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First Class – Unterwegs im Orient Express
Brettspiele, Familienspiele (allgemein) 03.03.17

„Endlich einmal ein Brettspiel, in dem es um die Eisenbahn geht.“ – Ist diese Einstiegshürde genommen, erwartet uns Mr. „Russian Railroads“ mit seinem neuesten Werk und einer schönen Spielidee, in dem viele Wege nach Rom führen, also nach Konstantinopel.

von  Lars Jeske

Nach dem überaus erfolgreichen „Russian Railroads“ (2013 u. a. Deutscher Spielepreis, International Game Award, Spiel des Jahres-Empfehlungsliste) beschert uns dessen Autor Helmut Ohley erneut ein Spiel, das sich um die Eisenbahn dreht. – Also alles wie immer, denn es waren weder die ersten beiden, noch vermutlich die letzten beiden, die sich um sein Steckenpferd drehen werden. Für „First Class“ befinden wir uns am Ende des 19. Jahrhunderts und bestreiten quasi das Wettrennen um den ersten Zug, der von Paris bis nach Konstantinopel fährt. Das wirkt etwas aufgesetzt (da es damals kein Wettrennen beim Orient-Express gab), der Rest passt jedoch.

Auf den Spuren von Georges Nagelmackers wetteifern die Spieler bei diesem Eisenbahngroßprojekt. Die Spieler bauen dabei nicht direkt das Schienennetzwerk, sondern upgraden den Komfort der Waggons, verlängern ihre Züge, lassen den Schaffner kontrollieren, organisieren sich weitere Strecken für die Lok oder bewegen den Zug auf dieser. Die meisten Punkte auf einmal gibt es jedoch wirklich für das zügige Ankommen am Ziel. Dabei sollte nicht gekleckert, sondern geklotzt werden, schließlich geht es um die Jungfernfahrt des Orient Expresses. Und da der Zweite schon der erste Verlierer ist, setzen die 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren in ihrer Rolle als Eisenbahnvisionäre alles daran, dieses prestigeträchtige Projekt für sich zu entscheiden. Im Spiel abgebildet wird die beste Strategie wie üblich über Siegpunkte.

Ausstattung & Regeln

Im Karton ist üppiges Spielmaterial in einer sinnvollen Plastiksortierbox enthalten. Spielertableaus, Pappmünzen und als Gimmick sind die Holzsteine sogar stilvoll in Form von Lok und Schaffner beigelegt. Hinzu kommen jede Menge stabile und strapazierfähige Karten. (Somit ist es schon fast ein Kartenspiel und kein „richtiges“ Brettspiel, ähnlich wie seinerseits „Sankt Petersburg“.) Diese Karten sind von Michael Menzel illustriert worden; das ist auch bei diesem Spiel gelungen. Die Regeln tragen ihr Übriges dazu bei, einen leichten Zugang zu „First Class“ zu gewähren. Sie sind generell nicht zu komplex und das Thema nicht abstrakt. Die Anleitung ist verständlich geschrieben und mit 16 Seiten (und 8 weiteren für die Module) noch grenzwertig okay. Zum einen ist es für Strategiespiele eher ungewöhnlich, dass der Leser nahezu oberlehrerhaft direkt adressiert und dann auch noch geduzt wird; zum anderen ist bei der Länge der Beschreibung vieles sehr ausführlich beschrieben worden und es gibt auch genügend Beispiele. Der Vorteil ist dann eben, dass nach diesem Studium alles klar sein sollte und man sofort losspielen kann. Zuerst das etwas einfachere Standardspiel und später die Option, die anderen bereits mitgelieferten Kartenmodule alternativ zu kombinieren.

Standardspiel & Module

Die Regeln sind schön einfach belassen. Pro Partie werden 3 Runden (A, B und C) gespielt, wobei jede aus 2 Durchgängen besteht. Je zu Beginn werden aus dem aktuellen Kartenstapel 18 Karten in einem 6 x 3-Raster ausgelegt. Auf jeder dieser Karten ist mindestens eine Aktion abgebildet, die man dann beim Wegnehmen der Karte ausführen darf. Wenn jeder abwechselnd dreimal an der Reihe war, ist der Durchgang auch bereits beendet. Das Bemerkenswerte an „First Class“ ist dabei der Fächer an Optionen. Alle Möglichkeiten für den aktuellen Durchgang liegen bereits am Anfang aus. Das Besondere ist dann, dass sobald aus einer Reihe so viele Karten gewählt wurden, wie Spieler dabei sind, die ungenutzten Karten der Reihe abgeräumt werden. Somit erreicht man nie alle Ziele und muss immer etwas darauf achten, was die Mitspieler wegnehmen könnten. Hierbei läuft jeder Durchgang gleich ab, wobei es nach jedem zweiten eine Wertung gibt. Es ist also ein typisches Mangelspiel – nicht an Optionen, sondern an Zeit, alles zu verwirklichen. Ähnlich wie bei dem großartigen Spiel „Village“.

Wenngleich alles eindeutig und klar ist, gibt es doch verschiedene Optionen, um zu gewinnen, und man wird auch vor allem bei den ersten Partien mehr überlegen, um einen guten Plan zu entwickeln. Wenngleich es nicht falsch ist, einfach „irgendetwas“ zu machen. Auf jeden Fall benötigt man neben ca. 90 Minuten Spielzeit auch überraschend viel Platz zum Spielen, also wie bei einem richtigen Brettspiel. Somit sollte man schon einen großen Tisch nutzen oder einen gesunden Rücken haben für eine Fußbodenrunde.

Siegpunkte sind, wie bereits erwähnt, typischerweise auf mehreren Wegen zu ergattern. Die oben erwähnten sind dabei lediglich Optionen des Grundsets. Denn als Kombination soll man zu den 3 Sets, die jedes Mal zum Einsatz kommen, aus den enthaltenen 5 Modulen immer 2 wählen, wodurch man schon 10 mitunter stark verschiedene Spielmöglichkeiten hat. Einfache Module, wie Aufträge sammeln und erfüllen, das Einladen von Berühmtheiten oder andere stationäre Boni für die Strecke geben Varianzen. Schwieriger wird es, Passagiere und Gepäck zu meistern, ebenso wie das Modul rund um Weichen und Mechaniker. Ganz anders ist dann das Spielgefühl mit dem Modul „Wer ist der Mörder?“, wo man strategisch etwas umdenken und anders spielen muss.

Spielspaß & Wiederspielanreiz

Generell ist „First Class – Unterwegs im Orient Express“ ein schönes und kurzweiliges Spiel, in welchem man langfristige Strategien verfolgen kann (Spielendekarten & Aufträge) oder auch kurzfristige. Es gibt auch für die Mitspieler keine großen Pausen, da man sich lediglich für eine neue Karte entscheiden muss, wenn man am Zug ist. Je mehr Spieler mitspielen, desto mehr Glück ist nötig und desto mehr kann die Spielerreihenfolge entscheidend sein. Während man mit seiner eigenen Strategie bei 2 oder 3 Spielern spielen kann, wird man aufgrund der möglichen Optionen bei 4 Spielern als Letzter gegebenenfalls in eine Richtung gedrängt. Jedoch kann man sich dann als Option auch den Startspielerstein für die nächste Runde sichern. Vor allem wer immer die aktuellen Optionen gut zu kombinieren weiß, wird bei diesem Spiel seinen Spaß haben. Interessant war „First Class“ für alle bisherigen Mitspieler. Ebenso ist das Spiel trotz der einfachen Regeln anspruchsvoll und mit einer eindeutigen Lernkurve, das heißt es bringt den Spielern Vorteile, die es schon kennen. Die bereits mitgelieferten Module sorgen für überaus viel Abwechslung und jede Partie verläuft dadurch generell schon einmal anders.

Trotz der überschaubaren Regeln sind die Kettenreaktionen der Karten, vor allem in den Wertungsphasen, der eigentliche Clou des Spiels. Auf der Strecke der Lok gibt es nämlich Rundenboni, die man jedes Mal erneut für sich zählen lassen kann und deren Reihenfolge frei wählbar ist. Dadurch wird zwar das Werten immer aufwändiger, versprüht jedoch seinen ganz eigenen Charme. Durch die damit einhergehenden unterschiedlichen Erfolgsstrategien und die immer wieder anderen Optionen, die die Mitspieler einem als Aktionen übriglassen, verläuft jedes Spiel anders. Und ist jedes Mal erneut spannend. Allein, dass maximal 4 Spieler mitspielen können, stört etwas. Aber vielleicht gibt es auch irgendwann eine Erweiterung, die hier Abhilfe schafft, ohne das Spiel aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Fazit: Bei „First Class – Unterwegs im Orient Express“ passen Thema und Spielmechanismen gut zusammen. Es besticht durch einfache Regeln und durch die unterschiedlichen Module kann man bereits mit dem Grundspiel verschiedene Szenarien spielen. Das Auswählen von Optionen pro Runde ist zudem übersichtlich, sodass es, einmal verstanden, auch ein Familienspiel werden kann. Denn durch die vielen Möglichkeiten fällt mitunter gar nicht auf, dass man im Prinzip um die gleichen Ressourcen buhlt. Günstigerweise gibt es mehrere Wege, das Spiel zu gewinnen, was den Anreiz, Spielspaß und Wiederspielwert von „First Class“ ausmacht. Rundum gelungen.


First Class – Unterwegs im Orient Express
Brettspiel für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren
Helmut Ohley
Hans im Glück / Schmidt Spiele 2016
EAN: 4-001504-482626
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 39,95

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