Pegasus Spiele OnlinePegasus Spiele ShopPegasus PressPegasus Spiele GmbHRingbote - das Online MagazinPegasus MediaPegasus Spiele SupportteamPegasus Spiele Kontakt
  
 

 
  
  
  







 

INTERVIEW: Autor Swen Harder
Artikel/Interview 21.04.15

Heute steht uns Swen Harder, der Autor von „Reiter der schwarzen Sonne“ (siehe auch die Rezi beim Ringboten), welches auch den Deutschen Rollenspielpreis für das beste Regelwerk 2014 gewonnen hat, Rede und Antwort.

von  Morgath

Ringbote: Swen, durch dein Spielbuch bist du ja schon einigen Lesern bekannt. Für die anderen bitte ich dich, dich kurz vorzustellen.

Swen: Mittlerweile bin ich 40 und beschäftige mich gerne mit Gesellschafts- und Rollenspielen. Insbesondere die regeltechnische Umsetzung solcher Projekte finde ich spannend. Der Blick fürs Wesentliche und die Anwenderfreundlichkeit sind mir wichtig. Beruflich bin ich als Spieletester für Nintendo in Frankfurt fest eingespannt. Ich bin also – wie so viele Fantasy-Schreiber – ein echter Hobbyautor.

Ringbote: Wie bist du im Allgemeinen dazu gekommen, ein Spielbuch zu schreiben, und wie im Besonderen gerade „Reiter der schwarzen Sonne“?

Swen: Ich habe in meiner Jugend gerne Spielbücher gespielt. Und eines Tages, als ich mal wieder Zeit und Lust hatte, etwas Kreatives zu leisten, fing ich an, ein Spielbuch zu schreiben. Im Prinzip startete ich mit dem Projekt, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht. Der jetzige Prolog beispielsweise hatte ursprünglich ein klassisches, mittelalterliches Setting. Der Schauplatz war eine Burg und nicht ein Kaiserpalast. Der Priesterkaiser war ein König und der Ugarith ein stinknormaler Krieger.

Ringbote: Welches ist deiner Meinung nach das beste Spielbuch aller Zeiten (deines natürlich ausgenommen) und warum?

Swen: Ich denke, das „beste Spielbuch aller Zeiten“ gibt es nicht. Zumindest nicht für mich. Ich kenne ja auch nur einen Bruchteil aller Spielbücher. Beeindruckt haben mich „Der Teich der Träume” von Ulrich Kaiser (mein erstes Spielbuch), „Einsamer Wolf 5: Das Buch der Magnakai“ (das erste „zweigeteilte“ Spielbuch mit interessantem Story-Twist) und die französische Serie „Die Saga von Bruder John“, die mich in Sachen Umfang und Verquickung von Fanatsy- und Sagenwelt faszinierte.

Ringbote: Was mich an deinem Spielbuch am meisten beeindruckt hat, war die Tatsache, dass man nicht nur ein packendes Abenteuer geboten bekommt, sondern gleich eine gut ausgearbeitete Welt, die in sich stimmig ist und von der man den Eindruck hat, sie würde auch außerhalb des Abschnittes existieren, den man gerade liest. Für ein Erstlingswerk eine mehr als beachtliche Leistung! Wie ist diese Welt entstanden? Was war der Keim, der die Welt hervorbrachte?

Swen: Tatsächlich habe ich die Welt eigens für „Reiter der schwarzen Sonne“ erschaffen. Es wäre sicher übertrieben zu behaupten, sie wäre komplett ausgearbeitet, wobei ich schon von vielen Lesern gehört habe, dass sie deinen Eindruck teilen, sie sei durchdacht und begehbar. Ich habe mich bewusst an Vorbilder in der irdischen Geschichte orientiert. Wenn ich von einer Pyramide oder einem Orakel spreche, dann hat der Leser sofort die richtigen Bilder im Kopf. Hinzu kommen fantastische Elemente, die man für eine solche Story einfach braucht: gigantische Bauwerke, Tempel, die tatsächlich von Göttern bewohnt werden, Drachen, als Diener der Welt, magische Stürme, die die Welt teilen, usw.

Ringbote: Hast du zuerst das Abenteuer geschrieben und die Welt daran angepasst oder die Welt entwickelt und dann das Abenteuer darin eingebettet?

Swen: Die Welt ist immer weiter gewachsen, je größer die Geschichte wurde. Dabei war die Welt stets einen großen Schritt voraus. Wenn du so willst, wurde der „Rand der Welt“ immer am Horizont des Betrachters ausgerichtet. So sind das nördliche und zentrale Parkonia eigentlich nur ein kleiner Teil der Welt, aber eben groß genug, um dem Leser das Gefühl zu vermitteln, selbst auf den Schwingen eines Drachen nicht an ihre Grenze zu stoßen.

Ringbote: Wie viel Arbeit hast du in die Entwicklung der Welt im Verhältnis zum Abenteuer gesteckt?

Swen: Gar nicht so viel, würde ich sagen. Vielleicht 1:20, wenn überhaupt. Besonders gegen Ende des Schreibprozesses, als ich den Entschluss fasste, dem Buch ein Glossar zu spendieren, ging es für mich aber nochmal ans Eingemachte. Zum Schluss war ich happy, dass alles so detailliert und zugleich schlüssig war.

Ringbote: Mit den Ugarith hast du eine neue Rasse geschaffen. Wie bist du auf sie gekommen? Gab es dafür Vorbilder?

Swen: Vorbilder? Hm. Nun, man sieht sicher Parallelen zu Dunkelelfen oder Vampiren. Gewollt im Sinne von „die Ugarith sollen genauso sein wie…“ war es jedoch niemals. Insgesamt bietet „Reiter der schwarzen Sonne“ viel Bekanntes – manche mögen sagen Klischees – aber eben auch Neues, Unbekanntes. Und das war genauso gewollt! Ich habe versucht, die Ugarith als Verschmelzung dieses Ansatzes darzustellen. Bekannt genug, damit man sich als Leser sowohl mit einem solchen mächtigen, bisweilen kalten Wesen identifizieren kann, als auch mysteriös genug, um die Entdeckung des eigenen Schicksals – wie ich hoffe – als spannend zu empfinden.
 
Ringbote: Kannst du mir das Wesen und die Rolle des Hohepriesters erklären? Mir ist nicht ganz klar, ob er ein menschliches oder ein göttliches Wesen war.

Swen: Das ist gut! Denn die Gläubigen, die ihn vergöttern, wissen das ebenfalls nicht. Aber ich verrate es dir: Kathum wurde als Mensch geboren, ist aber als Priesterkaiser zu einem gottgleichen Wesen erhoben worden. So galt er beispielsweise als unsterblich und als weltlicher Überbringer des Willens der Sonnengöttin Kar.

Ringbote: In dem Spielbuch hast du einige echt knackige Rätsel eingebaut, bei denen man u. a. Bilder miteinbeziehen muss, ohne die die Rätsel nicht zu lösen sind, ich denke hier z. B. an Abschnitt 801. Wie kommt man auf solche kreative Ideen?

Swen: Kreativität ist schwierig zu erklären und schon gar nicht übertragbar auf andere Personen. In diesem konkreten Fall war es so, dass ich mir überlegt habe, was kann man nur mit einem Buch machen und nicht mit einem Computer, Smartphone oder E-Book-Reader. Sprich, welche Rätsel und Aufgaben kann ich stellen, die ein gedrucktes Buch rechtfertigen und die den Leser zudem zwingen, „mal um die Ecke zu denken“.

Ringbote: Stimmt es, dass bald die 4. Auflage von „Reiter der Schwarzen Sonne“ erscheinen wird?

Swen: Die vierte Auflage ist sogar bereits erhältlich! Für mich noch immer nicht vorstellbar und wahrhaftig ein wahnsinniger Erfolg.

Ringbote: Wenn ich mir den beachtlichen Unterschied von der 1. zur 2. Auflage anschaue, dann stellt sich mir die automatisch die Frage, welche Änderungen der Leser in der 4. Auflage erwarten?

Swen: Die Unterschiede sind diesmal bei Weitem nicht so groß. Wir haben die Karte an das Design der Innenillustrationen angepasst, es kamen neue Vignetten hinzu und an einigen Textpassagen, insbesondere den Regeln, habe ich ein wenig gefeilt. Kaum der Rede wert.

Ringbote: Was hat sich für dich durch dein Spielbuch im Leben verändert?

Swen: Ich habe schon eine Anfrage für das Dschungelcamp 2016 erhalten, habe RTL jedoch abgesagt mit der Begründung, zunächst „Metal Heroes“ fertigstellen zu müssen.

Ringbote: Ein gutes Stichwort! Bekanntlich ist „Metal Heroes“ dein nächstes Spielbuch. Wie weit bist du schon und wann können wir mit dem Erscheinen rechnen?

Swen: Eigentlich müsste ich viel weiter sein, klar. Da ist noch so viel zu tun! Aber es wird langsam. Der Soundtrack beispielsweise ist gerade aus dem Presswerk bei mir zu Hause aufgeschlagen. Die beiden speziellen Würfel sind schon fertig, das Pokerblatt geht bald in die Druckerei … Jetzt fehlt nur noch das Buch. Ich hoffe sehr, dass es im Mai klappt.

Ringbote: Soundtrack, spezielle Würfel, Pokerblatt? Das klingt nach Elementen, die man bisher nicht in Verbindung mit einem Spielbuch gebracht hat. Kannst du jetzt schon verraten, welche Besonderheiten den Leser bei „Metal Heroes“ erwartet?

Swen: Die meisten Elemente sind Dreingaben für die Special Edition. Wie beispielsweise die Würfel und Karten. Sie sind nicht zwingend notwendig, um das Buch zu spielen, also eher etwas für Liebhaber. Nur so viel: Beide sind nicht 08/15 von der Stange, sondern echte Sammlerstücke. Der Soundtrack hingegen ist elementar und wird jedem Buch beiliegen. Das ist definitiv ein neues Element bei einem Spielbuch. Die Musik auf der CD wird im Verlauf der Story wichtig.

Ringbote: Worum geht es bei „Metal Heroes“ genau?

Swen: Man verkörpert den Looser und Musik-Freak Taylor, der eines Tages das göttliche Angebot bekommt, in den Rock-Olymp aufzusteigen. Um seine neue Rolle als Rock-Gott antreten zu können, muss er zuvor seine Tauglichkeit unter Beweis stellen, in dem er eine talentfreie Garagenband aus Los Angeles zum größten Act des Planeten aufbaut. Natürlich ist es am Ende nicht ganz so einfach, wie es sich hier liest.

Ringbote: Wie wird die Musik spieltechnisch eingebunden?

Swen: Der Leser wird in bestimmten Momenten zum Hörer und wird aufgefordert einen bestimmten Track auf der CD abzuspielen. Dann muss er eine Frage zum Titel beantworten. Dies kann sich auf die Musik selbst, den Text, die Art der Performance usw. beziehen. Wird die Aufgabe gemeistert, gibt es einen Bonus. Wenn nicht, ist es auch kein Beinbruch. Der Spieler wird also nicht gezwungen, die Musik zu hören.

Ringbote: Wie schwierig war es, die Bands für dein Spielbuch zu gewinnen?

Swen: Bis etwa ein Jahr nach Beginn des Projekts versuchte ich noch selbst an Bands zu kommen. Also direkt mit ihnen in Kontakt zu treten und sie von meiner Idee zu überzeugen. Dies war natürlich nicht einfach, bedeutete es doch viel Schreibarbeit und Planung. Hinzu kam die Problematik mit der GEMA, sprich, ich musste mich mit Lizenzierung und undurchsichtigen Gebührenmodellen auseinandersetzen. Etwas, was eher einen Musikproduzenten beschäftigen sollte, aber nicht einen kleinen Spielbuch-Autoren. Glücklicherweise konnte ich Kontakte in die Szene knüpfen und letztendlich zum Label Napalm-Records. Ohne das Label wäre der Soundtrack in dieser Form unmöglich gewesen. Und wenn ich es sagen darf: Die CD ist richtig gut, mit vielen bekannten Bands und zwölf fetten Tracks, die die Bandbreite des Metal super rüberbringen.

Ringbote: Welche Bands haben Lieder zu deinem Spielbuch beigetragen?

Swen: Auf der Soundtrack-CD befinden sich zehn Metal-Bands. Darunter sind echte Newcomer wie Huntress oder Gormathon, spaßige Acts wie Alestorm bis hin zu den gestandenen Kerlen von Grave Digger oder Cavalera Conspiracy. Wie du siehst, wird eine große Bandbreite des Metals abgedeckt: Thrash, Death, Classic, Power, Symphonic ... da ist für jeden etwas dabei! Die komplette Vorstellung aller Bands ist im Vorfeld der Veröffentlichung auf meiner Facebook-Gruppe und auf metal-heroes.de geplant.

Ringbote: Spielen die Bands auch eine Rolle in der Geschichte?

Swen: Ja! Viele Bands haben Auftritte im Buch. Hervorheben möchte ich die beiden Sängerinnen Jill Janus von Huntress und Charlotte Wessels von Delain. Besonders Jill tritt den vier Metall-Helden bei ihrem Abenteuer immer wieder gehörig in den Hintern!

Ringbote: Welchen Stellenwert hat Musik in deinem Leben? Spielst du ein Instrument?

Swen: Ich hörte und höre immer viel Musik. Besonders auf Hard Rock und Metal bin ich gepolt. Wobei ich auch zahlreiche CDs besitze, die aus einem ganz anderen Bereich kommen: Klassik, Pop, HipHop, Rap. Ich halte nicht viel von Schubladendenken und der kategorischen Ablehnung eines Musik-Genres. Wenn Musik gut gemacht ist – und da hat freilich jeder eine andere Vorstellung – mich begeistert oder berührt, bin ich gerne bereit, sie mir ins Regal zu stellen. Ein Instrument beherrsche ich leider nicht. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, was ich in meiner Jugend verpasst habe, dann wäre es sicher das Erlernen eines Instruments.

Ringbote: Was wird dein nächstes Projekt werden?

Swen: Unter dem Codenamen „Ribbon Nippon” fasse ich derzeit Ideen für ein Spielbuch zusammen, das im feudalen Japan spielt. Natürlich bietet das Szenario wieder einen ordentlichen Schuss Fantastisches – ohne Magie und Dämonen komme ich eben nicht aus.

Ringbote: Vielen Dank für das Interview


Artikel zum Weiterlesen

Das Feuer des Mondes - 14.02.15
Reiter der schwarzen Sonne  - 31.12.14


< zurück zu Ringbote Artikel


 
 





28.03.17
Star Wars: Destiny
Kartenspiele
28.03.17
Trigan 05: Eroberungspläne
Trigan
27.03.17
Das Schwarze Auge Regelwerk: 5. Edition
Das Schwarze Auge (DSA) 5
25.03.17
Star Trek Prometheus 3: Ins Herz des Chaos
Bücher zu Filmen / Serien, Science-Fiction
25.03.17
Winterwelt 02: Die Gestrandeten
Winterwelt
24.03.17
Winter der Toten: Die lange Nacht
Horror (allgemein)
23.03.17
Star Trek Prometheus 2: Der Ursprung allen Zorns
Bücher zu Filmen / Serien, Science-Fiction
19.03.17
Schwarzer Kreuzzug: Die Chronik des Blutes
Warhammer 40.000
18.03.17
Gruselkabinett 112: Der Ebenholzrahmen
Hörspiele
12.03.17
Dungeon Roll – Zurück in den Dungeon
Kartenspiele
11.03.17
Flash Anthologie – 75 Jahre Abenteuer im Zeitraffer
Superhelden (allgemein)
09.03.17
Spass Wars 2
Star Wars
09.03.17
Blutige Geschäfte
Shadowrun 5
08.03.17
Gruselkabinett 95: Die Falle
Hörspiele
03.03.17
First Class – Unterwegs im Orient Express
Familienspiele (allgemein)