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Nova
Rollenspiele, Nova 23.05.13

Fantasy-Rollenspiele gibt es wie Sand am mehr. Die Anzahl der Science-Ficion-Rollenspiele ist hingegen überschaubar. Die meisten stützen sich dabei auf bekannte Vorbilder wie „Star Wars“, „Babylon 5“ oder „Perry Rhodan“. Wenn nun – wie bei „Nova“ der Fall – ein Science-Fiction-Rollenspiel losgelöst von einer bekannten Vorlage erscheint, darf man gespannt sein, was einen erwartet, muss sich aber gleichzeitig die Frage stellen, ob ein solches Produkt mit den bekannten Vorlagen konkurrieren kann?

von  Morgath

„Nova“ ist das geistige Eigentum von Daniel Schüler (Scolaris). Schon von Kind an begeisterte er sich für Science Fiction und begann sich sein eigenes Universum auszudenken, das er später in seiner Rollenspiel-Runde verwendete. Das im Laufe der Jahr entstandene Material wurde im Jahr 2000/2001 in einem ca. 150 Seiten dicken Regelwerk veröffentlicht. Obwohl dieses Regelwerk weitgehend unbemerkt blieb, arbeitete er weiter an seinem Werk und brachte im Jahr 2012 die 2. Auflage heraus. Dieses Werk, das hier rezensiert wird, beeindruckt bereits durch seinen Umfang: Es umfasst um die 500 Seiten, die in einem stabilen Hardcover stecken. Das Buch hat ein gewissen Gewicht, und gefühlt ist es eine der schwersten Rollenspielpublikationen, die ich je in Händen hielt. Doch wichtiger ist die Frage, ob es auch inhaltlich überzeugen kann?

Die Welt im 27. Jahrhundert

„Nova“ spielt im 27. Jahrhundert der Menschheit, genauer im Jahre 2683. In den vergangenen sechs Jahrhunderten ist viel geschehen. Mitte der 21. Jahrhundertes wird das Weltall erobert. Die erste extraterranische Kolonie auf dem Mars entsteht. Einige Jahre später bricht ein Atomkrieg aus, der zur Zerstörung großer Teile der bekannten Welt führt. Die Menschheit flüchtet in den All. Viel Wissen geht dabei verloren. Trotzdem ist das folgende 22. Jahrhundert ein Zeitalter der wissenschaftlichen und technisches Neuerungen. Schritt für Schritt werden Techniken entwickelt, mit denen die Menschheit immer weiter ins All vordringen kann und sich letztlich ihr Sonnsystem zu Untertan macht. Zahlreiche weitere Kolonien sind die Folge.

Die vielen Veränderungen werfen aber auch die Frage nach der geeigneten Regierungsform auf. Dabei kommt es im 23. Jahrhundert zwischen der bestehenden Republik und einer Gruppe von Freiheitskämpfern, die als das „Syndikat“ bezeichnet wird, zum 1. Interstellaren Krieg, der dazu führt, dass das Imperium entsteht, welches von einem Imperator beherrscht wird. Die Syndikatler werden als Terroristen markiert und müssen in ein anders Sonnensystem fliehen. Im 24. Jahrhundert stößt die Menschheit in benachbarte Sonnensystem vor und trifft auf andere intelligente Spezies. Der Erstkontakt verläuft sehr unterschiedlich. Mit dem Metonoiden beispielsweise, einer streng religiösen Echsenrasse, entwickelt sich Aufgrund eines Missverständnisses (die Metonoiden wurden von den Syndikatler dazu angestachelt) der 2. Interstellare Krieg, der vier Jahrzehnte dauert und zahlreiche Tote kostet, ehe beide Spezies ihre Differenzen klären und Frieden schließen können.

Im 25. Jahrhundert rebellieren mehrere Kolonien gegen das Imperium, das zunehmend in die Freiheitsrechte der Kolonien eingreift, woraus sich ein blutigen Bürgerkrieg entwickelt, der von beiden Seiten erbittert geführt wird. Frieden kommt erst zustande, als die Veganoiden, eine Telepathenrasse, auf der Bildfläche erscheinen und eine Hiobsbotschaft mitbringen: In den weiten des Weltalls besteht eine aggressive Macht, die sich stetig ausbreitet. Sie hat fast zur Auslöschung der Veganoiden geführt und wird sich bald über die System der Menschheit hermachen. Es handelt sich dabei um die Beta-Pictor, ein Semi-Kollekiv von Klonen, die unterbewusst miteinander verbunden sind. Es werden ständig neue gebaut und allein ihre Anzahl wird rechnerisch dazu führen, dass sie eines Tages das Universum überschwemmen.

Als im Jahr 2469 die Invasion der Beta-Pictor im Aldebaran-System beginnt, ist die Menschheit schnell vereint und stellt sich den Eindringlingen im sogenannten Großen Krieg. Dieser endet erst im 26. Jahrhundert mit einem mysteriösen Waffenstillstand. Bis heute ist ungeklärt, warum die Beta-Pictor diesen Waffenstillstand schlossen und sich noch heute daran halten. Ihre zahlenmäßige Überlegenheit hätte langfristig zu ihrem Sieg führen müssen. Nach dem Abkommen mit den Beta-Pictor breitet sich die Menschheit weiter aus. Neue Systeme und neue Spezies werden entdeckt. Neue Staaten und Nationen gegründet. Die Erde wird wieder bevölkert. Inmitten des Atlantiks wird Utopia City gebaut, die imposante neue Hauptstadt des Imperium, die sternenförmig angelegt ist und über 300 Millionen Menschen beherbergt. Der „Zentralbund“ wird gegründet, der das Ziel verfolgt, alle Menschen unter einem Banner zu einen. Doch zahlreiche weitere Interessengrupierungen haben kein Interesse, in die Klauen des vom Imperium dominierten Zentralrates zu gelangen, und suchen ihr Glück in den Weiten des Alls. Das ausgehende 27. Jahrhundert bietet zahlreiche Möglichkeiten für Abenteuer: unerforschte Systeme, neue Spezies, soziale Konflikte, innerpolitische Machtkämpfe oder die Bedrohung durch die Beta-Pictor, etc.

Spieltechnisches

In der oben beschriebenen Szenerie ist „Nova“ angesiedelt. Die Spieler können in die Rolle von 13 verschiedenen Spezies schlüpfen. Vom Menschen, über den Halb-Novat (halb Mensch, halb Maschine) und den Metonoid (eine Echsenrasse), bis zum Beta-Pictor (ein Klonwesen mit 12 Tentakeln), um nur einige zu nennen, ist alles möglich. Regeltechnisch werden Punkte vergeben, mit denen man sich die Fähigkeiten seines Charakters zusammenkaufen kann. „Nova“ kennt Eigenschaften (= angeborene Fähigkeiten, wie z.B. Mut oder Intelligenz) und Kenntnisse (= erlernte Fähigkeiten, wie z.B. Technik oder Akademik) und Energien (wie z.B. Lebensenergie oder psychische Energie). Als Würfel werden ausschließlich 6-seitige Würfel verwendet. Insgesamt ist der Regelteil des Buches erfreulich kurz, wobei sogar der Raumkampf abgedeckt wird.

Der Schwerpunkt wird eindeutig auf die Welt gelegt. Neben der umfangreichen Geschichte der Menschheit und der Beschreibung der 13 Spezies samt ihren Heimatplaneten, werden auch die technischen Möglichkeiten des 27. Jahrhunderts ausführlich beschrieben. Während andere Rollenspielsystem Zusatzbücher zu Waffen, Raumschiffen oder Spezies veröffentlicht hätten, wurde bei „Nova“ alles in das Grundregelwerk gepackt. Das Ergebnis ist ein dicker Wälzer, der nach dem ersten Durchlesen nur wenige Fragen offen lässt, aber viele offenen Ansätze bietet, aus denen sich eigene Abenteuer kreieren lassen. Den Abschluss bildet ein einführendes Abenteuer, in dem der Leser auch über einen angedachten Meta-Plot informiert wird, der sich in graue Kästen durch das ganze Buch zieht. Das Werk ist übersichtlich gegliedert, wobei einzelne Themen trotzdem oft durch das ganze Buch zerstreut sind, was das Auffinden gelegentlich etwas umständlich macht. Der Index erfüllt seinen Zweck. Die Bebildung ist solide, ohne Begeisterungsstürme auszulösen.

Gesamteindruck

Zusammenfassend erhält man mit „Nova“ ein gut durchdachtes Science-Fiction-Rollenspiel, das eine homogene Welt, interessante Spezies und ungeahnte Möglichkeiten bietet. Wenn man von den zahlreichen lobenswerten Punkten, nur einen hervorheben müsste, so würde ich die „Vollständigkeit“ wählen. Das Buch bietet alles, was man sich von einem Grundregelwerk wünschen kann: vollständige Regeln, sodass keine zusätzlichen Regelwerke benötigt werden, eine umfassende Weltbeschreibung, sodass man keine zusätzlichen Regionalbeschreibungen benötigt werden, und ein Einstiegs-Abenteuer, sodass vorerst kein zusätzlichen Abenteuerbuch benötigt wird. Dies allein ist der Preis von 50,- Euro allemal wert. Zudem erhält man ein riesiges Universum, das mit interessanten Spezies bevölkert ist und zahlreiche Brennpunkte liefert. Allein beim Lesen kommen einem viele Ideen für mögliche Abenteuer. Abschließend wird auf die gut gepflegte Homepage www.nova-rpg.de verwiesen, wo es weitere lesenwerte Informationen und sogar einige Abenteuer zum Downloaden gibt.

Fazit: „Nova“ ist ein erstklassiges Science-Fiction-Rollenspiel, das mit einem Universum aufwarten kann, das keinen Vergleich mit bekannten Vorbildern zu scheuen braucht. Der Leser erhält für sein Geld üppiges Material, das für viele Jahre Spielspaß reichen dürfte. Jeder, der sich für Science-Fiction-Rollenspiel interessiert, kann beruhigt zugreifen, denn die Unmengen an guten Ideen lassen sich problemlos in jedes andere Rollenspielsystem einbauen. 


Nova – Basisbuch (2. Edition)
Grundregelwerk
Daniel Scolaris
Prometheus Games 2012
ISBN: 9783941077058
496 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 49,95

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