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The Art of He-Man und die Masters of the Universe
Romane, Non-Fiction 20.05.16

Anfang der 1980er kam eine Spielzeugreihe auf den Markt, die aus normalen Kindern zukünftige Geeks machte und Eltern die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ: die Masters of the Universe mixten hemmungslos Fantasy-Elemente mit Science-Fiction-Technologie, um den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse zu erzählen. Die wechselvolle Geschichte dieses Franchise, das gerade unter den mittlerweile erwachsenen Fans eine kleine Renaissance erlebt, lässt sich in dem Prachtband „The Art of He-Man und die Masters of the Universe“ erforschen.

von  Kurt Wagner

Es gibt Bücher, die erinnern einen wieder daran, warum E-Books nie ein echtes Printwerk ersetzen können. Schwergewichtig (fast 2,3 kg) und großformatig (etwa 24x31x3 cm) kommt dieser „Art of“-Band daher, der He-Man, den stärksten Mann des Universums, in dramatischer Pose ebenso auf dem Cover trägt wie den ikonischen Schriftzug. Der Werbetext auf der Buchrückseite verspricht eine „umfassende Retrospektive“, einen Rundumschlag, der bei den Actionfiguren beginnt, die beliebte TV-Serie ebenso wenig vergisst wie den berühmt-berüchtigten Kinofilm und in den neuen Comics gipfelt. Man darf gespannt sein.

Das Buch beginnt mit einem liebevollen Vorwort von Alan Oppenheimer, der in der amerikanischen TV-Zeichentrickserie den Skeletor sprach (neben einigen anderen Figuren). Danach folgen zehn Kapitel, die dem Phänomen „Masters of the Universe“ in chronologischer Reihenfolge nachspüren. Das zieht sich von 1980 und der „Erschaffung eines Helden“ bis ins Jahr 2014 und „Die Evolution eines Universums“. Dabei versucht das Buch den etwas eigenartigen Spagat, gleichzeitig ein „Art of“ und ein „Making of“ zu sein.

Konkret heißt das, dass Fließtexte auf den Seiten praktisch nicht existieren. Eine Reihe Interviews mit den Machen von damals und heute versucht Hintergründe zu vermitteln, da die Gespräche mit ein bis eineinhalb Seiten jedoch eher kurz ausfallen, bleibt einiges offen. Ansonsten wird die Geschichte der „Masters of the Universe“ in Bildern und Bildunterschriften erzählt. Das klappt trotz aller Einschränkungen im Informationsgehalt recht gut. So erfährt man als Casual Fan (der ich bin – ich besaß zwar ein paar Figuren und Comics und kenne den Kinofilm, aber mit der Geschichte oder Mythologie von „MotU“ habe ich mich nie beschäftigt), wie die Macher bei Mattel im Sommer 1980 nach einer neuen Figurenreihe suchten, möglichst franchise-ungebunden, damit man zeitlich flexibler agieren konnte und nicht auf mögliche TV-Serien oder Kinofilme Rücksicht nehmen musste.

Was als „Conan“-artiges Konzept begann, entwickelte sich schnell zu einer Mixtur aus Fantasy und SF, eine Genre-Mischmasch, der in den 1980ern extrem beliebt war. Konzept- und Produktionszeichnungen zeigen hier frühe Entwicklungen und wie die Marke präsentiert wurde. Das zieht sich übrigens auch durch die anderen Kapitel zur TV-Serie und dem Kinofilm. Wer unter einem „Art of“ ein Buch versteht, bei dem Künstler ihre Visionen von „Masters of the Universe“ ausleben, wird enttäuscht. Spektakuläre Szenen finden sich nur eine Handvoll zwischen den Buchdeckeln. Die Produktionshistorie mit alle ihren Kuriositäten (etwa einem „Create a Character“-Contest) steht deutlich im Vordergrund. Gerade der Verpackungskunst wird viel Raum gegeben – was nicht heißen soll, es gäbe hier nicht viel zu sehen!

Das Comic-Kapitel legt den Schwerpunkt auf die Cover der Mini-Comics und druckt außerdem einzelne Seiten rarer Comics ab. Damit bleibt es eher unergiebig. Spannender ist der Einblick in die Filmation-Zeichentrick-Abenteuer von He-Man. Hier wird anhand vieler Skizzen der Herstellungsprozess damaliger Zeichentrickepisoden erläutert. Wie in den Kapiteln davor wünschte man sich noch etwa mehr Begleittexte, um das Präsentierte zu vertiefen. Auf S. 113 liegt in meinen Fall übrigens ein Produktionsfehler vor. Eine eingeklebte Tasche und ein Text legen den Verdacht nahe, dass ein Film-Cel darin enthalten sein sollte, die man vor einige gemalte Zeichentrick-Hintergründe legen kann. Bei mir fehlte diese Cel.

Das fünfte Kapitel widmet sich unter anderem der Poster-Art und hier bekommt man am ehesten das geboten, was man von einem „Art of“-Band erwartet: stimmungsvolle, großformatige Szenen aus dem „MotU“-Franchise. Nach einem ansehnlichen Bilderreigen werden Ausschnitte von Comics und Büchern präsentiert, diesmal praktisch völlig ohne Begleittext, sodass man im Grunde nur Blättern und Staunen kann. Ein Kuriosum gegen Ende: das Cover einer Strickmuster-Hefts der „Powers of Greyskull“-Reihe. Ernsthaft? Strickmuster?

Es soll etwas abgekürzt werden: Kinofilm, dann der Neustart der Figurenreihe in den 1990ern, dann der erneute Neustart Anfang der 2000er. Die Kapitel folgen alle dem oben genannten Schema. Kurze Interviews, ein paar Zusatzinfos und eine bunte Mischung aus Konzeptzeichnungen und Produktionskunst prägen das Buch auch im letzten Drittel. Das ist spannend zum Durchblättern und Entdecken, weckt aber zugleich den Wunsch nach mehr. Was beispielsweise völlig fehlt, ist eine Erklärung der Mythologie von „MotU“. Wie gehören Helden und Schurken zusammen, was macht Eternia und Etheria aus? Im Grunde könnte zu diesem Buch noch ein Schwesterband erscheinen, der als Enzyklopädie daherkommt (witzigerweise war das Buch ursprünglich als Enzyklopädie angekündigt, das wurde dann aber irgendwann geändert).

Fazit: „The Art of He-Man und die Masters of the Universe“ ist ein echter Brocken von einem Buch. Es mag an Hintergrundtext mangeln, aber ist dafür randvoll mit Bildmaterial, gespickt mit durchaus netten, wenn auch knappen Interviews. Für den Casual Fan gibt es enorm viel zu entdecken, aber auch Kenner dürften Freude am Stöbern haben, gerade weil es bislang nicht wirklich viel Sekundärmaterial zu diesem Franchise gab. Zwei Wermutstropfen gibt es allerdings. Zur Mythologie des Universums selbst wird in dem Werk gar nichts gesagt – es geht ausschließlich um die Produktionsgeschichte. Und fast 50 Euro sind halt auch eine Ansage – andererseits erhält man dafür einen großformatigen und schwergewichtigen Vollfarb-Hardcover-Band, mit dem man all seine Geek-Freunde beeindrucken kann.


The Art of He-Man und die Masters of the Universe
Sachbuch
Mike Richardson
Panini Books 2016
ISBN: 978-3-8332-3173-5
320 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 49,95

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