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Stunde der Helden
Romane, Fantasy 16.07.15

„Die Stunde der Helden“ ist der neue Roman von Jörg Benne. Auch dieser spielt wie seine drei Vorgänger in der von Benne erfundenen Welt Nuareth, allerdings ist er in sich abgeschlossen und kann auch für sich allein gelesen werden. Er handelt von einem, der auszog, Heldengeschichten zu schreiben ...

von  Morgath

Felahar von Brickstein ist ein verarmter Adliger mit einem gutbezahlten Posten als Schreiber am Gericht von Kela. Im Grunde mag er seine Arbeit, wäre da nicht sein Traum, ein Poet zu werden. Er träumt davon, aufregende Geschichten über große Helden zu erzählen. Und so macht er sich in die wilden Nordlande auf, um Geschichten von Helden aus erster Hand zu hören, zu sammeln und dann zu Papier zu bringen. Das raue Leben ist für einen leicht übergewichtigen Städter nicht das richtige, doch er beißt sich durch – stets sein Zeil vor Augen.

Da hört er von drei Helden und trifft diese durch Zufall auch. Es handelt sich um Dalagar, einen verwegenen Krieger, der der Schwarm aller Frauen ist, Huk, einen listenreichen Dashirin (eine Art Gnom oder Zwerg), und Wim, einen wortkargen, aber keineswegs einfältigen Riesen von einem Mann. Mit etwas Mühe überzeugt Felahar sie, dass er sie begleiten darf, denn so hofft er, könne er ihre Heldentaten mit eigenen Augen sehen. Doch schon bald stellen sich die drei Helden alles andere als heldenhaft heraus. Sie handeln aus egoistischen Motiven, stets auf ihren Vorteil bedacht. Darauf angesprochen, leugnen sie es nicht einmal, sondern halten dies für eine vernünftige Einstellung.

Felahar ist enttäuscht, doch bevor er die Helden verlassen kann, zieht die Gruppe die Aufmerksamkeit des Syndikats, eines skrupellosen Verbrecherrings, auf sich und muss Hals über Kopf fliehen, um ihr Leben zu retten. Doch das Syndikat ist nachtragend und schickt seine Leute hinterher. Es folgt eine spannende Verfolgungsjagd, die die Gruppe in noch gefährlichere Abenteuer führt. Hier können alle zeigen, aus welchem Heldenholz sie wirklich geschnitzt sind ...
   
Der Roman ist gut geschrieben. Er liest sich locker und spannend. Zu Beginn herrscht eine humorvolle Atmosphäre vor. Man muss immer mal wieder schmunzeln. Gerade die Anfangsszene, in der Felahar die drei Helden kennenlernt, ist, obwohl vorhersehbar, amüsant und gut gelungen. Je länger der Roman dauert, desto mehr verdüstert sich die Stimmung. Am Ende – soviel sei verraten – nimmt er sogar dramatische Züge an. Glaubt man zunächst einen seichten Fantasy-Roman (ich finde die Bezeichnung Fun-tasy sehr passend) vor sich zu haben, gewinnt der Roman im Laufe der Erzählung immer mehr an Tiefe. Dazu tragen vor allem die gelungenen Charaktere bei, die nicht so stereotyp sind, wie sie zunächst wirken. Die Helden bekommen erst Kanten, dann Profile. Vor allem die Rückblenden, in denen erzählt wird, woher die Helden kommen und wie sich kennenlernten, tragen viel zum Verständnis ihres Charakters bei.

Persönlich fand ich die Darstellung der Personen am Besten am Roman. Der Autor versteht es, glaubwürdige Figuren zu gestalten. Die Geschichte an sich ist gut, wenn auch nichts Besonderes. Schön war aber, dass immer wieder ein Bogen zu Personen oder Orten geschlagen wird, denen der Leser vorher schon begegnet ist.

Am Wenigsten hat mich allerdings die Welt überzeugt. Das liegt zunächst daran, dass man nur wenig über sie erfährt. So war mir beispielsweise nie hundertprozentig klar, was ein Dashiri ist, obwohl einer der Hauptcharaktere ein solcher ist. Eine Art Zwerg oder Gnom, okay, aber wenn man schon einen neuen Namen für eine Rasse erfindet, dann möchte ich mehr darüber wissen, ansonsten hätte man gleich Zwerg sagen können und man wüsste, was gemeint ist. Später tauchen noch Nabloks auf (wohl eine Art Orks), aber auch über die erfährt man zu wenig. Auch auf der Homepage (www.nuareth.de) konnte ich nichts dazu finden. Schade!

Hinzukommen einige Unstimmigkeiten. Beispielsweise finde ich es unstimmig, dass ein so mächtiger Verbrecherring wie das Syndikat in einer kleinen Stadt am Rande der Zivilisation sein Unwesen treibt. Diebesgilden gibt es gewöhnlich nur in großen Städten, in denen die Wirtschaft stark ist. Sonderbar finde ich auch, dass das Syndikat den Handel mit Pfeifenkraut beherrscht und jeden Konkurrenten bis aufs Blut bekämpft. Pfeifenkraut ist schließlich eine legale Ware und kann daher von jedem vertrieben werden. Unstimmig finde ich ferner, dass ein Konkurrent nur einige Tagesreisen weiter, heimlich Pfeifenkraut anbaut. Zum einen wachsen Tabakpflanzen nur in heißen Gegenden (wir befinden uns aber im Norden) und zum anderen dürfte ein Produkt kaum des Kampfes wert sein, den das Syndikat führt, wenn es so einfach anzubauen ist. Diese Punkte störten zumindest mich als „Hardcore-Realisten“, da ich gerne eine runde Welt vorfinde. Andere mögen dies anders sehen. Insgesamt überwiegen aber deutlich die positiven Eindrücke.

Fazit: „Die Stunde der Helden“ ist ein gut geschriebener Fantasy-Roman, der bis zum Schluss unterhaltsam bleibt und einfach Spaß macht, zu lesen. Die gute Charakter-Darstellung und der Wechsel vom erst humorvollen dann ins Tragische gehenden Ton lassen die kleineren Schwächen vergessen, sodass man den Roman ruhigen Gewissen weiterempfehlen kann.


Die Stunde der Helden
Fantasy-Roman
Jörg Benne
Mantikore Verlag 2015
ISBN: 978-3-945493-21-2
352 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 12,95

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