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Die Herren der Spiele
DVDs 16.09.14

Nicht jedes Hobby ist bekannt – oder möchte dies überhaupt sein. LARPer sind öffentlichkeitsscheu, zum einen, da die Berichterstattung nicht immer positiv war, und zum anderen, da sich ein LARP nur ohne Beobachter wirklich entfalten kann. Gerade die visuelle Natur dieses Hobbies, die dazu verlockt, ein paar rasche Bilder oder „schockierende“ Videoaufnahmen zu nutzen, um damit Aufmerksamkeit zu bekommen, hat einiges an verbrannter Erde hinterlassen. Umso bemerkenswerter ist diese Dokumentation, die sich annähert, zeigt und informiert, ohne zu bewerten.

von  Adaon

Falls jemand nicht weiß, worum es bei „LARP“, kurz für „Live Action Role Play“, geht: Es ist ein bisschen wie Improvisationstheater. Es ist ein Mit-Gestalten beziehungsweise Erleben einer Geschichte, wie in einem Buch, in dem man die Rolle einer Figur in der Geschichte übernimmt – oder vielmehr, in die Geschichte mitnimmt, denn man behält normalerweise seine selbstgeschaffene Figur. Und dies passiert „Live“, also in einer tatsächlichen Veranstaltung. Doch dies soll keine erschöpfende Erklärung werden, denn genau diese Arbeit übernimmt ja die Dokumentation „Die Herren der Spiele“. Bei Interesse oder Erklärungsbedarf verweise ich auf die weiterführenden Links unten.

Es gab bereits einige Versuche, dieses komplexe Hobby Außenstehenden begreiflich zu machen, auch einige Videos auf Youtube dazu. Jedoch sind diese eher geeignet, einen bereits interessierten, potenziellen Spieler zu informieren. Die Regisseurin Uta Bodenstein hat sich der Thematik „LARP“ durch Zufall zugewandt, nachdem sie von einem Kollegen davon hörte. Bereits erfahren im Drehen von Dokumentarfilmen, sammelte sie zunächst monatelang Informationen, sprach mit vielen Hobbyisten und entwickelte das Format von „Die Herren der Spiele“. Diese gründliche Vor- und anschließende Nacharbeit zeigen sich in der Qualität der Dokumentation.

Als Identifikation für den Zuschauer werden drei LARPer vorgestellt, die sich sehr unterscheiden, doch durch ihre Liebe zum Hobby verbunden sind: Chis Fano, Matthias Trennheuser und Nick Krützfeld. Indem die Kamera diese Personen in ihrem Privatleben und im LARP begleitet, in gewöhnlichen und ungewöhnlichen Situationen, wird der Wandel vom Alltag zum LARP deutlich. Jeder der Protagonisten bekommt dabei auch Gelegenheit, mit seinen eigenen Worten seine Weltsicht und seinen Bezug zum Hobby vorzustellen. Durch die feste Verwurzelung in der „realen Welt“ der Protagonisten und die Änderungen in der Kameraführung wenn Szenen aus dem LARP gezeigt werden, erfährt der Zuschauer, wie die Trennung von Hobby und übrigem Leben gut funktioniert, die Faszination, in diese „andere Welt“ bewusst abzutauchen, und wie die Teilnehmer trotzdem bodenständig bleiben.

Nie hat man den Eindruck, dass der „Sinn für die Realität“ verlorengeht. Im Gegenteil zeigt die Dokumentation klar, welchen realen Aufwand es braucht, ein solches Spiel zu organisieren, die Ausrüstung herzustellen und einen Ort zu finden und vorzubereiten, an dem das Spiel stattfinden kann. Nur wenn das Zusammenspiel von dem gelingt, was die Teilnehmer sehen, darstellen und fühlen, entsteht die gemeinsam erzählte Geschichte. In der Begeisterung und den tiefen Emotionen dieser Momente, berichtet durch die Erfahrungen der Protagonisten, mag der Zuschauer Verständnis für die Teilnehmer an solchen Veranstaltungen gewinnen, selbst wenn er für sich selbst nichts damit verbindet.

Durch den sachlichen Aufbau der Dokumentation, die zu Beginn scheinbar etwas zusammenhanglos den Protagonisten folgt, um sich dann mit diesen Erzählsträngen zu einem dichten Teppich der verständnisvollen Darstellung zu verweben, gelingt es, die oftmals komplexen Motivationen und Vorbereitungen der Teilnehmer zu einem LARP sichtbar zu machen. Doch das ist nicht alles; ob selbst geschaffen, teuer als Einzelstück gekauft oder in Serienfertigung hergestellt – wie die Ausrüstung als visuell notwendige und auch spielbestimmende Komponente, ob als Maske oder Rüstung, für die Teilnehmer Mittel zum Zweck der Darstellung einer Rolle ist, wird ebenfalls sehr gut eingefangen.

Schließlich geht die Dokumentation auf die Reflektionen der Teilnehmer auf ihr Spiel ein. Wie fühlt es sich an, im Spiel Macht über andere zu haben, wie wirkt man als hässliches Schreckgespenst, wie fühlt man sich im Angesicht der Gefahr? Einfühlsam und doch mit professioneller Distanz werden die Spieler auch durchaus kritisch befragt und können in Ruhe ihre eigenen Antworten dazu geben.

Fazit: Diese gelungene Dokumentation kann man nahezu ohne Bedenken nutzen, um sein Hobby Menschen vorzustellen, die mit der Thematik „LARP“ oder auch Rollenspiel allgemein nichts anzufangen wissen, und manchmal nachfragen „was man da denn so überhaupt mache“. Trotz einiger, für Nicht-Eingeweihte schockierender Bilder, wird die soziale und die erschaffende Seite des Hobbys klar dargestellt. Dank der menschlichen Nähe zu den ausgewählten Protagonisten der Dokumentation fällt es leicht, eine Verbindung aufzubauen, und dank der professionellen Darstellung verschiedener Aspekte des Hobbys kann man nach dieser Dokumentation selbst von schon-mal-vorab-Kritikern erwarten zu hören: „Jetzt weiß ich wenigstens, was du da machst.“


Die Herren der Spiele
DE 2012
Regie: Uta Bodenstein
Beteiligte: Chis Fano, Matthias Trennheuser, Nick Krützfeldt u.a.

Vertrieb: Maag Film GmbH
Erscheinungsdatum: 13.06.2012

Länge: ca. 88 min.
Bildformat: 16:9
Tonformat: Deutsch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar, nicht verwendete Szenen, Outtakes, zusätzliche Interviews, LARP erklärt, Trailer

Preis: EUR 17,99

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