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Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 3
DVDs 17.08.16

Für „Doctor Who“ waren die Jahre 1984 bis 1986 eine turbulente Zeit. Die Zuschauer fremdelten mit dem neuen Doktor Colin Baker, der Gewaltgehalt der Serie sorgte für Diskussionen und die BBC-Oberen mochten die Serie nicht. Unter diesen Voraussetzungen entstand die 23. Staffel des langlebigen Science-Fiction-Klassikers.

von  Bastian Ludwig

Dass es überhaupt eine 23. Staffel von „Doctor Who“ gab, war 1985 alles andere als selbstverständlich. Die in der DVD-Box enthaltene, aufschlussreiche Dokumentation „Probleme und Sorgen“ stellt es wie folgt dar: Der neue BBC1-Leiter Michael Grade und der Head of Drama Jonathan Powell waren keine Freunde der Serie und wollten deren Budget lieber für andere Projekte verwenden. Gerade einmal einen Monat vor Drehbeginn der neuen Episoden versuchten sie, „Doctor Who“ abzusetzen. Es folgten Fan-Proteste, Grade und Powell ruderten zurück und verordneten der Serie stattdessen eine 18-monatige Zwangspause. Nicht ganz zu Unrecht wurde gemutmaßt, dass „Doctor Who“ auf diese Weise still begraben werden sollte. Es kam aber anders, vermutlich weil es sich die BBC doch nicht leisten konnte, eine beliebte TV-Institution einfach so abzusägen. Powell gab dem Produktionsteam schließlich die schwammige Anweisung, die Serie neu zu erfinden. Die neue Staffel wurde auf einen bescheidenen Umfang von 14 Episoden á 25 Minuten gestutzt. Damit waren alle schon gemachten Pläne für Staffel 23 hinfällig und ein neues Konzept musste her. Die Idee: Eine staffelübergreifende Rahmenhandlung mit dem Titel „Das Urteil“ (engl. The Trial of a Time Lord), in die die üblichen Mehrteiler eingebettet sein sollten.

In der Rahmenhandlung muss sich der Doktor vor einem Gericht der Time Lords verantworten. Der Vorwurf: Er habe sich in fahrlässiger, für andere nicht selten tödlicher Weise in die Belange anderer Spezies eingemischt. Die mögliche Konsequenz: Aberkennung seines Status als Time Lord und Entzug all seiner verbleibenden Regenerationen. Später kommt dann gar eine Todesstrafe ins Gespräch. Der Ankläger: ein Time Lord namens Valeyard. Das Beweismaterial: Aufzeichnungen von Abenteuern des Doktors, die dem Gericht durch die Matrix, das hoch entwickelte Computersystem von Gallifrey, auf einem Monitor gezeigt werden.

Auf diese Weise sind in die Rahmenhandlung drei Vierteiler eingebettet. Es geht los mit „Der rätselhafte Planet“ (engl. The Mysterious Planet). Die Geschichte führt den Doktor und Peri einmal mehr auf einen Planeten, auf dem die Menschen von einem mysteriösen Herrscher unterdrückt werden. In „Mindwarp“ (engl. Mindwarp) treffen die beiden auf den aus „Revolte auf Varos“ (Staffel 22) bekannten Sil, der einen primitiven Planeten mit modernen Waffen ausrüstet. In „Vervoid Terror“ (engl. Terror of the Vervoids), das durch die Hände von nicht weniger als sechs Autoren ging, da Produzent John Nathan-Turner die ersten Fassungen missfielen, gehen der Doktor und seine neue Begleiterin Mel seltsamen Ereignissen auf einem Raumkreuzer nach. Der Zweiteiler „Der schlimmste Feind“ (engl. The ultimate Foe) bringt dann die Gerichtshandlung zum Abschluss. Der Hintermann des Verfahrens gegen den Doktor gibt sich zu erkennen und flüchtet in die virtuelle Realität der Matrix. Der Doktor muss hinterher, um ihn zu stellen.

„Das Urteil“ hat einen schlechten Ruf unter „Doctor Who“-Fans, dabei gibt es eine Menge toller Dinge in dieser Staffel zu entdecken. So ist Colin Baker endlich in seiner Rolle angekommen, die ihm ganz offensichtlich am Herzen liegt. Sein Doktor ist sympathischer als in der vorangegangenen Staffel, ohne dabei seine Arroganz und Kratzbürstigkeit verloren zu haben.

Die drei ersten Geschichten der Staffel sind für sich genommen auch ordentlich. Das Szenario von „Der rätselhafte Planet“ hatten wir zwar schon ein paar Mal und die ersten beiden Episoden sind noch recht zäh, spätestens im Finale wird es dank eines interessanten Hauptschurken aber richtig gut und auch die Nebenfigur Sabalom Glitz, ein charmanter Gauner, ist unterhaltsam. „Mindwarp“ ist hübsch abgefahren und wir bekommen hier neben Bewusstseinstransplantationen auch einen Doktor geboten, der sich vermeintlich auf die Seite des Bösen schlägt. „Vervoid Terror“ schlussendlich ist ein spannendes Whodunit mit gefälligen Sets und ein paar hübschen Masken und Effekten; für sich genommen wohl die beste Geschichte der Ära des sechsten Doktors. Würden diese Folgen für sich stehen, wäre „Das Urteil“ eine solide Staffel in einer der schwächeren Phasen von „Doctor Who“ und der vorangegangenen Staffel absolut überlegen.

Aber sie stehen nicht für sich. Es gibt nun einmal die Rahmenhandlung und die führt zu zahlreichen Problemen. So zweifelt der Doktor an verschiedenen Stellen die Verlässlichkeit der Matrix an. Ich spoilere nicht zu viel, wenn ich verrate, dass die Aufnahmen tatsächlich manipuliert sind, denn wir erfahren ohnehin nie, welche Teile denn nun wahr und welche unwahr sind. Das ist erzähltechnisch ein ziemlicher Schnitzer. Unterm Strich bedeutet es, wir schauen uns für einen guten Teil der Staffel Geschichten an, von denen wir nicht wissen, inwieweit sie wirklich stattgefunden haben. Dadurch büßen sie jegliche Relevanz für den Gesamtkontext der Serie ein.

Bei „Vervoid Terror“ kommen dann noch ganz eigene Probleme hinzu. Zum einen spielt die Geschichte in der Zukunft des Doktors, wir wissen also, dass er nicht verurteilt werden wird, erst recht nicht zum Tode. Natürlich geht man bei einer Serie wie „Doctor Who“ nie davon aus, dass die Hauptfigur ernsthaft zu Schaden kommt, aber dem Zuschauer das geradezu unter die Nase zu reiben, zeugt von ungeschickter Erzählkunst. Außerdem macht es keinen Sinn, dass der Doktor „Vervoid Terror“ ja während der Verhandlung schon gesehen hat, sich dann aber nicht an die Ereignisse erinnert, während er sie tatsächlich erlebt. Klar, Logik ist bei „Doctor Who“ immer ein bisschen timey-wimey, aber hier ist deren Abwesenheit doch zu offensichtlich.

Zuletzt schaffen es die Macher leider auch nicht, die Rahmenhandlung kohärent zu gestalten. Das Gerichtsverfahren macht im Verlauf der Staffel immer weniger Sinn, irgendwann habe zumindest ich kaum noch verstanden, wer eigentlich was auf welche Weise beweisen will. Und es fehlt an Höhe- und Wendepunkten. Ab einem bestimmten Punkt tauschen der Doktor und der Valeyard nur noch die immer gleichen Phrasen aus. Eigentlich wäre wohl der finale Zweiteiler „Der schlimmste Feind“ dazu gedacht gewesen, die losen Fäden der Rahmenhandlung zusammenzuführen und Fragen zu beantworten. „Doctor Who“-Veteran Robert Holmes starb aber, noch bevor er das Skript beenden konnte. Wie die Beteiligten in „Probleme und Sorgen“ berichten, schrieb Script Editor Eric Saward daraufhin die letzte Episode fertig, überwarf sich aber mit Nathan-Turner, zog sein Skript zurück und verließ die Produktion. In einer knappen Woche musste ein neues Drehbuch zusammengeschrieben werden, das aus rechtlichen Gründen wohl auf viele Elemente des Drehbuchs von Holmes und Saward verzichten musste. Die Auflösung der Rahmenhandlung bleibt daher unbefriedigend.

Man muss es gar nicht mehr sagen: Die Extras sind wie bei allen „Doctor Who“-Veröffentlichungen von Pandastorm hervorragend und man kann sich mit ihnen exzellent darüber informieren, unter welchem Umständen die Staffel entstanden ist.

Fazit: Die 23. Staffel von „Doctor Who“ hat einen interessanten Ansatz und solide bis gute Geschichten, mit denen man auch durchaus Spaß haben kann. Leider summieren sich mit der Zeit die erzählerischen Probleme der Rahmenhandlung und es wird immer deutlicher, dass das Gesamtkonzept von „Das Urteil“ in dieser Form einfach nicht richtig funktioniert.


Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 3
GB 1986
Regie: Nicholas Mallett, Ron Jones, Chris Clough
Darsteller: Colin Baker, Nicola Bryant, Bonnie Langford u. a.
Drehbuch: Robert Holmes, Philip Martin, Pip und Jane Baker

Vertrieb: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 29. Juli 2016

Laufzeit: 14 Folgen à 25 Min. + 356 Min. Zusatzmaterial
Bildformat: 1,33:1 / 4:3
Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Bonusmaterial: Booklet mit Vorwort von Colin Baker & Nicola Bryant, Featurettes: Making Ofs, Damals und Heute, Spuren eines Time Lords, Deleted & Extended Scenes u. v. m.

Preis: 34,99 EUR

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