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Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 1
DVDs 10.12.15

Von den inzwischen zwölf Doktoren der Science-Fiction-Serie „Doctor Who“ hat sich die von Colin Baker gespielte Nummer 6 den unrühmlichen Ruf erworben, die misslungenste Inkarnation des Zeitreisenden zu sein. Jetzt können auch die deutschen Who-Fans schauen, ob dieser Ruf gerechtfertigt ist.

von  Bastian Ludwig

Armer Colin Baker. Es gibt vieles, was Fans und Chronisten seinem Doktor und den Geschichten der 22. Staffel von „Doctor Who“ vorwerfen: den wechselhaften Charakter des Time Lords mit zum Teil extrem negativen Zügen, den hohen Anteil an Gewalt, das Kostüm. Erst im vergangenen Jahr wählten die Leser des britischen „Doctor Who Magazines“ Doktor Nummer 6 auf Platz 11 ihrer Lieblings-Doktoren; hinter ihm landete nur John Hurt, den man aber auch gut als inoffiziellen Doktor einstufen kann. Peter Capaldi stand bei der Abstimmung nicht zur Auswahl, da seine erste Staffel noch nicht angelaufen war.

Und was soll man sagen? Ja, der sechste Doktor ist ein Kotzbrocken. Er ist arrogant und beleidigend, wobei hinter der harten Schale allzu oft kein weicher Kern hervorblitzt. Und er ist gefährlich, bipolar, im einen Moment freundlich und zugewandt, nur um im nächsten seine Begleiterin Peri zu würgen. Eben noch unangebracht tapfer im Angesicht der Gefahr, rennt er einen Augenblick später weg wie ein verschrecktes Kaninchen. Unsicher ist er auf der einen Seite, auf der anderen aber mit schier grenzenloser Arroganz gegenüber seiner Umgebung ausgestattet. Ursprung dieser Polarität ist im Kontext der Geschichte eine fehlerhafte Regeneration, die im Oberstübchen des Times Lords einiges durcheinandergebracht hat.

Auf Produktionsseite entsprangen die Stimmungsschwankungen der Idee eines längeren Charakterbogens, in dessen Verlauf der Doktor die Folgen seiner fehlerhaften Regeneration überwinden und wieder zu dem Helden werden sollte, der er früher einmal war. Allerdings wurde Baker von der BBC aus der Rolle gefeuert, bevor diese Entwicklung sichtbar voranschreiten konnte. Das wurde zwar später in Romanen, Comics und vor allem Hörspielen nachgeholt, aber das bringt der TV-Serie ja auch nichts. Hier bleibt der Doktor eben ein Unsympath und als solcher im Gedächtnis der Fans hängen. Aber nun gut, Bakers frühen Abgang konnten die Macher ja nicht erahnen.

Eine andere Frage ist, ob es von vorneherein eine gute Idee von ihnen war, den Doktor allzu negativ zu zeichnen. Ich kann den Unmut der damaligen Fans schon verstehen. „Doctor Who“ ist, gerade in der klassischen Version, eine etwas naive, auf ein junges Publikum zugeschnittene Abenteuerserie mit einer Hauptfigur, mit der sich die Zuschauer zum damaligen Zeitpunkt schon bis zu 21 Jahre lang identifiziert hatten. Da würde ich es wahrscheinlich auch irritierend finden, wenn mein (Kindheits-)Held plötzlich zum Arschloch gemacht wird.

Es ist eine Phrase, zu schreiben, der sechste Doktor sei seiner Zeit vorausgewesen, aber mit Sicherheit spielt auch das eine Rolle. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Figur heutzutage, wo ambivalente Charaktere ein Muss in fast jeder Fernsehserie sind und das Publikum gelernt hat, dass eine Hauptfigur durchaus negativ gezeichnet werden darf, weitaus wohlwollender aufgenommen werden würde. Tatsächlich hat Peter Capaldis aktueller zwölfter Doktor in seiner Arroganz und Unnahbarkeit viele Gemeinsamkeiten mit Doktor Nummer 6, wenngleich er auch wesentlich mehr sympathische Züge besitzt.

Wem die ganze Misere meiner Meinung nach nicht zugeschrieben werden sollte, ist Colin Baker. Ja, die Stimmungsschwankungen des Doktors sind oftmals alles andere als subtil dargestellt und Baker neigt da auch gerne mal zum theatralischen Chargieren, das ist in diesen Momenten aber wohl auch schlicht der insgesamt eher theaterartigen Inszenierung der alten „Who“-Episoden geschuldet. Schließlich findet man es auch bei anderen Doktor-Darstellern dieser Ära. Davon abgesehen leistet Baker oft ausgezeichnete Arbeit dabei, die verschiedenen Facetten seines Charakters auszuloten. Sein Doktor ist energiegeladen, zynisch, beherrscht oft kompetent die Szenerie, wenn er nicht gerade in seiner schwachen Momente hat, und ist nicht selten sehr lustig in seiner Schnoddrigkeit. Und schlag mich tot, ich finde nicht einmal das Kostüm so schlimm, wie es oft gemacht wird, sondern durchaus passend als Symbol für den bunten Flickenteppich, den die Seele des Doktors zu Beginn seines sechsten Lebens darstellt. Na gut, okay: Die Krawatte ist lächerlich.

Soviel also zum Doktor. Was ist mit den Geschichten? Während der 22. Staffel kam es in der britischen Öffentlichkeit zu einer Diskussion darüber, dass der Anteil an Gewalt in der Serie zugenommen habe. Und tatsächlich, eine Menge Gewalt kann man den Folgen nicht absprechen. Klar, sie ist oft albern inszeniert und dank der billigen Produktionsweise der damaligen „Who“-Episoden reicht sie bei heutigen Kindern und Jugendlichen wahrscheinlich kaum noch für mehr als ein Achselzucken, aber da werden Leute gewürgt, mit Lasern erschossen, in Säurebäder geworfen, aus denen sie dann halb verätzt wieder hervorschießen. Für ein familienfreundliches Programm in den 80ern war das bestimmt harter Toback. Auf der anderen Seite macht es viele Szenen auch sehr spannend, düster, intensiv.

Die Box enthält insgesamt vier Geschichten. Da wäre zunächst „The Twin Dilemma“ (dt. „Zweimal Einstein“), der finale Vierteiler von Staffel 21 und das erste Abenteuer des sechsten Doktors nach dessen Regeneration. Außerdem die ersten drei Geschichten aus Staffel 22, „Attack of the Cybermen“ (dt. „Attacke der Kybermänner“), „Vengeance on Varos“ (dt. „Revolte auf Varos“) und „The Mark of the Rani“ (dt. „Die Rache des Meisters“), jeweils Zweiteiler mit einer Gesamtlänge von 90 Minuten, da die BBC in dieser Staffel ein bisschen mit Ausstrahlungsrhythmus und Episodenlänge experimentierte.

Nette Anekdote am Rande: Fragt man die Leser des „Doctor Who Magazines“, dann ist „The Twin Dilemma“ wohl das schlechteste „Doctor Who“- Serial aller Zeiten. 1998, 2009 und 2014 ließ das Magazin Rankings aller zum jeweiligen Zeitpunkt existierenden Geschichten aufstellen; „The Twin Dilemma“ landete jedes Mal auf dem letzten Platz. Ich kann mir vorstellen, dass hier die Abneigung gegen den neuen Doktor auf die Episode übertragen wird. Denn die Gastropods, riesige Schneckenwesen, sind coole Gegner, ihr Plan ist schön abgedreht, das Geheimnis um zwei von ihnen entführte Zwillinge weckt Interesse und zwischen all dem haben wir einen unterhaltsamen Doktor, der nicht nur in Konflikt mit sich selbst, sondern auch mit einem alten Freund steht. Eigentlich gar nicht so schlecht.

Und auch die anderen Geschichten bieten in Sachen Design und Charaktere interessante Gegenspieler, wie den fiesen Wurm Sil. Es gibt eine unterhaltsame Gesellschaftsordnung in Anlehnung an das alte Rom zu erforschen, die Rani gibt ihr Debüt und auch die Cybermen tauchen auf und werden hier wesentlich besser, weil düsterer, in Szene gesetzt als zum Beispiel in „Silver Nemesis“ drei Staffeln später. Einen Totalausfall wie etwa „Delta und die Bannermänner“ in der Debütstaffel von Doktor Nr. 7 gibt es nicht.

Fazit: Ist der sechste Doktor tatsächlich die furchtbarste Inkarnation des Time Lords oder vielleicht doch nur die unterschätzteste. Ich sage: Es lohnt sich, sich mit „Doctor Who – Sechster Doctor – Volume 1“ eine eigene Meinung zu bilden. 


Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 1
GB 1984/85
Regie: Peter Moffatt, Matthew Robinson, Ron Jones u. a.
Darsteller: Colin Baker, Nicola Bryant, Anthony Ainley u. a.
Drehbuch: Anthony Steven, Paula Moore, Philip Martin u. a.

Vertrieb: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 27.02.2015

Laufzeit: ca. 370 Min.
Bildformat: 1,33:1 / 4:3
Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Bonusmaterial: Colin Baker Vorwort, Featurettes: Der Mann von den Sternen, Der Kalte Krieg, Gut oder garstig?, Lords und Ludditen, Deleted und Extended Scenes, Bildergalerien uvm.

Preis: EUR 29,99

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