Pegasus Spiele OnlinePegasus Spiele ShopPegasus PressPegasus Spiele GmbHRingbote - das Online MagazinPegasus MediaPegasus Spiele SupportteamPegasus Spiele Kontakt
  
 

 
  
  
  







 

INTERVIEW: Rollenspiel-Urgestein Karl-Heinz Zapf
Artikel/Interview 16.05.15

Unlängst hatte der Ringbote die Gelegenheit, mit Karl-Heinz Zapf, einem Urgestein der Rollenspiel-Szene, zu sprechen.

Ringbote: Wie lange spielst du schon Rollenspiele?

KHZ: Da muss ich weit zurückdenken – bis in die Zeit, als die Erde noch eine Scheibe war … Los ging der Spaß damals bei mir erst so richtig im Jahre 1984 mit der legendären „DSA“-Box, die ich ganz regulär im Buchhandel erworben habe. Ich hatte zwar zuvor schon Kontakt zu u. a. Soloabenteuern wie den „Fighting Fantasy“-Gamebooks und sogar schon das „Schwerter & Dämonen“-Regelwerk in Händen gehalten, wie ein Rollenspiel aber ablaufen sollte, das erschloss sich mir vorher nur teilweise. Mit den simplen und für unser Hobby sicher wegweisenden Regeln in der „DSA“-Box wurde dann aber alles klar und meiner „Karriere“ als Rollenspieler und Spielleiter stand endlich nichts mehr im Wege.

Ringbote: Wie bist du dazu gekommen?

KHZ: Wie ich schon erwähnt habe war die „DSA“-Box sozusagen die Initialzündung. Allerdings hatte ich schon Jahre vorher damit begonnen, Kurzgeschichten und sogar einen ersten Roman zu schreiben, die alle in einer Fantasy-Welt angesiedelt waren, die ich selbst zusammen gesponnen hatte. Damals ging ich noch nach dem Motto „Besser gut geklaut als schlecht erfunden“ vor und suchte mir meine Anregungen natürlich vor allem in den Klassikern der Fantasy-Literatur wie dem „Herr der Ringe“ zusammen, aber ebenso aus Comics wie z. B. „Elfquest“ oder Kinofilmen wie „Der dunkle Kristall“. In dieser Zeit lernte ich das deutsche Fandom kennen und lieben. Genau wie die tollen und immens kreativen Leute, die sich in ihm tummelten. Ein guter Freund – der dann später für viele Jahre zu meiner Rollenspielgruppe zählte – ermutigte mich dazu, mit meinen Storys doch ein eigenes Fanzine ins Leben zu rufen. Gesagt, getan: In den kommenden Monaten erschienen dann die beiden (anfangs eher bescheiden gestrickten) Fanzines „Einhorn“ und „From Sunrise to Sunset“. In ihnen veröffentlichte ich dann auch meine ersten eigenen Soloabenteuer. Man kann also sagen, dass der Übergang vom Fandom zum Rollenspiel-Hobby sehr fließend war …

Ringbote: Was fasziniert dich heute noch an Rollenspielen?

KHZ: In erster Linie die hier vorherrschende, förmlich übersprudelnde Fantasie. Dass mehrere Leute gemeinsam eine Szene erleben, sogar eine ganze Welt vor Augen haben und diese zusammen erforschen. Vor allem aber, dass dieses Hobby so kreativ und kommunikativ ist. Und außerdem, dass man eigentlich so extrem wenig dafür benötigt, um ein Rollenspiel zu spielen – im besten Fall tatsächlich nur die eigene Vorstellungskraft, im „schlimmsten“ Fall ein paar Regelbücher, ein Abenteuer (womöglich sogar selbst geschrieben – das sind sowieso die besten) und ein paar bunte Würfel. Ich habe über dieses Hobby wirklich viele tolle Leute kennengelernt und mit diesen unzählige spannende Stunden verbracht. Am tollsten finde ich, dass ich – wenn ich wie so oft mal wieder auf einer Convention leite – mit völlig fremden Personen zusammen ein gemeinsames Abenteuer erleben und dabei so viel Spaß haben kann. Rollenspiel ist für mich einfach das allerbeste Kopfkino!

Ringbote: Welche Rollenspiel-Produkte hast du geschaffen?

KHZ: Als ich in meiner Rollenspielgruppe bereits mehrere Jahre gespielt und dabei einige eigene Abenteuer geschrieben hatte, reifte in mir irgendwann die (zugegebenermaßen völlig verrückte) Idee, selbst ein Regelwerk zu ver„zapf“en. Dafür gab ich meine Fanzines auf und widmete mich voll und ganz diesem Machwerk namens „Mächte, Mythen, Moddermonster“. Ich kann mich noch sehr gut an die durchwachten Nächte erinnern, in denen ich daran geschrieben habe und am nächsten Morgen ohne auch nur eine Stunde Schlaf direkt im meinen Ausbildungsbetrieb gefahren bin.

Entgegen dem eher witzig klingenden Titel war es tatsächlich ein ernst gemeinter Versuch, ein richtiges Rollenspielsystem in Deutschland zu etablieren. Zusammen mit zwei Freunden publizierte ich dann im Jahr 1989 dieses immerhin ca. 380 Seiten umfangreiche Werk in drei Bänden und einer respektablen Auflage von 500 Exemplaren. Das war für damalige Verhältnisse schon ganz ansehnlich. Dazu sollte man vielleicht ebenfalls noch wissen, dass dieses Unterfangen zu dieser Zeit noch ein echtes Abenteuer für sich war. Man konnte eben nicht praktischerweise im Internet Angebote von Druckereien einholen, das lief alles über Gespräche am Telefon, bei denen Missverständnisse und Probleme eigentlich schon vorprogrammiert waren. Und das Geld dafür aufzutreiben war natürlich ebenfalls nicht gerade ein Kinderspiel. Dennoch waren wir relativ zufrieden mit dem Resultat und es erschien danach noch ein Abenteuerband namens „Der König soll sterben“ und ein Fanzine namens „em em em-Magazin“.

Leider zerschlug sich danach die Partnerschaft und ich alleine schaffte es nicht mehr, die eigentlich geplanten Nachfolgeprodukte zu stemmen. Dennoch ist noch sehr viel – damals unveröffentlichtes – Material in den darauf folgenden Jahren erschienen.

Damit ging es aber eigentlich erst so richtig los, denn nun hatte mich das Rollenspiel-Fieber vollends gepackt! Also habe ich in den Jahren danach noch relativ viel (größtenteils unveröffentlichtes) Material für MMM geschrieben, aber auch Soloabenteuer, Vereinsmagazine und andere kleine Regelwerke. Einige Jahre war dann zwar Sendepause, weil ich mein Leben erst mal wieder ordnen musste (was auch mit meinem ziemlich anstrengenden Umzug zusammenhing), dann aber war ich endlich wieder zurück in der alten Heimat und gründete dort zusammen mit zwei „Spielkameraden“ sofort einen Spieleverein, nämlich den „Augsburger SpieleSpieler“ e. V.. Das war auch die Zeit, in der ich verstärkt damit begann, neue Abenteuer zu schreiben und regelmäßig zu spielen. Und da unsere kleine Gruppe einen Ausgangsort für ihre unzähligen nervenzerreißenden Abenteuer gebraucht hat, habe ich Schnutenbach ins Leben gerufen; allerdings war damals nie geplant, dass diese Dorfbeschreibung samt der daran hängenden Szenarios jemals richtig veröffentlicht wird. Und der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte.

Und natürlich habe ich auch relativ häufig für verschiedene Magazine geschrieben: Ob nun für die „Mephisto“, den „SpielxPress“, die „Anduin“ oder die „LARPZeit“ – es gab eigentlich immer was für mich zu tun.

Ringbote: Wie hat sich deiner Meinung nach das Rollenspiel im Laufe der Jahre verändert?

KHZ: Der eigentliche Kern des Rollenspiels ist meiner Ansicht nach (zum Glück) gleich geblieben. Nur das Drumherum hat sich teilweise geändert. Während wir früher mit selbst dem miesesten Regelwerk und Abenteuer irgendwie zufrieden waren, herrscht heute tatsächlich eine Art von Überangebot an Rollenspielen, die aber nur wenige so wahrzunehmen scheinen.

Es gibt unfassbar schöne Regelbücher und Hintergrundwelten, die aber niemand verwendet. Warum? Weil einige wenige starke Systeme den ohnehin sehr überschaubaren Markt förmlich beherrschen und leider manchmal auch an sich tolle Entwicklungen förmlich im Keim ersticken. Das Tolle ist aber, dass wir jetzt eine echte Auswahl haben, welcher Welt und welchen Spielregeln wir unser Herz (und nicht zuletzt unsere spärlich gesäte Zeit) schenken wollen. Und dass wir sogar selbst an das noch so ausgefallenste Regelwerk irgendwie ran kommen können …

Ringbote: Was ist deiner Meinung nach die positivste und was die negativste Entwicklung im Rollenspiel?

KHZ: Auf die negativen Aspekte bin ich ja gerade teilweise schon kurz eingegangen. Was mich persönlich seit einigen Jahren irritiert, sind unnötig überreglementierte Regelwerke, die eigentlich kein Mensch braucht. Wenn ich meine Steuererklärung machen möchte, dann benötige ich dazu schließlich kein Rollenspiel-Regelwerk. Wenn ich heute auf die großen (und teilweise ebenso die kleinen) Conventions gehe, dann finde ich trotz der großen Auswahl an Regelwerken meist nur drei, vier verschiedene Angebote „großer“ Rollenspiele. Und das dann für Systeme, bei denen ich alleine schon – überspitzt gesagt – vier Stunden für die Charaktererschaffung brauche. „DSA“ ist da das beste Beispiel – mit der allerersten Edition habe ich angefangen und wir hatten jahrelang viel Spaß damit. Wer braucht also alle diese Regeln, Mechanismen und eine Welt, die bis in den kleinsten Winkel ausgearbeitet ist und so die Spieler und den Spielleiter dadurch massiv in der eigene Kreativität und Fantasie beschneidet? Ich halte das für eher kontraproduktiv.

Was ich ebenfalls schade finde, ist die Tatsache, dass es im Bezug auf Print-Magazine bei uns so ruhig geworden ist. Wir hatten mal so was wie die „ZauberZeit“, die „Spielwelt“ und die „FantasyWelt“ und davon ist so gut wie nichts mehr übrig. Teilweise haben diese Magazine echt tolles Material beinhaltet und den Weg für die gesamte Szene bereitet.
Die positivste Entwicklung hingegen ist es für mich auf jeden Fall, dass es viel leichter für (angehende) Spieleautoren geworden ist, ihr Material zu veröffentlichen! Das ist ein echter Schritt nach vorne für unser Hobby. Somit verstauben viel weniger Abenteuer und Spielregeln in irgendwelchen Schubladen. Und wenn man das Geld für den Druck nicht hat, dann erstellt man eben ein PDF und vertreibt dieses – das ist schon eine tolle Sache.

Ringbote: Was wird sich deiner Meinung nach noch alles in der Zukunft des Rollenspiels tun?

KHZ: Durch Kickstarter-Projekte, die Möglichkeit, auch kleine Auflagen günstig drucken lassen zu können und die Option, eigenes Material als PDF zu vertreiben, kommen sicher sehr spannende Zeiten auf uns zu. Allerdings bin ich mir sicher, dass uns gewisse gute Dinge, die wir am Rollenspiel kennen und schätzen gelernt haben, auch weiterhin erhalten bleiben. Ich für meinen Teil bevorzuge z. B. nach wie vor gedruckte Regelwerke gegenüber PDFs auf Tablets. Da schleppe ich mich zwar jedes Mal fast tot, wenn ich bei einer Convention aufschlage, aber ich bin da wohl vermutlich eher „old school“. Aber ich sehe ganz klar die Vorteile, zig Regelwerke sowie Abenteuer in einem kleinen, handlichen und gut transportablen Medium zu sammeln und immer dabei zu haben. Auch hier wird sich bestimmt noch einiges tun.

Ringbote: Was sind deine Perlen des Rollenspiels.

KHZ: Das ist eine schwierige Frage, weil mir wirklich sehr viele Dinge gut gefallen, die das Rollenspiel so zu bieten hat. Generell tendiere ich dazu, deutsche und von Fans initiierte Projekte zu bevorzugen. Zurzeit bin ich gerade auf einer Art „Nostalgie-Trip“ und lese mir die alten „Drachenland“-Abenteuer nach und nach durch; das war für damalige Verhältnisse ganz großes Kino. Auch „MERS“ hatte viel zu bieten, zwar nicht regeltechnisch, aber dafür waren die Abenteuer und Hintergrundbeschreibungen schon früh sehr liebevoll und richtungsweisend für unser Hobby. Natürlich darf an dieser Stelle die „Enemy within“-Kampagne für „Warhammer Fantasy“ nicht unerwähnt bleiben. Ich glaube, die hat jeden ziemlich umgehauen, der zu der Zeit damit in Kontakt gekommen ist.

In den letzten Jahren gab es bei uns im Lande auch ein paar echte Rollenspiel-Perlen, die mich nachhaltig beeindruckt haben: Unter anderem das imposante „Degenesis“, das erst vor kurzer Zeit eine Wiederauferstehung in noch opulenterer Optik feiern durfte. Oder aber „Opus Anima“, das leider nicht den Erfolg hatte, den es vermutlich verdient gehabt hätte. Vermutlich war es einfach doch zu abgehoben … Gerne schmökere ich außerdem in den alten „Citybooks“ und den „Tunnels & Trolls“-Soloabenteuern. Nicht vergessen darf ich an dieser Stelle außerdem jene Bücher, die mich – sogar noch vor „DSA“ – überhaupt auf das Rollenspiel aufmerksam gemacht haben. Nämlich die „Fighting Fantasy“-Gamebooks und kurz darauf die genialen Soloabenteuer um den „Einsamen Wolf“.

Aber auch „DSA“ hat großartige Bände zu bieten – ich liebe u. a. solche Bücher wie „Ritterburgen und Spelunken“, „Katakomben und Kavernen“ oder „Von Toten und Untoten“. Da können sich so manche internationale Verlage noch eine Scheibe davon abschneiden.

Tut mir leid, aber ich könnte echt noch ewig weiter so schwadronieren …

Ringbote: Welche Interessen hast du außer dem Rollenspiel?

KHZ: Oh, das sind einige. Allerdings haben sie alle mehr oder weniger mit dem Hobby „Spiel“ zu tun. Zunächst einmal bin ich seit vielen Jahren ebenfalls bekennender LARPer, habe dort ebenfalls meine Fantasie eingebracht und viele, viele Veranstaltungen organisiert. Wie es nicht anders sein kann, schreibe ich gerne Plots, Landeshintergründe und ganze Bücher für das Live-Rollenspiel. Unter anderem das oft auf LARPs bespielte Reich der Leuenmark mit seinem schillernden Hintergrund und seinen faszinierenden eingeborenen Völkern geht zum Beispiel auf mein Konto. Natürlich lese ich gerne – leider in letzter Zeit lange nicht mehr so viel wie früher einmal – und spiele gerne Brett- und Kartenspiele (aber auch hier eher abseits des Gewöhnlichen).

Ich bin außerdem ein eifriger Messebesucher und Converanstalter – das seit 1991 stattfindende Spieletreffen CDLS (Con der langen Schatten) habe ich über viele Jahre organisiert und bis heute bin ich nach wie vor jedes Jahr als Mitveranstalter dort tätig. Erst vor zwei Jahren habe ich das neue Wochenend-Spieletreffen „DIES LUDI – Tage der Spiele –“ ins Leben gerufen (man sieht also, ich bin diesbezüglich ganz schön umtriebig). Und na ja, so ein LARP vorzubereiten, verschlingt natürlich sogar noch mehr Zeit und Energie als eine „normale“ Convention, daher ist meine Zeit eigentlich immer knapp.

Ringbote: Woran arbeitest du gerade?

KHZ: Zurzeit arbeite ich am zweiten Abenteuerband für die universelle Fantasy-Dorfbeschreibung „Schnutenbach: Böses kommt auf leisen Sohlen“ mit dem unheilschwangeren Titel „Im Hort des Oger-Magiers“. Dieser Band wird mit seinen 140 Seiten Umfang wie auch schon sein Vorgänger „Der Zirkus des Schreckens“ aus vier Teilen bestehen, nämlich drei Abenteuern sowie einer Ortsbeschreibung. Auf der SPIEL 2015 wird man ihn dann hoffentlich in Händen halten und sich der grimmigen Tyrannei des Oger-Magiers endlich stellen können!

Danach geht es weiter mit einem umfangreichen Soloabenteuer namens „Elfenwald – Schatten über Cas’Ashar“ aus meiner Feder. Dieses Solo ist schon relativ betagt, wird von mir jetzt aber komplett überarbeitet und dann voraussichtlich beim Mantikore-Verlag veröffentlicht. Nebenbei erstelle ich außerdem ein kleines Give-away-Solo für die „MantiCon“ im August, das dann die TeilnehmerInnen in ihren bestimmt wieder mal prall gefüllten Contüten vorfinden werden.

Außerdem organisiere ich mit Freunden im Oktober diesen Jahres das LARP „Kalter See – Das Grauen aus der Tiefe“ und dann steht bereits die nächste Wochenend-Spieleconvention DIES LUDI an. Vielleicht treffen wir uns ja mal auf einer Messe oder Convention?

Ringbote: Vielen Dank für das ausführliche Interview!



< zurück zu Ringbote Artikel


 
 





20.07.17
Star Wars Comic-Kollektion 16: Imperium: Das Herz der Rebellion
Star Wars
19.07.17
East Texas University
Savage Worlds
18.07.17
Fate-Karten
Fate
15.07.17
Silver 2: Orient-Express
Horror/Mystery (allgemein)
14.07.17
Wer fürchtet den Tod
Science-Fiction
12.07.17
Fireteam Zero
Horror (allgemein)
10.07.17
Star Wars – Macht und Schicksal: Einsteiger-Set
Star Wars (FFG)
09.07.17
Mystiker & Magier
Cthulhu 7
07.07.17
The Walking Dead 6: Dieses sorgenvolle Leben
The Walking Dead
05.07.17
Istanbul: Brief und Siegel
Kennerspiele (allgemein)
04.07.17
Ein Monster sieht rot
Urban Fantasy
03.07.17
Geh nicht in den Winterwald
SONSTIGE SYSTEME
02.07.17
Operation Avalanche
DVDs
30.06.17
Manifest Destiny 4: Sasquatch
Manifest Destiny
29.06.17
S. Petersens Bestimmungsbuch der unaussprechlichen Kreaturen
Cthulhu 7