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Game of Thrones – Der Eiserne Thron – Das Kartenspiel (Zweite Edition)
Kartenspiele 21.11.15

„A Song of Ice and Fire“, auch als „Game of Thrones“ betitelt, ist mittlerweile weit mehr als bloß eine Bestseller-Romanreihe aus der Feder von Fantasy-Autor George R. R. Martin. Es gibt eine TV-Serie, eine Comic-Adaption, ein Rollenspiel und diverse Brettspiele, in denen die Geschehnisse in der Welt Westeros nach- und weitererzählt werden. „Game of Thrones – Das Kartenspiel“ war lange Zeit ein erfolgreiches Living Card Game aus dem Haus Fantasy Flight Games. Nun wurde der in die Jahre gekommene Spielmechanismus verschlankt und die Optik aufgepeppt: Willkommen bei der Zweiten Edition.

von  Frank Stein

„Game of Thrones – Der Eiserne Thron – Das Kartenspiel (Zweite Edition)“ – puh, erstmal Luft holen – ist ein kompetitives Living Card Game für zwei bis sechs Spieler (auf dem Karton steht „zwei bis vier“, womit die Anzahl der Spieler gemeint ist, die mit einem Grundspiel allein Spaß haben können). Eine Partie zu zweit folgt dem sogenannten Tjost-Format, zu dritt oder mehr spielt man nach nach dem etwas erweiterten Buhurt-Format.  Dabei sind die Regeln der Zweiten Edition nicht mit der Ersten Edition kompatibel. Es wurden einige Mechanismen, die laut Entwickler noch aus Sammelkartenzeiten stammen („Game of Thrones“ begann als Sammelkartenspiel), gestrichen, weil man nie ganz glücklich über sie war. Andere – wie die Timing-Regeln – wurden aktualisiert.

Vor der Partie stellt sich jeder Spieler aus einer der acht Fraktionen ein Spieldeck aus 60 Karten zusammen und dazu ein Strategiedeck aus 7 Karten (Strategien sind Ereignisse, die genau eine Runde wirksam sind). Für gewöhnlich besteht ein Spieldeck aus einer Hauptfraktion, die durch eine Agendakarte mit den explizit „nicht-loyalen“ Karten einer zweiten Fraktion gepaart und zudem durch neutrale Karten ergänzt werden darf. Das ist mit dem Grundset prinzipiell möglich (20 Fraktionskarten einer Fraktion, plus 12-14 Fraktionskarten einer zweiten Fraktion und danach aus den 29 möglichen neutralen Karten auffüllen), lässt aber nicht viel Spielraum beim Deckbau. Die Beispieldecks für Testspiele ganz hinten im Regelheft arbeiten daher ohne die Loyalitätsregel und mit nur 48 Karten. Für ein paar schnelle Testspiele genügt das auch.

Möchte man „Game of Thrones“ allerdings auf Turnierniveau spielen, wird man nicht umhin kommen, sich drei Grundsets zu kaufen, denn die meisten Karten sind nur einmal enthalten und man darf jede Karte bis zu dreimal im Deck haben – bei starken Karten wird man das auch wollen. Wem das nach Geldschneiderei vorkommt, der mag sich vor Augen führen, dass er mit drei Grundboxen gleich acht vollwertige Fraktionsdecks zusammenstellen kann. Man kann sich also beispielsweise mit ein paar Gleichgesinnten zusammentun und die Inhalte nach Fraktionen untereinander aufteilen. Wie bei anderen Living Card Games wird der Kartenpool zukünftig durch kleine und große Erweiterungen ergänzt. Dabei enthalten die kleinen Erweiterungen allerdings jeweils nur zwei neue Karten in dreifacher Ausführung für jede Fraktion. Deckbau mit nur einer Fraktion ist aktuell also bloß eingeschränkt möglich. Es bedarf neutraler Karten und der Verwendung nicht-loyaler Karten einer zweiten Fraktion, wenn man sein Deck nicht lediglich aus allen Fraktionskarten dreier Grundboxen (also 20x3) bauen möchte.

Der Spielmechanismus selbst ist erfreulich einfach gehalten. Vor der Partie wird ein zufälliger Startspieler bestimmt, die Fraktionskarten werden platziert, Gold-, Macht- und (vielfältig genutzte) Einflussmarker werden bereitgelegt, der Strategiestapel wird platziert, der Nachziehstapel (das eigene Deck) gemischt und eine Starthand aus sieben Karten gezogen. Danach darf man Karten, die insgesamt acht Gold kosten, in seinem Spielbereich kostenlos aufmarschieren lassen und die Starthand wieder auf sieben auffüllen.

Gespielt wird in Runden zu je sieben Phasen, wobei in jeder Phase alle Spieler an der Reihe sind, beginnend mit dem Startspieler. Zunächst wählt jeder Spieler aus seinem Strategiestapel eine Strategie für die Runde. Diese bestimmt nicht nur den Goldvorrat in dieser Runde, das Schadensausmaß bei Konflikten, das Handkartenlimit am Ende und wer die Initiative hat, sondern bringt auch ein unterstützendes Element in Form eines Ereignistextes ins Spiel. Die Wahl der richtigen Strategie hat in dem Spiel nicht unerhebliche Bedeutung. Sie kann übermächtige Gegner zurechtstutzen und eigene Pläne für eine Runde verstärken. Anschließend werden zwei Karten nachgezogen. In der Aufmarschphase legen die Spieler Charaktere, Orte und Verstärkungen aus. Nur Ereigniskarten können in anderen Phasen ausgespielt werden.

Die Herausforderungsphase ist der Kern jeder Runde. Man darf seinen Gegner je einmal militärisch, durch Intrigen oder im Machtkampf herausfordern. Im Grunde läuft es dabei stets darauf hinaus, mehr Stärke ins Feld zu führen als der Gegner. Dazu werden Karten zu Angreifern und Verteidigern erklärt, Effekte kombiniert, eigene und feindliche Karten „getappt“ (heißt hier „gebeugt“) usw., bis schließlich die Stärken verglichen werden. Bei einem Sieg des Angreifers kommt es zu Toten, der Gegnerspieler verliert Karten oder Machtpunkte (Siegpunkte) wechseln den Besitzer. Blockiert der Verteidiger den Vorstoß erfolgreich, geschieht in der Regel nichts.

In der Herrschaftsphase wird die Macht der noch „stehenden“ Charaktere verglichen. Der Sieger erhält einen weiteren Machtpunkt. Danach werden gebeugte Karten wieder aufgerichtet und überschüssige Karten von der Hand abgeworfen, bevor die nächste Runde beginnt. Spielziel ist es, fünfzehn Machtpunkte zu sammeln. Wem dies gelingt, der gewinnt sofort.

Das Buhurt-Format ändert an den Regeln praktisch nichts. Es kommen lediglich zusätzlich die sogenannten Titelkarten ins Spiele, die in jeder Runde an die Spieler verteilt werden und Freundschaften respektive Feindschaften festlegen. Außerdem bieten sie ihrem Träger zusätzliche Boni.

In Testspielen machte es den Eindruck, als sei der Spielmechanismus noch etwas unausgeglichen. Sobald ein Spieler auf dem Tisch die Oberhand gewonnen hatte – meist durch eine Kombination guter Charakterkarten und militärische Übermacht –, war es dem Gegner kaum noch möglich, das Schlachtenglück zu wenden. So konnten wir jedes Mal eigentlich Runden im Voraus sagen, wer die Partie gewinnen würde. Vielleicht lag dies aber auch an den Testdecks, die mit „illegalen“ Loyalitätsregeln operierten, wodurch sehr starke Charaktere zweier Fraktionen kombiniert werden konnten, was normalerweise nicht möglich ist, weil diese eben nur ihrem eigenen Haus loyal sind. Es ist auch anzunehmen, dass im Buhurt-Format die Machtverhältnisse nochmal etwas ausgeglichener sind, als wenn man zu zweit spielt (wie wir), da eine Gruppe stärker regulierend auf Einzelne auswirkt, die punktemäßig vorne liegen.

Optisch ist das Kartenspiel ein echter Augenschmaus. Schon die Grundbox, die eine herrschaftlich zwischen jungen Drachen ruhende Daenerys zeigt, besticht durch visuelle Qualität. Das setzt sich in den Karten fort, die nicht nur angenehm gestaltet sind, sondern auch fast durchgehend einen sehr ähnlichen Illustrationsstil aufweisen, der auf dem gleichen hohen Level operiert, wie alle Fantasy-Flight-Games-Produkte der letzten Jahre. Es kommt einem praktisch keine Karte unter, deren Motiv handwerklich misslungen wäre. Das übt schon einen enormen Reiz zum Spielen und Sammeln aus.

Fazit: Die Zweite Edition von „Game of Thrones – Der Eiserne Thron – Das Kartenspiel“ punktet durch eine tolle Optik und einen eingängigen Spielmechanismus. Wie so oft bei Living Card Games gilt: Einfach erlernt, schwer gemeistert. Wer Strategien geschickt nutzt und sein Kartendeck optimiert, kann enorme Spieleffekte erzielen. Das macht Spaß und reizt zum Wiederspiel. Dass man mit einer Grundbox nur eingeschränkte Möglichkeiten zum Deckbau hat, kann man dem Spiel nicht vorwerfen. Das ist bei allen LCGs so, und Dank der Möglichkeit, zwei Fraktionen zu verbünden, bleiben dennoch reichlich Kombinationsmöglichkeiten für erste Spiele. Unterm Strich ist die Zweite Edition  des „Game of Thrones“-Kartenspiels sehr gut gelungen. Ein echtes Vergnügen für alle Spieler, die kompetitive Fantasy-Kartenspiele mögen und (gegenwärtig noch) moderat aufwändigen Deckbau nicht scheuen.


Game of Thrones – Der Eiserne Thron – Das Kartenspiel (Zweite Edition)
Living Card Game
Nate French, Michael Hurley
Fantasy Flight Games/Heidelberger Spieleverlag 2015
EAN: 4015566022782
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 32,95

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