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Batwoman 1: Hydrologie
Comics, Superhelden (allgemein) 26.08.12

Die New-52 gilt als eine Zäsur in der Comic-Geschichte von DC, wie es sie so noch nie gab. Fast alle alten Superhelden-Serien wurden eingestellt und danach folgten 52 Neustarts, die seitdem Woche für Woche dem Comic-Fan die Verzweiflungstränen in die Augen treiben (denn wer kann sich das alles schon leisten)? Auch Batmans weibliches Pendant Batwoman erlebt seitdem neue Abenteuer. Ihr erstes handelt von einer Reihe Kinder, die von einer geisterhaften, „weinenden Frau“ entführt werden.

von  Kurt Wagner

Ganz bei Null, das liest man schon im Vorwort, beginnen Kate Kanes Abenteuer als Batwoman indes nicht. Stattdessen bauen sie auf die Neudefinition der Figur durch Greg Ruckas und J.H. Williams III auf, die auf Deutsch in „100% DC 26: Batwoman“ und „Batman Sonderband 30“ zu erleben war. Doch man muss diese Comics nicht unbedingt kennen, um in die Welt der schwarz-roten Rächerin einsteigen zu können. Die Autoren Williams und W. Haden Blackman spendieren dem Neuleser einen netten Prolog aus der Sicht Batmans, der „die Neue“ in Gotham City beobachtet und dabei einiges über ihre Vergangenheit andeutet, sodass man danach unmittelbar ins Abenteuer einsteigen kann.

In diesem geht es um eine Reihe entführter Kinder. Immer wieder berichten erwachsene Augenzeugen dabei von einer unheimlichen „weinenden Frau“. Und auch Batwoman muss feststellen, dass ihre Gegnerin nicht nur imstande ist, in die Psyche ihrer Opfer einzudringen und deren Schuldgefühle zu maximieren – nur um ihnen dann „Erlösung“ zu bieten –, sondern sich auch einfach in Nebel aufzulösen vermag, wenn man sie zu stellen versucht. Ihr auf die Spur zu kommen, ist also gar nicht so leicht. Dabei erhöht sich der Zeitdruck auf die Polizei und unsere Superheldin, als die ersten Kinder ertrunken aus dem Fluss von Gotham City gezogen werden.

Doch natürlich geht es bei einem neuen Comic nicht nur um das Abenteuer selbst. Tatsächlich hat man das Gefühl, dass die Jagd nach der Unheimlichen lange Zeit eher nebenbei geschieht. Stattdessen wird mit viel Lust am Objekt das betrieben, was amerikanische Kreative in den letzten Jahren im Genre-TV, in Romanen und Comics zum Goldenen Kalb ihres Schaffens erhoben haben: Psychologisierung. Natürlich hat die mit ihrer weißen Haut und den künstlich roten Haaren fast an den Joker erinnernde Kate Kane ein Problem mit ihrem Vater – und mit ihrem Pseudo-Mentor Batman. Natürlich existiert eine schwierige Beziehung zu ihrer Cousine Bette, die Batwoman als schillernde Flamebird übereifrig zur Seite stehen will, aber nur als grau gekleidete Akolythin namens Plebe angenommen wird. Dann wäre da noch die Schwester, die zur Superschurkin wurde. Eine Regierungsorganisation, die ihr auf den Fersen ist. Und außerdem ist Kate lesbisch und bandelt ausgerechnet mit dem weiblichen Police Detective an, die ihrem Alter Ego das Handwerk legen will. Viel Raum also, um eine innerlich ausgebrannte und zugleich fanatische Figur zu zeichnen.

Wo wir vom Zeichnen sprechen: Visuell präsentiert sich der Comic-Band eigentümlich uneinheitlich. Man hat das Gefühl, das verschiedene Zeichner (oder zumindest Koloristen) mitunter an einer Seite beteiligt waren. Mal herrscht ein Stil vor, der ein wenig an übermalte Referenzfotos erinnert und dabei mit starken Outlines und flächigen Farben arbeitet. Dann wiederum herrschen starke Schattenflächen vor, wie man sie etwa von Mike Mignola kennt. Batwoman als Figur dagegen ist fast durch die Bank enorm aufwändig koloriert. Das geht so weit, dass sie mitunter aus den Panels geradezu hervorsticht, weil sie eben anders gezeichnet und koloriert ist als der Rest des Bildes. Das könnte Methode sein, um ihre Fremdheit in der Welt zu betonen. Allerdings wird diese Methode dadurch gebrochen, dass auch andere Figuren ständig unterschiedlich gezeichnet werden, sodass es am Ende doch nur wie ein uneinheitlicher Stil wirkt. Als durchgehend stilistischer Kommentar der Befindlichkeit der Figuren wäre er jedenfalls ziemlich anstrengend.

Nichtsdestotrotz sieht der Comic wirklich gut aus. Wie man es von „Batman“ kennt, werden die Panels ständig aufgebrochen. Parallelhandlungen schachteln Bild in Bild. Dann wieder kommt es zum Ineinanderfließen von Bewegung und Panels. Hier hat sich Illustrator J.H. Williams ausgetobt. Das macht den Comic optisch interessant und rückt ihn vom Fließbandprodukt weg in Richtung der anspruchsvolleren Graphic Novel. Gelegentlich erschwert das Ganze aber auch die Verständlichkeit, wenn Dialogblasen so auf einer Seite verstreut sind, dass man nicht genau weiß, in welcher Reihenfolge man sie lesen soll.

Fazit: Die Helden und Schurken rund um Batman gehörten schon immer zu denen der kaputteren Sorte. Nicht nur die Figuren kommen oft gestört und voll innerem Ballast daher, sondern auch die Optik der Comics, was sie sperriger macht, als andere Superheldenabenteuer. All dies trifft auch auf den Neustart von Batwoman zu. „Batwoman 1: Hydrologie“ erzählt in visuell interessanten, aber auch handwerklich mitunter auf eigenwillige Weise nicht immer zusammenpassenden Bildern von einer Frau voll privater Probleme, die weniger aus Hilfsbereitschaft Verbrecher jagt, als aus dem Bedürfnis, die Kälte in ihrem Inneren, visualisiert durch ihre unangenehm fahlweiße Haut, durch das Feuer eines fanatischen Zorns zu verdrängen. Zweifellos eine Schwester im Geiste für Batman, wenn auch bei Weitem noch nicht so reif und überlebensgroß wie er. Für Comic-Leser mit Freude am Experiment.


Batwoman 1: Hydrologie
Comic
J.H. Williams III, W. Haden Blackman
Panini Comics 2012
ISBN: 978-3-86201-458-3
140 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 16,95

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