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Doctor Who – Die komplette Staffel 8
DVDs 02.04.15

Es ist beinahe schon ein Running Gag unter den „Doctor Who“-Fans: Wann immer ein neuer Schauspieler seinen Dienst als Doktor antritt, stellen sie die Frage, wie lange er wohl bleiben wird. Matt Smith, Doktor Nummer elf, hat drei Jahre durchgehalten, bevor er sich gen Hollywood aufmachte. Zeit also für einen neuen Time Lord, das Kommando über die TARDIS zu übernehmen.

von  Bastian Ludwig

Seit Smith im Juni 2013 angekündigt hatte, die Show nach der siebten Staffel und einigen Specials anlässlich des 50. Geburtstags von „Doctor Who“ zu verlassen, waren die üblichen Spekulationen aufgekommen. Wer wird der nächste Doktor? Ein bekannter Darsteller oder ein Newcomer? Jung oder alt? Ein Schwarzer? Idris Elba? Vielleicht dieses Mal eine Frau? Die Fans bekamen ihre Antwort dieses Mal ausgesprochen schnell. Schon im August 2013 wurde in einem TV-Special der BCC der neue Doktor-Darsteller präsentiert. Sein Name: Peter Capaldi.

Der war schon zu dieser Zeit im Who-Universum kein Unbekannter. In der Tennant-Folge „The Fires of Pompeii“ aus dem Jahr 2008 hatte er den Lucius Caecilius Iucundus gegeben und in der großartigen dritten Staffel des „Doctor Who“-Ablegers „Torchwood“ war er 2009 in der wichtigen Rolle des Ministerialbeamten John Frobisher aufgetreten. Besonders sein Auftritt als Iucundus ließ unter Fans die Frage aufkommen, ob zwischen diesem Charakter und dem neuen Doktor eine Verbindung bestehe, und tatsächlich wird über die optische Ähnlichkeit zwischen den beiden nicht einfach hinweggegangenen, sondern sie wird, wenn auch nur ganz kurz, in den neuen Folgen thematisiert.

Capaldi, in Großbritannien ein arrivierter Schauspieler und seit Kindertagen ein beinharter Who-Fan, hatte schon 1996 versucht, die Rolle zu bekommen, wurde jedoch abgelehnt. Fast 20 Jahre später hat es dann aber geklappt. In Anbetracht der kurzen Casting-Zeit glaube ich Showrunner Steven Moffat gerne, wenn er in einem Interview sagt, Capaldi sei seine erste Wahl gewesen, und dass man letztlich auch gar keine wirkliche Alternative in Betracht gezogen habe. Und so spielt Capaldi die Figur dann auch mit sichtlicher Freude. Die Who-Macher hatten schon immer ein Händchen, die Rolle mit ebenso handwerklich versierten wie charismatischen Schauspielern zu besetzen. Capaldi steht dem in nichts nach.

Es ist üblich für „Doctor Who“, dass sich mit dem Gesicht der Hauptfigur auch die gesamte Serie inhaltlich und stilistisch wandelt. Das ist dieses Mal nicht so offensichtlich wie beim Wechsel von David Tennant zu Matt Smith, mit dem ja auch ein Showrunner-Wechsel von Russel T. Davies zu Steven Moffat einherging, aber es fällt doch auf. Die bisherigen Staffeln unter der Ägide von Moffat zeichneten sich durch ein hohes Maß an Verspieltheit, oft an der Grenze zur Albernheit, aus, die gut zu Matt Smiths ausgelassenem und hyperaktivem Doktor passte. Im Vergleich dazu wirken die neuen Folgen geradezu getragen. Üppige Universumsuntergangsszenarien, an den Haaren herbeigezogenes Science-Fantasy-Gedöns und Episoden, die mehr auf einem Gimmick, denn auf einer echten Idee basieren („Dinosaurier auf einem Raumschiff. Das wäre doch mal geil.“), sind deutlich zurückgefahren.

Stattdessen gibt es kleine, relativ geerdete Szenarien, in denen es mehr als je zuvor darum geht, den neuen Doktor immer wieder in Situationen zu bringen, in denen er unterschiedliche Facetten seines Charakters vor allem in Umgang mit anderen Figuren zeigen kann. „Identitätsfindung“ war schon immer das Thema der ersten Folgen eines neuen Doktors, dieses Mal zieht es sich aber als roter Faden durch die gesamte Staffel. Was macht der Neue, wenn er Anführer eines Einbrecherteams ist? Wie verhält er sich, wenn er die Verantwortung für Schwächere übernehmen muss? Wie im Gegensatz dazu, wenn er sich vom Weltenretten zurückzieht, und anderen die schwerwiegenden Entscheidungen überlässt? Ist er ein guter Mann oder ein böser? Kurz gefragt: Wer ist der neue Doktor? Nicht zuletzt wird dieses Identitätsspiel auch durch die Kleidung des Time Lords widergespiegelt, trägt er doch, ganz anders als seine Vorgänger, in praktisch jeder Folge ein anderes Kostüm. So ist der neue Doktor auch nach 12 Folgen und einem Weihnachts-Special noch nicht ganz greifbar, wenngleich sich schon eine deutliche Richtung abzeichnet.

Die Macher haben sich offenbar das Ziel gesetzt, einen Doktor zu gestalten, der zum einen Merkmale der alten TV-Ära aufgreift und der sich außerdem deutlich von seinen Vorgängern von New Who, vor allem von Matt Smith, abhebt. Das fängt schon beim Alter an. Smith war der jüngste Doktor aller Zeiten, Capaldi ist, nach dem Original-Doktor William Hartnell, der zweitälteste Who-Darsteller. Auch ist er mit seinem hageren Gesicht und den markanten Augenbrauen mit Sicherheit kein Posterboy wie Smith oder Tennant. Und auch sein Charakter ist weniger zugänglich. Keine Spur vom quirligen und oft herzlichen Smith-Doktor oder von der jungenhaften Tennant-Version. Von den neueren Doktoren ähnelt er am ehesten der von Christopher Eccleston dargestellten Inkarnation, wenngleich ihm deren typisches Vertrauen in die Menschheit abgeht.

Stattdessen ist Capaldis Doktor ein knorriger alter Mann, oft griesgrämig und arrogant, mit einer Abneigung gegenüber zu engem Körperkontakt, eigentlich mit einer Abneigung gegenüber anderen Personen überhaupt, wenngleich natürlich trotz allem mit einem weichen Herzen und einem unüberwindbaren Helfer-Syndrom. Damit erinnert er ein wenig an den späteren Sylvester McCoy und gerade der Wankelmut im Charakter des Doktors, seine Unberechenbarkeit, sind ein deutlicher Rückgriff auf Tom Bakers vierten Doktor.

Dieses Austesten verschiedener Charaktereigenschaften macht Spaß und es sorgt dafür, dass eine immerhin 50 Jahre alte Figur auch weiterhin interessant bleibt, allerdings sollten sich die Macher in der nächsten Staffel darum kümmern, den neuen Doktor genauer zu definieren, damit er nicht als die Inkarnation in die Geschichte eingeht, die alles, und doch irgendwie nichts war.

Neben dem neuen Doktor-Charakter ist die auffälligste Änderung im Vergleich zu den Vorgängerstaffeln, dass ein staffelübergreifender Handlungsbogen weitestgehend fehlt. Meiner Meinung nach ist das kein großer Verlust. Als Autor hat Moffat mehrfach bewiesen, dass er sehr gut darin ist, originelle Einzelepisoden zu schreiben, als Showrunner hat er aber ebenso gezeigt, dass ihm ein längerer Handlungsbogen gerne mal entgleitet. Vielleicht hat er das selbst erkannt, vielleicht ist es Zufall, auf jeden Fall bekommen wir nur hier und da Andeutungen über die geheimnisvolle Missy, eine Frau mittleren Alters im strengen Kostüm, die Tote in einer Art Himmel zu begrüßen scheint, eine wirkliche Rolle spielt sie aber tatsächlich erst im zweiteiligen Staffelfinale. Ob dieser dramaturgische Ansatz auch in der kommenden Staffel verfolgt wird, bleibt abzuwarten, denn immerhin steht noch die im Jubiläums-Special „The Day of the Doctor“ auf hochdramatische Weise angekündigte Rettung von Gallifrey aus, eine Geschichte, die sich für einen Staffelhandlungsbogen geradezu aufdrängt. Wir werden sehen.

In Runde 8 bekommen wir erst einmal 12 weitestgehend für sich stehende Episoden plus ein Weihnachts-Special, die, wie für „Doctor Who“ üblich, ein breites Qualitätsspektrum abdecken. „Into The Dalek“ stellt auf originelle Weise die Frage nach Gut und Böse, „Listen“ ist äußerst spannend, „Time Heist“ verschmitzt und actionreich, „In the Forest of the Night“ hingegen ziemlich langweilig und gegenstandslos, „Robots of Sherwood“ stellenweise zwar unterhaltsam, aber doch ziemlich albern. Unterm Strich bewegt sich die Staffel aber nicht zuletzt wegen der Konzentration auf Einzelepisoden auf einem hohen Niveau und in meinen Augen handelt es sich um die beste, die Moffat bisher abgeliefert hat.

Das Bonusmaterial der DVD-Box ist so umfangreich, wie es sich für eine aktuelle Produktion gehört. In ausführlichen „Behind the Scenes“-Videos lassen sich Schauspieler und Macher in die Karten blicken, wobei selbstkritische Worte hier natürlich nicht zu erwarten sind, handelt es sich doch um reines PR-Material. Die Doku „Earth Conquest – The World Tour“ führt Peter Capladi und Jenna Coleman, die Darstellerin der Begleiterin Clara Oswald, auf Promo-Tour rund um den Globus und gibt so auch einen Einblick in das weltweite „Doctor Who“-Fandom.

Herzerwärmend ist Peter „Doktor Nummer fünf“ Davisons humorvolle Kurzfilm-Hommage „The five(ish) Doctors Reboot“. In einer mit Gastauftritten gespickten, fiktionalen Handlung versucht Davison zusammen mit den Doktoren sechs und sieben, Colin Baker und Sylvester McCoy, sich auf das Set des „Doctor Who“-Jubiläums-Specials zu schleichen. Davison ist es auch, der in den Dokus „The Ultimate Time Lord“ und „The Ultimate Companion“ herausfinden möchte, was denn nun eigentlich den perfekten Doktor und seinen perfekten Begleiter ausmacht. Damit wird das Thema „Identitätsfindung“ auch im Bonusmaterial aufgegriffen.

Fazit: Die achte Staffel von „Doctor Who“ ist dank eines interessanten, neuen Doktors und dem Ansatz, statt auf einen unausgegorenen staffelübergreifenden Handlungsbogen lieber auf Einzelepisoden zu setzen, die beste Runde, die Steven Moffat bisher abgeliefert hat. 


Doctor Who – Die komplette Staffel 8
GB 2014
Regie: Douglas Mackinnon u. a.
Darsteller: Peter Capaldi (Der Doctor), Jenna Coleman (Clara Oswald) u. a.

Vertrieb: polyband
Erscheinungstermin: 13.03.2015

Laufzeit: 653 Minuten
Bildformat: 1.77:1 / 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren

Bonusmaterial: Dokumentationen: Earth Conquest – The World Tour, The Ultimate Time Lord, The Ultimate Companion, Kurzfilm „The five(ish) Doctors Reboot“, Behind-the-Scenes-Featurettes, u.v.m.

Preis: EUR 39,99

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