieser Stelle nur so schön, weil die Siegpunkte bei „City Tycoon“ das einzige Spielelement sind, das dermaßen aus dem Szenario fällt.

Fazit: Ein bisschen Glück, ein bisschen Taktik, einfache Regeln: Wenn man sich damit abfinden kann, dass Interaktion nur am Rande vorkommt und es manchmal eine Weile dauert, bis man an der Reihe ist, ist „City Tycoon“ ein tolles Städtebauspiel für die ganze Familie.


City Tycoon
Brettspiel für 2 bis 5 Spieler ab 10 Jahren
Hubert Bartos, Lukasz S. Kowal
Pegasus Spiele 2013
EAN: 4250231703980
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 34,95

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