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DSA: Mehrer der Macht
Romane, Bücher zu RPGs, Fantasy, Rollenspiele, Das Schwarze Auge (DSA) 5 08.10.15

Ich lese selten „DSA“-Romane. Nur, wenn mich der Chefredakteur dazu verdonnert oder sie mich thematisch besonders ansprechen. Bei „Mehrer der Macht“ war glücklicherweise Letzteres der Fall, denn er handelt um Macht und Intrigen in den streitenden Königreichen Andergast und Nostria, zwei Regionen, die mir sehr am Herzen liegen.

von  Morgath

Um inhaltlich nicht zu viel zu verraten, werde ich nur die Situation im Jahre 1035 BF und dann die wichtigsten Charaktere beschreiben:

Die Königskrone von Andergast war seit jeher in den Händen der Zornbolds, einer alteingesessen Familie. Nach dem Tod des letzten Königs (es war der Thronräuber Wenzelslaus) war aus der Monarchenfamilie in direkter Linie nur noch dessen Tochter am Leben. Nun gilt in Andergast aber die männliche Erbfolge, sodass nicht die Tochter, sondern deren Mann Efferdan König wurde. Efferdan ist kein Zornbold, er ist nicht einmal Andergaster. Er stammt aus dem Horas-Reich, wo er bis zu seiner Thronbesteigung auch lebte. Er ist daher für das hinterwäldlerische Andergast ein Segen, denn seine fortschrittlichen Ansichten könnten Andergast aus seiner Rückständigkeit führen.

Nur ist es in Andergast so, dass dies keiner will. Zumindest nicht von einem Fremden. Hinzu kommt, dass er dem Zwölfgötter-Glauben angehört, während zahlreiche Adlige (zumindest nebenher) noch dem alten Glauben, der von den Sumen praktiziert wird (ähnlich dem keltischen Druidenkult), anhängen. Efferdan ist daher zwar ein guter König, aber kein gut gelittener. Es gibt nicht wenige Adlige, die sich wieder einen Zornbold auf den Thron wünschen. Falls der kinderlose Efferdan verstürbe, würde die Krone an den Bruder des letzten Monarchen, gehen (ein Zornbold). Dieser ist allerdings schon ein alter Mann und begehrte die Krone noch nie. Würde er die Krone ausschlagen, dann wäre sein Sohn Prinz Wendelmir der nächste Thronfolger.

Wendelmir ist auch der Hauptcharakter in dem Roman. Ich sage bewusst nicht Held, denn Wendelmir ist ein Ekelpaket, das sich für etwas Besseres hält, weil es königliches Blut in sich trägt, und das auch jeden wissen lässt. Er benutzt die Menschen, solange er sie brauchen kann, und lässt sie fallen, wenn das nicht mehr der Fall ist, oder gar beseitigen, wenn sie ihm gefährlich werden könnten. Er macht sich zunächst bei Efferdan unbeliebt, wird dadurch aber auch zum Anführer der unzufriedenen Adligen. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis er nach dem Thron greift.

Eine weitere wichtige Gruppierung, wenn nicht gar die wichtigste, sind die Sumen. Dabei handelt es sich um einen Druidenkult, der Religion, Rechtsprechung und Tradition als höchste moralische Instanz in sich vereint. Die Sumen leben in Wäldern und gelten als weise Männer. Im Roman ziehen sie im Hintergrund die Fäden, um die Geschehnisse nach ihrem Willen zu formen. Sie sind die wahren „Mehrer der Macht“. Derzeit unterstützen sie Wendelmir, denn sie sehen durch Efferdan ihre Traditionen gefährdet. Im Roman tauchen die Sumen zwar nur selten auf, dann aber stets an zentraler Stelle.

Dann ist da noch Silvana, die Geliebte von Wendelmir. Die hübsche junge Frau scheint (warum bleibt zumindest mir ein Rätsel) Wendelmir tatsächlich zu lieben und wünscht sich nichts mehr als dessen Ehefrau zu werden. Dieser will davon aber nichts wissen. Zumal er sich damit der Möglichkeit berauben würde, eine Frau aus einer mächtigen Adelsfamilie zu ehelichen und so ihre Familie hinter sich zu bringen. Sollte er nach der Macht greifen, wäre es wichtig, die mächtigsten Adelsfamilien hinter sich zu wissen. Silvana ist zwar adelig, allerdings aus einem unbedeutenden Adelsgeschlecht. Sie erscheint zu Beginn etwas naiv, entwickelt dann aber eine beachtliche Eigeninitiative.
Dann wären da noch Helmbrecht und Melanor, die eigentlichen „Helden“, die die meisten Kapitel im Buch bekommen haben. Helmbrecht ist ein einfacher Söldner aus Joborn, der zufrieden ist, wenn er ein warmes Essen, ein bequemes Bett und ein paar Silberlinge für sonstige Bedürfnisse hat. Er wird herrlich damit beschrieben, dass er zu viel Pech hat, um ein Glückspilz zu sein, und zu viel Glück, um ein Pechvogel zu sein. Der sonderbare Melanor ist ein junger Sume, der bestrebt ist, möglichst viel zu lernen. Um die Gunst eines neuen Lehrmeisters zu gewinnen, soll er ein halbes Jahr ohne seine magischen Kräfte auskommen. Kein leichtes Unterfangen für den Misantroph.

Helmbrecht und Melanor lernen sich zu Beginn des Romans kennen, als sie gemeinsam einen Wald durchreisen, in dem es Räuber geben soll. Daraus entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft. Durch Zufall geraten sie in den Dienst von Wendelmir und erledigen ab dann für ihn alle schmutzigen Arbeiten. Helmbrecht verliebt sich später in Silvana und begeht wegen ihr auch die ein oder andere Dummheit. Melanor bleibt stets im Hintergrund und wirkt anfangs wie ein Mitläufer. Tatsächlich ist er aber der einzige wirklich selbstbestimmte Charakter im Roman, da er seine Ziele kompromisslos verfolgt und sich nicht von äußeren Einflüssen ablenken lässt. Er hat eine scharfe Beobachtungsgabe und fällt seine Entscheidungen gnadenlos, wie auch Helmbrecht später feststellen muss.

Nach etwa 2/3 des Romans verlagert sich die Geschichte nach Nostria. Dort hat Königin Yolande auch keinen leichten Stand. Aufgrund der blauen Keuche wurde die gesamte Königsfamilie dahingerafft. Völlig überraschend saß die junge Magierin plötzlich auf dem Thron. Zwar ist ihr Thron gefestigt, jedoch halten sie alle für schwach und kochen daher lieber ihr eigenes Süppchen. Zudem wachsen die inneren Spannungen. Zwischen den reichen Adligen an der Küste und den armen Adligen im Landesinneren herrschten von jeher Unstimmigkeiten. Nun haben sich zwei Grafen die Fehde erklärt und drohen Nostria zu schwächen, wenn nicht gar zu spalten. Die junge Königin darf in dieser Situation ihr Verhandlungsgeschick beweisen.

Der Roman liest sich angenehm und ist gut in den aventurischen Kontext eingebettet. Das Flair von Andergast und Nostria ist getroffen. Die Autorin hat sorgfältig recherchiert, sodass der kundige Leser Vieles wiedererkennt, das in dem maßgeblichen Quellenband „Unter dem Westwind“ erwähnt wird. Leider geht die Autorin aber nur selten darüber hinaus. Ich hätte mir mehr Hintergrundwissen und Tiefe gewünscht und will das an zwei Beispielen veranschaulichen:

1. Zunächst habe ich eine klarstellende Auseinandersetzung mit dem andergastischen Erbrecht vermisst. Im Roman wird lediglich erwähnt, wer den Thron erbt, nicht aber warum. Bei genauerem Hinsehen ist diese Frage aber sehr interessant. Wenn die männliche Erbfolge gilt, dann ist für mich nicht nachvollziehbar, warum Efferdan, der Mann der ältesten Tochter des Monarchen, König wird, wenn mit dem Bruder des Königs ein männlicher Erbe da ist? Er kann den Thron nicht geerbt haben, da er kein Abkömmling des Königsfamilie ist; er kann seine Stellung allenfalls über seiner Frau herleiten, was aber hieße, dass sie zumindest formal Erbe ist. Es stellt sich dann später ebenfalls die Frage, warum Wendelmir König werden soll, wenn sein Vater die Krone ablehnt, denn er hat noch eine ältere Schwester, die verheiratet ist. Warum wird dann nicht der Ehemann der Schwester König, sondern er? Auf diese Fragen habe ich mir als Leser eine Antwort gewünscht.

2. Auch an anderer Stelle kann ich den Rechtsansichten nicht ganz folgen. In Nostria kommt es zu folgendem Vorfall:

Nachfolgende Ausführungen verraten viel über den Inhalt der Intrige in Nostria. Der Leser möge daher selber entscheiden, ob er weiterlesen möchte.

Graf Albio beleidigt Ritter Thade, einen Freund und Gefolgsmann von Graf Eilert. Ritter Thade fordert ihn zum Duell, aber da Garf Albio sich aus dem Staub macht, reist Thade ihm nach, um auf das Duell zu verharren. In Salza, seiner Heimatstadt, ist Graf Albio allerdings nicht anzutreffen, sondern nur sein junger Sohn, den Thade (warum sei einmal außer Acht gelassen) tötet. Daraufhin erschlagen die Gardisten wiederum Thade. Nunmehr verkündet Graf Eibert Graf Albio die Fehde, weil seine Leute seinen Gefolgsmann getötet haben und fordert ein irrsinniges Wehrgeld. Die Tatsache, dass zuvor Graf Thade ein kampfunerprobtes Kind erschlagen hat, wird nicht Weise thematisiert. Nach meinem Verständnis hätte Graf Albio Wehrgeld für den sinnlosen Tod seines Sohnes verlangen dürfen und nicht umgekehrt. Jedenfalls habe ich auch zu diesem Problem erklärende Ausführungen vermisst.

Spoiler Ende

Der Handlung kann man leicht folgen. Die Entscheidungen der Personen sind zwar teilweise fragwürdig, aber noch vertretbar. Die Struktur ist eher schwach. Im Grunde hat man hier nämlich zwei Geschichten, einmal den Kampf um die Krone von Andergast mit Prinz Wendelmir als Hauptfigur und das andere Mal eine interne Zwistigkeit in Nostria mit Königin Yolande als Protagonistin. Beide Geschichten sind unabhängig voneinander und werden lose durch die Söldner Helmbrecht und Melanor miteinander verknüpft. Die Verknüpfung bringt dem Leser aber keinen Gewinn, denn die beiden Söldner, mögen sie auch Hauptfiguren im Roman sein, sind in den beiden Geschichte nur Randfiguren und tragen nur wenig zum Fortschritt der Handlung bei. Sie selber verfolgen auch keine Ziele, die der Geschichte ihren Stempel aufdrücken.

Trotz der Kritikpunkte hat es Spaß gemacht, den Roman zu lesen. Er war nie langweilig. Die Aufmachung ist hübsch. Nützlich fand ich den Anhang, in dem die wichtigsten Begriffe und Personen erläutert werden. Ein Stadtplan von Andergast und eine Weltkarte findet man ebenfalls. Leider benötigt man beide nicht. Hilfreicher wäre es gewesen, wenn man eine Karte von Andergast und Nostria beigefügt hätte, denn es werden zahlreiche Dörfer und Städtchen erwähnt, deren Lage ohne Karte unklar bleibt. Ich selber habe daher immer wieder zu der Karte im Quellenband gegriffen.

Fazit:
Im Ergebnis lässt sich sagen, dass der Roman solider Durchschnitt ist. Er sticht weder positiv noch negativ hervor. Wer etwas für die Königreiche Andergast und Nostria übrig hat, kann beruhigt zugreifen. Wen diese Themantik schon nicht anspricht, sollte lieber gleich die Finger davon lassen.


Mehrer der Macht (DSA-Roman)
Rollenspiel-Roman
Carolina Möbis
Ulisses Spiele 2015
ISBN: 978-3957522252
368 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 14,95

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