Pegasus Spiele OnlinePegasus Spiele ShopPegasus PressPegasus Spiele GmbHRingbote - das Online MagazinPegasus MediaPegasus Spiele SupportteamPegasus Spiele Kontakt
  
 

 
  
  
  







 

Fledermausland
Bücher, Urban Fantasy 25.07.10

Mitte 2008 forderte der Heyne Verlag Phantasten aller (Bundes)Länder auf, einen magischen Bestseller zu schreiben – oder sich zumindest darin zu versuchen. Auf der Buchmesse in Leipzig wurden dann im Frühjahr 2009 die fünf Finalisten vorgestellt. Oliver Dierssen belegte mit „Fledermausland“ den zweiten Platz. Im Dezember erschien das Werk in gedruckter Form. Seitdem können sich alle Freunde kurioser Urban Fantasy ein Bild davon machen, ob die Auszeichnung auf wirklich verdient war.

von  Jakob Schwarz

Ein Buch, das mit einem Zitat aus dem Film „Fear and Loathing in Las Vegas“ beginnt (mit Johnny Depp als durchgeknalltem Journalisten auf Dauerdrogentrip), kann eigentlich gar nicht schlecht sein! Dieses Vorurteil scheint sich auf den ersten Seiten zu bestätigen, denn die Geschichte um Sebastian Schätz beginnt denkbar schräg. Sebastian ist ein misanthropischer Loser Anfang Zwanzig, der nach Hannover gekommen ist, um irgendwann mal dort zu studieren. Im Grunde findet er Studenten aber scheiße, ebenso seinen Job als Aushilfe im Asia-Shop und irgendwie das ganze Leben drumherum auch. Allein die Aussicht, mit der süßen Rettungsschwimmerin Kim zusammenzukommen, die gerade mehr oder weniger mit ihrem Freund Andi Schluss gemacht hat – was gut ist –, aber noch nicht so ganz über ihn hinweg scheint – was schlecht ist –, lässt Sebastian die zwischen Saufen, Pizza und Filmen eingerichtete Tristesse seines gegenwärtigen Lebens aushalten.

Dann aber begegnet ihm eines nachts eine Fledermaus in seinem Zimmer – und auf einmal dreht die Welt durch. Einer der Typen vom MAD (Medizinischer Außendienst), die Sebastians Hand aus dem Rollladenkasten befreien (wie sie da hineinkam, ist eine etwas längere Geschichte), verliert seinen Anhänger. Der scheint Sebastian plötzlich als irgendeine Art von Wächter auszuweisen, was er auf die harte Tour erfährt, als ein depressiver Vampir auf dem Kinoklo über ihn herfallen will. Plötzlich klopfen Oger an seine Tür, ein aalglatter Domowoj mit Reinigungsfimmel nistet sich unter seiner Spüle ein, eine Bande von Zwergen von der GEZ hängt ihm am Hacken, er hat dauernd Kopfschmerzen und obendrein benimmt sich Kim, die er schon beinahe rum hatte, auf einmal ganz komisch. Ziemlich viel Stress für einen Burschen, dem nicht eben das Label „energischer Machertyp“ aufs T-Shirt gedruckt ist, von „Held“ ganz zu schweigen.

Doch man kennt das aus Filmen wie „Falling Down“ mit Michael Douglas. Ein Mann hält Ärger in seinem Leben nur bis zu einem gewissen Grad aus. Anschließend greift er zur Schrotflinte – oder in Sebastians Fall zu einer stumpfen Küchenhiebwaffe – und zieht los, um gegen alle Chancen mit all den seltsamen Typen von der Müllabfuhr und der GEZ und den Lichten und den Dunklen abzurechnen, damit er am Ende doch noch das Mädchen kriegen kann. Es kommt zu einer irrwitzigen Odyssee durch die nächtlichen Straßen von Hannover, an deren Ende einige ungewöhnliche Erkenntnisse für Sebastian stehen.

„Fledermausland“ liest sich ein bisschen wie die Achterbahnfahrt, die das Leben von Oliver Dierssens Protagonist auf den Seiten durchläuft. Am Anfang geht es sehr gemächlich los. Der sarkastische, mitunter gar zynische Tonfall Sebastians, mit dem dieser (aus der Ich-Perspektive) sein Leben beschreibt, beherrscht die Seiten. Dann werden die Dinge mysteriös, und dem Leser eröffnet sich eine dunkle Welt in den Ecken und Winkeln Hannovers, die allerdings vage bleibt, da Sebastian sie gar nicht richtig begreift – oder begreifen will. Auch hier herrscht noch schräger Humor vor, etwa bei der Begegnung mit einem Vampir, einem Oger und der GEZ. Irgendwann kristallisiert sich die grundlegende Feindseligkeit der meisten Nebenfiguren gegenüber Sebastian heraus und Dierssens Held sieht rot. Hier wird der Roman, der zunehmend an ein „Wächter der Nacht“ im Studentenmilieu erinnert, stellenweise überraschend finster und verliert seinen selbstironischen Humor fast völlig. Kurz vor Schluss stehen dem Finallauf dann noch ein, zwei Verzögerungen im Weg, die nicht nötig gewesen wären, um die Geschichte rund zu erzählen. Dafür entschädigt die Auflösung, in der auch zugleich ein Anfang steckt, der die Frage weckt, ob im Kopf des Autors vielleicht schon eine Fortsetzung angedacht ist.

Fazit: „Fledermausland“ hat hier und da kleine Schwächen – mal in der Logik, die zugunsten einer humoristischen Szene zurückstehen muss, dann in seiner zeitweise etwas mäandernden Erzählweise, am Ende im gefühlt gestreckten Finale –, aber darüber sieht man leicht hinweg, denn ansonsten macht das Buch – zynisch, romantisch und eigenwillig, wie es ist – einen Heidenspaß. Sebastian Schätz ist trotz seiner Ecken und Kanten ein sympathischer Typ, mit dem man leidet, wenn er vom Leben (oder irgendeinem Fabelwesen) mal wieder in die Fresse gehauen bekommt, und dem man 448 Seiten lang schon wünscht, dass es mit seiner Kim doch klappen möge. Und Hannover macht sich mit seinen Zombies im Kiosk, den Sukkubi in den Discos und dem Cleanerkommando von der Stadtreinigung erstaunlich gut als Brutstätte einer deutschen World of Darkness.


Fledermausland
Urban-Fantasy-Roman
Oliver Dierssen
Heyne 2009
ISBN: 978-3-453-26663-6
448 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 12,95

bei amazon.de bestellen

Artikel zum Weiterlesen

Schattenseelen - 25.01.10
Die Wächter Trilogie - 11.03.09


< zurück zu Volltextsuche


 
 





06.09.10
Schattenstädte (4.01D)
Shadowrun
06.09.10
DSA 117: Kamaluqs Schlund
Bücher zu RPGs, Fantasy, Das schwarze Auge / DSA
05.09.10
Trolle!
Rolemaster
04.09.10
Star Wars Sonderband 55: Invasion 1: Angriff der Yuuzhan Vong
Comics
31.08.10
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (2-Disc Special Edition / Blu-ray)
DVDs
30.08.10
The Slaying Stone (HS1) (v.4.0)
Dungeons & Dragons / D&D
30.08.10
Kull – Das Schattenkönigreich
Comics
30.08.10
DSA Drakensang: Das Ferdoker Pergament
Bücher zu RPGs, Fantasy, Das schwarze Auge / DSA
29.08.10
Angel: Smile Time – Angriff der Mörderpuppen
Comics
29.08.10
Hollow Earth Expedition
Hollow Earth Expedition
27.08.10
Zombies!!! 6 – Canale Mortale
Brettspiele
24.08.10
Star Wars – The Art of Clone Wars
Non-Fiction
20.08.10
Gabriel Burns 34: Ich weiss, was Angst ist
Hörspiele
19.08.10
Konzernenklaven (4.01D)
Shadowrun
19.08.10
Die Drachenchronik III: Drachenschwur
Das schwarze Auge / DSA