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Doctor Who – Die komplette Staffel 9
DVDs 17.07.16

Peter Capaldi macht sich auf zu seiner zweiten Runde als zeitreisender Time Lord. Nachdem „Doctor Who“ in der 8. Staffel noch ein wenig mit Ton und Charakter des zwölften Doktors experimentierte, hat die Serie in Staffel 9 ihre neue Richtung gefunden. Und die ist melancholischer und düsterer als zuvor.

von  Bastian Ludwig

Schon in der 8. Staffel hatte Showrunner Steven Moffat auf einen staffelübergreifenden Handlungsbogen weitestgehend verzichtet. Das tat der Serie gut und wird glücklicherweise in der neunten Runde beibehalten. Lediglich die Frage nach der Identität des Hybriden, einer alten Legende von Gallifrey zufolge die Kreuzung zweier Kriegerrassen, die möglicherweise den Untergang der Time-Lord-Kultur herbeiführen wird, bildet einen losen roten Faden. Wobei, so ganz wird diese Beschreibung dem Ansatz von Moffat und seinem Team nicht gerecht. Bei einem staffelübergreifenden Handlungsbogen gehen wir ja meistens – der Name sagt es schon – von einer Folge für Folge stückchenweise erzählten Handlung aus. Auf der Handlungsebene spielt der Hybride jedoch nur eine untergeordnete Rolle, dafür wird das Wesen eines Hybriden, die Mischung zweier oder mehrerer Dinge, in Struktur und Themen der Staffel immer wieder aufgegriffen. So setzten die Macher vermehrt auf Zweiteiler und schon deren englische Episodentitel – bei den deutschen Titel geht dieser Aspekt teilweise verloren – spielen mit Parallelismen und Gegensätzen. Und in den Folgen geht es dann auffallend oft um Doppeldeutigkeit, die widersprüchlichen Charaktereigenschaften von Figuren oder Schein und Sein. Eine clevere Möglichkeit, den zwölf Folgen plus Weihnachtsspecial eine inhaltliche wie formale Klammer zu geben.

Die Staffel startet mit dem Dalek-Zweiteiler Der Zauberlehrling (The Magician’s Apprentice) & Hexenkunst (The Witch’s Familiar) , der die zentrale Frage der 8. Staffel, nämlich ob der Doktor ein guter Mann ist, noch einmal aufgreift, und dabei gleichzeitig den Hybriden einführt. Insgesamt ein wenig zu lang geraten, gefällt vor allem die Auseinandersetzung zwischen dem Doktor und Davros, was einmal mehr zeigt, dass man Dalek-Geschichten am besten um deren Anführer aufbaut und die Daleks selbst dann nur als Nebenschurken verwendet.

Es geht weiter mit Spuk im See (Under the Lake) & Vor der Flut (Before the Flood) . In dieser angenehm gruseligen Geschichte muss der Doktor dem Geheimnis um Geister in einer Unterwasserstation im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund gehen. Nach dem etwas behäbigen Staffelstart unterhält die Doppelfolge mit einigen wirklich dramatischen Momenten und im zweiten Teil mit einem wunderbar gestalteten Widersacher.

In Das Mädchen, das starb (The Girl Who Died) und Die Frau, die lebte (The Woman Who Lived) , offiziell zwei separate Geschichten, die man jedoch am besten als Einheit betrachtet, trifft der Doktor auf das Wikingermädchen Ashildr und beeinflusst ihr Leben auf existenzielle Weise. Die Fokussierung auf das Verhältnis zwischen ihr und dem Doktor führt zu echtem Drama mit mehr Wucht als jedes Universumsuntergangszenario. Es geht um die Dinge, die wir im Laufe des Lebens verlieren, aber auch gewinnen. Die besten Folgen der Staffel, vor allem auch dank Maisie Williams, die als Ashildr die tolle schauspielerische Leistung, die sie in „Game of Thrones“ immer wieder zeigt, bestätigen kann.

In der Doppelfolge Die Invasion der Zygonen (The Zygon Invasion) & Die Inversion der Zygonen (The Zygon Inversion) will eine Zygonen-Splittergruppe Krieg zwischen den Menschen und auf der Erde lebenden Zygonen entfachen. Während die eigentliche Handlung gerade im ersten Teil recht langatmig und verworren daherkommt und nach dem Staffelauftakt ein zweites Mal zeigt, dass es nicht von Vorteil ist, wenn man auch Geschichten mit weniger Fleisch unbedingt als Doppelfolgen erzählen will, überzeugt der Zweiteiler vor allem als Fortsetzung der Jubiläumsepisode „Der Tag des Doktors“ (Day of the Doctor). Der Zygonen-Konflikt spiegelt die eigenen Erlebnisse des Doktors während des Time War und zwingt ihn, einmal mehr diese tragische Epoche seines Lebens aufzuarbeiten. In diesem Sinne eine wichtige und gute Geschichte für den großen Charakterbogen des Doktors.

Mit Morpheus´ Arme (Sleep No More) macht „Doctor Who“ auf Found Footage und bietet dabei nicht viel mehr als konventionellen Monsterhorror, bei dem das gefundene Filmmaterial zunächst keinen Mehrwert zu bieten scheint. Zum Schluss baut „Sherlock“-Miterfinder Mark Gatiss zwar eine Meta-Ebene in das Konzept ein und erschafft dadurch ein wenig Originalität, das kommt allerdings so spät, dass es die schwächste Episode der Staffel auch nicht mehr retten kann.

(Vorsicht. Die Abschnitte zu den letzten drei Episoden der Staffel enthalten massive Spoiler. Weiterlesen auf eigene Gefahr.)

In Das Schattenquartier (Face the Raven) versucht Clara ihrem zum Tode verurteilten Freund Rigsy zu helfen und opfert dabei schließlich ihr Leben. Der Tod einer Companion ist selten und hat dementsprechend Gewicht. Wirken manche der Zweiteiler der Staffel aufgrund der Laufzeit unglücklich gestreckt, hat man hier eher das Gefühl, dass mehr Zeit gut gewesen wäre, um dem angemessen Rechnung zu tragen. So bleibt zum Beispiel Claras Opfer ein wenig schal, da sie es ausgerechnet für eine Figur, nämlich Rigsy, bringt, die man vorher nur in der Episode „Hinder den Wänden“ (Flatline) der vorherigen Staffel gesehen und vielleicht auch schon wieder vergessen hat. Das ändert aber nichts daran, dass „Das Schattenquartier“ eine toll ausgestattete, spannende, fabelhaft gespielte und sehr traurige Episode ist.

In Die Angst des Doktors (Heaven Sent) findet sich der Time Lord allein in einem labyrinthartigen Schloss wieder, in dem ihn ein Geist verfolgt. Die Flucht wird auch gleichzeitig zur Bewältigungsarbeit von Claras Tod. Punkt eins: Peter Capaldi als One-Man-Show. Wunderbar. Der Mann beherrscht seinen Job. Punkt zwei: Der experimentelle Ansatz der Folge, die Geschichte weniger auszuerzählen als vielmehr mit Andeutungen und Assoziationen zu arbeiten, ist mutig, allerdings nimmt das dem Zuschauer auch die Möglichkeit, sich das Rätsel des Schlosses auf Augenhöhe mit dem Doktor zu erarbeiten. Die von vielen „Doctor Who“-Episoden genutzten Deus-Ex-Machina-Lösungen werden hier auf die Spitze getrieben, degradieren den Zuschauer zum passiven Beobachter der Genialität des Time Lords und erschweren es, in das Geschehen hineingezogen zu werden.

In der finalen Episode der Staffel, In Teufels Küche (Hell Bent), kehrt der Doktor nach Gallifrey zurück wo er versucht, mithilfe von Time-Lord-Technologie Claras Tod rückgängig zu machen. Auf emotionaler Ebene funktioniert die Folge prächtig, präsentiert starke Dialoge und kraftvolle Momente. Viele Elemente sind clever, zum Beispiel, dass das Ende von Claras Zeit als Begleiterin des Doktors die Verhältnisse von Donna Nobles Ausstand umdreht; eine weitere subtile Einbindung des Hybride-Themas. Auf der anderen Seite ist die Story vollgepackt mit Andeutungen, die tausend Fragen aufwerfen, ohne sie zu beantworten. Hoffentlich passiert das in der nächsten Staffel. Und wenn man bedenkt, mit welchem Bombast Gallifrey in „Der Tag des Doktors“ in das Taschenuniversum versetzt wurde, gerät die Rückkehr an diesen Ort enttäuschend unspektakulär. Vielleicht passt es zur Hybride-Thematik, dass die Episode bei mir einen gemischten Eindruck hinterlässt.

(Spoiler zu Ende.)

Das Weihnachts-Special Besuch bei River Song (The Husbands of River Song) markiert die erste Begegnung des zwölften Doktors mit seiner Ehefrau. Peter Capaldi und Alex Kingston haben Chemie, die Geschichte ist so humor- wie fantasievoll, turbulent und bittersüß. Eines der besten Weihnachtsspecials, die es bisher gab.

Die Extras kommen wie üblich mit zahlreichen Audiokommentaren, Behind-the-Scenes-Videos und Clip-Shows daher. Schön ist ein Interview, das Wil Wheaton mit Peter Capaldi und Jenna Coleman führt. Kritische Fragen sind zwar bei einem Marketing-Interview nicht zu erwarten, jedoch geht es ein bisschen tiefer in die Materie, als das für solche Gespräche üblich ist. Interessant ist auch ein Feature über Sarah Dollard, die mit „Das Schattenquartier“ ihr Debüt als Who-Autorin gab und den Weg von der ersten Idee bis zum Dreh Revue passieren lässt.

Fazit: Die 9. Staffel von „Doctor Who“ übertrifft die schon gelungene 8. noch einmal um ein ganzes Stück, was weniger an der Qualität der Einzelepisoden liegt, die trotz einiger Schwächen insgesamt hoch ist, sondern vielmehr an einem stimmigen Gesamtkonzept. Wir dürfen gespannt sein, ob Steven Moffat in der nächsten Staffel, die auch seine letzte als Showrunner sein wird, hier noch mal eine Schippe drauflegen kann.


Doctor Who – Die komplette Staffel 9 (Blu-Ray)
GB 2015
Regie: Douglas Mackinnon u. a.
Darsteller: Peter Capaldi (Der Doctor), Jenna Coleman (Clara Oswald) u. a.

Vertrieb: polyband/WVG
EAN: 4006448364038
Erscheinungstermin: 18.03.2016

Laufzeit: 625 Minuten
Bildformat: 1.77:1 / 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren

Bonusmaterial: Audiokommentare, Behind-the-Scenes-Videos, Clip-Shows, u.v.m.

Preis: EUR 47,99

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