Pegasus Spiele OnlinePegasus Spiele ShopPegasus PressPegasus Spiele GmbHRingbote - das Online MagazinPegasus MediaPegasus Spiele SupportteamPegasus Spiele Kontakt
  
 

 
  
  
  







 

Doctor Who: Der Film (Blu-Ray)
DVDs 13.04.17

„Doctor Who: Der Film“ aus dem Jahr 1996 ist in der langen „Doctor Who“-Geschichte ein Unikat, atmet er doch nicht nur die Seele der alten Serie, sondern nimmt auch einige Entwicklungen von New Who vorweg – und das alles garniert mit einer guten Portion amerikanischer 90er-Jahre-TV-Serien-DNA.

von  Bastian Ludwig

Im Jahr 1989 wurde „Doctor Who“ aufgrund von nachlassendem Interesse bei den Zuschauern und mangelndem Rückhalt in der Chefetage der BBC nach 27 Jahren eingestellt. Zufälligerweise kontaktierte ungefähr zur gleichen Zeit  Philip Segal – in die USA ausgewanderter Brite, Fernsehproduzent und „Doctor Who“-Fan – die BBC, um Möglichkeiten auszuloten, die Serie für den amerikanischen Markt zu adaptieren. Mit seinem Vorstoß setzte er eine siebenjährige Entwicklungshölle in Gang. An deren Ende stand die britisch-amerikanische Koproduktion „Doctor Who: Der Film“, ein zur Chronologie der Originalserie gehörender, in sich abgeschlossener TV-Film, der zugleich als Pilotfolge für eine angedachte, mangels Erfolg aber nie realisierte Fernsehserie fungieren sollte.

Das erste, was dem Old-Who-gestählten Zuschauer von damals sicherlich auffiel: Das sieht ja alles ganz schön anders aus. Denn Hand aufs Herz: Spätestens in den 80er-Jahren hatte der internationale TV-Standard „Doctor Who“ zumindest in visueller Hinsicht heillos abgehängt. Das durfte natürlich nicht so bleiben, wenn eine neue Serie beim amerikanischen und schließlich auch beim internationalen Publikum ein Erfolg werden wollte. Und so machte man keine halben Sachen: „Doctor Who: Der Film“ sieht nicht nur für damalige TV-Verhältnisse sehr schick, sondern auch heute noch toll aus. Dafür sorgen aufwendige Sets und Kostüme, originelle Kameraeinstellungen, ein rasanter Schnitt und Spezialeffekte, die sparsam, aber effektiv eingesetzt werden. Schade, dass der Film nur im 4:3-Format produziert wurde.

Visuelles Highlight ist sicherlich das Innere der TARDIS. Das ist weit entfernt von der klassischen Darstellung als schmuckloses Räumchen mit der markanten Konsole in der Mitte und kommt stattdessen als Mischung aus viktorianischem Herrenhaus und gotischer Kathedrale daher. Hier spiegelt sich auch der Ton des gesamten Filmes wider, ein so düsteres „Doctor Who“ hatte man nämlich seit den Gothic-Horror-Zeiten von Tom Baker kaum noch gesehen. Nicht nur erinnert die neue TARDIS an Sets aus Filmen der britischen Hammer Studios, die Regeneration des Doktors wird beispielsweise mit dem ersten Frankenstein-Film von Universal parallelmontiert und rückt den Doktor damit in die Nähe eines wiederauferstandenen Horrormonsters. Außerdem wird auch an Gewalt nicht gespart. Der Master bricht Unschuldigen gerne mal das Genick und das Finale bestreiten er und der Doktor in einer für „Doctor Who“ untypischen, weil physischen Auseinandersetzung.

Tolle Ausstattung also und viel Tempo: Das hilft schon mal ganz gut über die dünne Geschichte hinweg. In der muss sich der gerade frisch regenerierte achte Doktor in San Francisco am Silvester des Jahres 1999 gegen seinen Erzfeind, den Master, wehren, der unserem liebsten Time Lord dessen verbliebende Regenerationen stehlen möchte, was obendrein zur Zerstörung der Erde führen könnte. Viel mehr ist an der Story auch nicht dran: Der Master versucht den größten Teil des Filmes, den Doktor zu finden, der Doktor stolpert derweil von der Regeneration, wie heute üblich, schwer mitgenommen durch die Gegend und trifft dabei auf die Chirurgin Dr. Grace Holloway. Irgendwann stoßen die beiden Time Lords dann aufeinander und es kommt zum Showdown. So banal die Geschichte ist, so verwirrend ist sie doch zum Teil, was daran liegt, dass der Zuschauer hier ein ganzer Haufen „Doctor Who“-Mythologie vor die Füße geworfen bekommt. Regenerationen, Gallifrey, der Konflikt zwischen dem Doktor und dem Master, Skaro und die Daleks in einem Nebensatz eingeworfen, das Auge der Harmonie: Wüsste man es nicht, würde man nicht denken, hier einen Pilotfilm vor sich zu haben, der ja wohl auch neue Zuschauer anziehen sollte.

Schön für Fans, aber ebenfalls nicht so hilfreich in Sachen Zugänglichkeit und Erzählstruktur, ist Sylvester McCoys Auftritt als siebter Doktor, dem man sieben Jahre nach dem Ende seines Laufs noch eine Regenerationsszene spendierte. Das ist nett und verankert den Film fest in der „Doctor Who“-Kontinuität, sicherlich fragte sich damals aber der eine oder andere Zuschauer, warum da dieser zerknautschte, ältere Mann als unsere Hauptfigur eingeführt wird, dann nach ein paar Minuten recht kommentarlos den Bildschirmtod stirbt, nur um sich plötzlich in einen jüngeren Mann zu verwandeln, der jetzt offenbar unsere richtige Hauptfigur sein soll.

Und damit wären wir beim größten Pfund, mit dem der Film wuchern kann: Paul McGann. Sein achter Doktor ist frisch und impulsiv und zeigt eine gute Balance zwischen Abenteuerhelden und schrulligem Außerirdischem. Wie schon erwähnt ist der Film recht düster, McGann sorgt aber dafür, dass er nie zu düster wird. Er hat die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor, die jeden guten Doktor auszeichnet, einfach drauf. Nicht umsonst ist er nach seinem kurzen Auftritt auf dem Bildschirm gerade in zahlreichen Hörspielproduktionen und durch sein Mitwirken in der Miniepisode „The Day of the Doctor“ von 2013 zu einem echten Fanliebling geworden. Das actionorientierte Finale habe ich ja schon erwähnt, und so ist es schade, dass die Eigenart des Doktors, Konflikte am liebsten mit Köpfchen – und wahlweise mit Rennen und viel Gerede – zu lösen, dieses Mal keine Rolle spielt. Dadurch fehlt eine wesentliche Besonderheit der Figur.

Im Vergleich zu McGanns Doktor schafft es Daphne Ashbrooks Dr. Grace Holloway nicht, in der kurzen Laufzeit des Films, eine besondere Marke zu setzen, auch wenn sich Ansätze für eine ebenbürtige und clevere wie lustige Begleiterin erkennen lassen. In der Geschichte von „Doctor Who“ wird sie aber immer einen Platz als die erste Frau haben, die den Doktor küssen durfte. Wie bitte was? Für viele damaligen Who-Fans war dieses Zugeständnis an amerikanische TV-Konventionen einen gepflegten Sturm der Entrüstung wert. War ja später bei Russell T. Davies, vor allem zur Zeit von David Tennant, auch nicht anders. Heute sind wir Doktoren mit romantischem Anstrich eher gewohnt und der abenteuerliche Liebhaber ist eine gute Ergänzung der Doktor-Typen grantiger Großvater, quirliger Onkel und spleeniger Kumpel.

Zuletzt hätten wir dann noch Eric Roberts als den Master; es war ein Wunsch der amerikanischen Koproduzenten, dass der Schurke mit einem bekannten amerikanischen Schauspieler besetzt wird. Seine Darstellung zerfällt in zwei Teile. Die erste Hälfte des Films bestreitet er als ebenso alberner wie öder Terminator-Verschnitt, im Finale darf er sich dann aber eine Robe im klassischen Gallifrey-Design überziehen und kräftig chargieren. Den Master, der ja üblicherweise als elegantes Schurkengenie dargestellt wird, sieht man da nie so richtig, und die Macher hätten bestimmt gut daran getan, ihm einfach einen anderen Namen zu geben und einen neuen Time-Lord-Bösewicht zu erschaffen, aber die Figur erfüllt ihren Zweck.

„Doctor Who: Der Film“ kam seinerzeit sowohl bei den Fans als auch aus Sicht der Quoten solide, aber nicht überwältigend an, heute scheint er einen besseren Ruf zu haben. Diese Entwicklung ist auch nachvollziehbar. Für Neueinsteiger war das damals eigentlich alles zu viel und zu verwirrend. Beinharte Fans stiegen zwar durch, störten sich aber an einem küssenden und actionorientierten Doktor, einer gewöhnungsbedürftigen Interpretation des Masters und an einer amerikanisierten Optik. Da „Doctor Who“ inzwischen einen ganz anderen internationalen Stand hat und Fans eine andere Präsentation gewohnt sind, ist der Film heute wohl deutlich gefälliger, als er es bei seinem Erscheinen war.

Die Extras der Blu-ray bieten eine gute Mischung aus zeitgenössischem und retrospektivem Material und arbeiten die turbulente Entstehungsgeschichte des Films anschaulich auf.

Fazit: Eine fabelhafte Optik, eine dünne, aber rasant erzählte Geschichte, ein toller Doktor, eine im Ansatz gute, unterm Strich aber doch farblose Begleiterin, ein durchwachsener Gegenspieler: „Doctor Who: Der Film“ ist kein Klassiker, aber ein ziemlich unterhaltsames Paket und zugleich ein spannender Teil der „Doctor Who“-Geschichte.


Doctor Who: Der Film (Blu-ray)
USA, GB 1996
Regie: Geoffrey Sax
Darsteller: Paul McGann, Daphne Ashbrook, Eric Roberst, Sylvester McCoy
Drehbuch: Matthew Jacobs

Vertrieb: Pandastorm Pictures / WVG
Erscheinungstermin: 31.03.2017

Laufzeit: 86 Min. + 297 Min. Extras
Bildformat: 1,33:1 / 1080i25 / AVC
Ton: Deutsch DTS-HD Master Audio 2.0 / Englisch DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Bonusmaterial: Booklet, Miniepisode „Die Nacht des Doktors“, Dokumentationen „Die siebenjährige Unterbrechung“ und „Die Durststrecke“, Featurette „Who Peter“, Featurette „Behind the Scenes“ u. v. m.

Preis: EUR 19,99

bei amazon.de bestellen

Artikel zum Weiterlesen

Doctor Who – Die komplette Staffel 9 - 17.07.16
Doctor Who – Die fünf Doktoren - 14.09.15


< zurück zu Ringbote Artikel


 
 





17.08.17
Star Wars Comic-Kollektion 17: The Star Wars
Star Wars
16.08.17
Des Wandelbaren Schicksal (Heldenwerk)
Das Schwarze Auge (DSA) 5
14.08.17
The Walking Dead 8: Auge um Auge
The Walking Dead
12.08.17
Imperial Settlers: Die Azteken
Kennerspiele (allgemein)
12.08.17
The Killing Game
Degenesis
10.08.17
Der Hobbit - Die Schlacht der Fünf Heere
Der Herr der Ringe
08.08.17
WERKSTATTBERICHT: Seelenfänger
Artikel/Interview, SONSTIGE SYSTEME
07.08.17
Star Wars: Dark Times – Feuerträger (Star Wars Masters 14)
Star Wars
05.08.17
Frühnebel – Schnellstarter zu Seelenfänger
SONSTIGE SYSTEME
03.08.17
Last Friday
Horror (allgemein)
30.07.17
Almanach der Technologie
Pathfinder
29.07.17
Star Wars: Boba Fett – Feind des Imperiums (Star Wars Masters 8)
Star Wars
26.07.17
Almanach zu Numeria
Pathfinder
25.07.17
The Walking Dead 7: Vor dem Sturm
The Walking Dead
23.07.17
Star Wars – Zeitalter der Rebellion – Rollenspiel Grundregeln
Star Wars (FFG)