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East Texas University
Rollenspiele, Savage Worlds 19.07.17

Studieren an der East Texas University kann ganz schön hart sein – besonders, wenn man nach den Kursen noch ein okkultes Ritual durchführen muss, um einen Dimensionsriss zu schließen, bevor etwas Unangenehmes hindurch kommt, während man von Zombiehorden angegriffen wird. Ach ja, und am nächsten Tag ist da auch noch diese verflixte Mathe-Prüfung …

von  Daniel Urban

„East Texas University“ ist ein Setting zum „Savage Worlds“-Rollenspiel. Die Charaktere – hier passenderweise Students genannt – sind meist Studenten an der namensgebenden East Texas University. Diese wiederum befindet sich im feucht-heißen und bewaldeten Ost-Texas, genauer gesagt in dem (fiktiven) Kleinstädtchen Pinebox. Pinebox ist auch der Schauplatz weiterer Abenteuer von „12toMidnight“, die alle den Mystery/Horror-Hintergrund gemeinsam haben.

Für Spieler

Das Buch kommt nach einer kurzen Einführung zur ETU, Pinebox, dem Leben in Ost-Texas und dem „Wer sind die Charaktere?“ direkt zum Kernteil für Spieler: die Charaktererschaffung. Diese entspricht im Wesentlichen dem „Savage Worlds“-Standard mit einigen kleinen Modifikationen. So gibt es zum Beispiel ein neues Attribut „Academics“, welches angibt, wie gut der Charakter im akademischen Umfeld (lernen, Hausarbeiten erstellen, geprüft werden, etc.) klarkommt. Dazu gibt es die obligatorischen neuen Vor- und Nachteile – darunter sehr passende und stimmungsvolle wie Trouble Magnet, Annoying Roommate, Overprotective Parents, Devout, Test Taker, Be a Zebra oder Psychically Sensitive. Gerade dabei wird schnell klar: Das Übernatürliche existiert und die Studenten können auch über gewisse außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen – aber Feuerbälle wirft hier (zumindest auf Spielerseite!) niemand… A propos Magie – Arcane Background gibt’s hier nicht, jedoch rituelle Magie, zu der ich später noch komme.

Eingestreut in dem Kapitel zur Charaktererschaffung sind Textkästen, in denen Infos zum amerikanischen Bildungssystem, über Burschenschaften, dem Motto (Alma Mater) der Uni, dem Fight Song des Sportteams und einiges mehr zu finden sind. Wer keinen College Abschluss in den USA gemacht hat, findet hier auf knappem Raum sehr stimmungsvoll präsentiert viel Wissenswertes über das Studieren an der ETU.

Es folgt ein Abschnitt über Geld, Waffen und Ausrüstung. Natürlich darf hier der (inzwischen überholte) Abschnitt zum Waffenrecht in Texas nicht fehlen. Das Finanzielle ist hier recht simpel gelöst – alle Studierenden müssen pro Semester mit einem bestimmten Betrag (in der Regel 500$) nach Abzug der Uni- und Lebenshaltungskosten auskommen. Sparsamkeit ist also meist geboten! Besonders witzig finde ich aber die Macken von Gebrauchtwagen. Beinahe alle Studierenden haben einen fahrbaren Untersatz (ist sonst echt schwer im ländlichen Texas) – dabei handelt es sich aber meist um alte Gebrauchtfahrzeuge mit ihren Eigenheiten: Vom Benzinschlucker, über die lahme Ente, bis hin zum Auto mit Eigenleben ist hier alles drin.

Nachdem die Spieler somit jetzt ihren Studenten/ihre Studentin fertig haben, kommen direkt im Anschluss die Setting Rules – die Sonderregeln, mittels derer „Savage Worlds“ an das Setting angepasst wird. Dieses Kapitel ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie ein generisches Rollenspiel-Regelwerk wie „Savage Worlds“ mit wenigen einfachen Sonderregeln an ein bestimmtes Szenario angepasst werden kann. Das fängt mit einfacher Nomenklatur an: Die Ränge heißen hier nicht Novice, Seasoned, Veteran und Heroic, sondern sind nach den Bezeichnungen für Studierende eines bestimmten College-Jahrgangs benannt: Freshmen, Sophomore, Junior und Senior. Dabei gilt als Richtlinie, dass jedes College-Jahr einem Rang entsprechen soll (20 XP) und jede Steigerung (alle 5 XP) einer Zwischen- beziehungsweise Semester-Abschlussprüfung entsprechen soll. Hier sei angemerkt, dass diese Kopplung des Zeitablaufs mit den Erfahrungspunkten zwar passend ist, für den Spielleiter unter Umständen die „Logistik“ aber deutlich erschwert. Deshalb sollte man dies nach meiner Erfahrung nicht als Regel, sondern eher als „Richtlinie“ sehen – dann passt es wunderbar.

Ansonsten gibt es beispielsweise Regeln zu Prüfungen. Ja, es wird geprüft und man kann auch durchfallen! Es lohnt sich, nicht nur die „Abenteuer-Fertigkeiten“ zu steigern, sondern auch das eigene Studienfach (als Knowledge-Spezialisierung). Und es gibt Regeln für außerschulische Aktivitäten. Wer will denn nur studieren und Monster jagen?! Jeder Studierende kann pro Semester einen außerschulischen Schwerpunkt legen: Partys feiern, Burschenschaftsarbeit, ein Ehrenamt, der Schachclub, Nachhilfe, die Liebe oder Rollenspiele (!) – um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Alle haben ihre eigenen Vor- und Nachteile: Wer feiert, hat viele Sozialkontakte (Charisma-Bonus) aber wenig Zeit zum Lernen (Abzug bei Prüfungen). Einfach und trotzdem atmosphärisch. Sehr gut gelöst!

Als Abschluss des Spielerteils folgen etwas detailliertere Beschreibungen der Region, von Pinebox, der Uni und wichtigen Persönlichkeiten. Alles solide gemacht und interessant zu lesen, aber nichts Außergewöhnliches. Der Detailgrad ist dabei aus meiner Sicht genau richtig – kurz und bündig, mit genügend Raum für eigene Ideen und Vorstellungen aber genügend Substanz für’s Spielen.

Damit sollten die Spieler erst einmal glücklich sein. Diesen Teil gibt es übrigens als separaten „Player’s Guide“ für die Spieler – mit der Erlaubnis des Verlags, diesen für alle Spieler der Gruppe auszudrucken.

Für den Spielleiter

Der Spielleiterteil beginnt mit … einer Beschreibung der Region, von Pinebox, dem Leben dort und interessanten Orten. Das bringt mich zu meinem ersten echten Kritikpunkt: Diese Setting-Infos sind zwischen der Einleitung, dem Abschluss des Spielerteils und dem Spielleiterteil aufgeteilt. Das führt oft zu Wiederholungen, teilweise aber auch zu Sucherei, wenn der SL während des Spiels „mal eben schnell“ etwas nachschlagen möchte und in allen drei Abschnitten suchen muss.

Dann geht es los mit der Monsterjagd: In den folgenden Abschnitten geht es um das Aufspüren und Bekämpfen diverser Geister und Kreaturen – etwa um Geisterjägerausrüstung, heiliges Wasser, UV-Lampen und vieles mehr. Einem der zentralen Werkzeuge der Studierenden wird ein eigenes Kapitel gewidmet: der rituellen Magie. Diese basiert zwar auf den „Savage Worlds“-Kräften, wurde aber erheblich erweitert und verändert. Grundsätzlich kann jeder ein Ritual durchführen (kein Arcane Background ist erforderlich), ohne die Ritualism-Fertigkeit ist das jedoch nicht ohne: Ein fehlgeschlagenes Ritual kann schon mal das ganze Haus in Brand stecken oder Schlimmeres verursachen. Ein Ritual dauert auch seine Zeit – die eigentliche Durchführung meist fünf Runden, die Vorbereitung auch schon mal über eine Stunde. Kraftpunkte (Power Points) kommen nicht zum Einsatz, dafür sind komplexere Rituale einfach schwerer durchzuführen (Abzug auf den Ritualism-Wurf) und die Konsequenzen eines Fehlschlags – wie oben beschrieben – hoch. Dazu gibt es auch eine ganze Menge neuer, zum Szenario passende Rituale. Alles in allem ist dieses Kapitel eines der Highlights des Buchs.

Es folgen gleich mehrere Zufallsgeneratoren für den gestressten SL mit akuter Kreativblockade:

  • Der „Adventure Generator“ ermöglicht das schnelle Erstellen eines Abenteuer-Plots – natürlich nur das „Rahmenwerk“, aber tiefgründig genug, um der eigenen Kreativität einen Schubs zu geben. Nett, ich empfehle aber eher die „Savage Tales“ aus dem Kampagnenband „Degrees of Horror“ oder eines der diversen Einzelabenteuer zum ETU-Setting.
  • „High Strangeness“ sind zufällige mysteriöse und unheimliche Effekte. Nicht lebensnotwendig, aber ebenfalls nett.
  • „Research Adventures“: Worüber stolpert die Gruppe, während sie in der Bibliothek oder im Internet recherchiert. Hier einige Antworten. Leider zum einen recht wenige (was zu Wiederholungen führt) und viele der Ergebnisse sind so dimensioniert, dass sie eigene Episoden benötigen. Da Recherchen aber meist mitten in einem aktuellen Plot stattfinden, kann das eher störend sein. Aber man muss es ja als SL nicht nutzen.
  • Die Gruppe ist frustriert und will – statt auf Monsterjagd zu gehen – einfach nur mal eine Party? Kein Problem – hier hilft spontan der „Party Generator“.


Den Abschluss bilden die Spielwerte und Beschreibungen einiger wichtiger NSC, generischer NSC und diverser Kreaturen. Die Zusammenstellung und Ausführung würde ich als gelungen bezeichnen.

Die äußeren Werte

Aufmachung und Layout des Buches sind gut gelungen und gut lesbar, der Stil ist locker, angenehm und unterhaltsam zu lesen. Das mir vorliegende PDF ist mit Lesezeichen für die Kapitel versehen, Inhaltsverzeichnis und Index verlinkt. Die Illustrationen sind meiner Meinung nach recht gut und passend gelungen, ohne herausragend zu sein – gerade dieser Punkt ist natürlich immer reine Geschmackssache.

Die Reihe ist vom Verlag übrigens gut unterstützt: Neben der Plot-Point Kampagne „Degrees of Horror“ gibt es zahlreiche Abenteuer unterschiedlicher Längen und Detailgrade, Karten, Uni-Formularvorlagen einen Soundtrack und vieles mehr.

Fazit: Wer sich mit der Prämisse des College Mystery/Horror anfreunden kann, findet mit der ETU ein exzellentes Szenario. Wer Buffy & Co mag, dem kann ich die ETU nur wärmstens empfehlen. Dabei werden viele Spiel-Variationen unterstützt – jede Gruppe kann ihre eigenen Schwerpunkte zwischen Comedy, Drama, Mystery und Horror setzen, die alle vom „East Texas University“-Setting atmosphärisch und regeltechnisch unterstützt werden. Die Grenzen sind dabei vor allem durch das „Savage Worlds“-Regelsystem gegeben, da hier alle Charaktere per Definition herausragend sind (Wild Cards) – für das „Call of Cthulhu“-Flair ist „ETU“ meiner Meinung nach weniger geeignet. Wer den College-Hintergrund nicht mag, der findet hier aber auch genügend Material für eine „Erwachsenen-Kampagne“ in Pinebox.

Einziger Mangel ist die nicht immer gelungene organisatorische Aufteilung, die zu Blätterei zwischen den verschiedenen Kapiteln führen kann. Dies wird mit den NSC und Kreaturen aus der Degrees of Horror Kampagne auch nicht besser. Ansonsten finde ich „East Texas University“ nahezu perfekt gelungen. Wer „Savage Worlds“ mag und sich vom Genre angesprochen fühlt, dem kann nur empfehlen, sich ein paar Freunde zu suchen und sich an der ETU einzuschreiben …


East Texas University (Savage Worlds Setting)
Quellenbuch
Preston P. DuBose, Ed Wetterman
Pinnacle Entertainment 2014
ISBN: 978-1-937013-48-6
96 S., PDF, englisch
Preis: $ 15,00

bei DriveThruRPG.com bestellen

Artikel zum Weiterlesen

Rippers Resurrected: Spielleiterhandbuch - 28.12.16
Savage Worlds – Gentleman’s Edition - 08.05.09


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