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The Last Man on Earth
DVDs 03.04.09

„I Am Legend“ ist der wohl bekannteste Roman von Science-Fiction-Autor Richard Matheson, nicht zuletzt dank der Blockbusterverfilmung mit Will Smith aus dem Jahr 2007. Doch Smith war nicht der erste, der sich in einer entvölkerten Welt gegen den Ansturm von zu Vampiren gewordenen Menschen zur Wehr setzen musste. Vincent Price versuchte dies schon 43 Jahre früher, und wie er sich dabei schlägt, lässt sich nun auf DVD begutachten.

von  Bastian Ludwig

Im Jahr 1965 ist eine verheerende Epidemie über die Welt hereingebrochen. Alle Menschen sind gestorben und als vampirähnliche Wesen ohne Verstand – dafür mit umso größerem Blutdurst – wiederauferstanden. Allein Robert Morgan (Vincent Price) ist gegen die Krankheit immun; er ist „The Last Man on Earth“.

Drei Jahre sind seit dem Ausbruch der Seuche vergangen, drei Jahre, die Morgan damit verbracht hat, jeden einsamen Tag so gut es eben geht durchzustehen. Tagsüber versorgt er sich auf seinen Fahrten durch die menschenleere Stadt mit Vorräten und Benzin und tötet jene Vampire, die durch das Tageslicht in eine Art Schlaf gefallen sind. Nachts verbarrikadiert er sich in seinem von den Vampiren unter Führung seines ehemaligen Freundes und Kollegen Ben Cortman (Giacomo Rossi-Stuart) bestürmten Haus. In einem Rückblick erfährt man, dass Morgan Wissenschaftler ist. Trotz aller Mühen war es ihm nicht gelungen, ein Mittel gegen die Krankheit zu finden, sodass er hilflos mit ansehen musste, wie neben all den anderen Menschen auch seine Tochter und seine Frau der Seuche zum Opfer fielen.

Morgans Routine wird unterbrochen, als eines Tages Ruth Collins (Franca Bettoia) vor ihm steht. Zunächst scheint sie ebenfalls nicht infiziert zu sein, schnell stellt sich aber heraus, dass sie Mitglied einer Gruppe von Vampiren ist, die einen Impfstoff gefunden hat, der die Krankheit unterdrücken kann. Diese Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, eine neue Gesellschaftsordnung aufzubauen, eine Gesellschaft, die den Vampirtöter Robert Morgan als Bedrohung ansieht…

„The Last Man on Earth“ aus dem Jahr 1964 ist die erste Verfilmung des 1954 erschienenen Science-Fiction-Romans „I Am Legend“ von Richard Matheson. Ursprünglich war der Film als relativ aufwändige Produktion der britischen Hammer-Studios geplant, für die Matheson, der seinen Stoff nicht in einer Billigproduktion verheizt sehen wollte, selbst ein Drehbuch verfasste. Schlussendlich wurde diese Version aber nie produziert und die Rechte wanderten an die für ihre Low-Budget-Filme bekannte Independent-Produktionsfirma American International Pictures (AIP), die den Film aus Kostengründen in Italien erstellen ließ. Matheson stieg aus dem Projekt aus und Ubaldo Ragona, der den Film neben Sydney Salkow auch inszenierte, veränderte die ursprüngliche Drehbuchfassung. Der Film war kein sonderlicher Erfolg – in Deutschland kam er gar nicht erst in die Kinos – und geriet recht schnell in Vergessenheit.

Dies lag wahrscheinlich auch daran, dass schon 1971 die bis heute sehr bekannte zweite Leinwandadaption „The Omega Man“ mit Charlton Heston in der Hauptrolle folgte. Ein drittes Mal wurde das Buch schließlich 2007 mit Will Smith als letztem Menschen auf Erden auf die große Leinwand gebracht. Eine weitere Adaption des Stoffes unter dem Titel „I Am Omega“ wurde 2007 von The Asylum, einer Firma, die sich mit der Produktion von Blockbuster-Surrogaten wie etwa „The Day the Earth Stopped“ oder „Transmorphers“ beschäftigt, gedreht.

2008, im Zuge der Neuverfilmung, wurde die erste Adaption schließlich in Deutschland auf DVD veröffentlicht, wobei sie nun zum ersten Mal synchronisiert vorliegt, was allein deswegen erwähnenswert ist, weil es als gutes Beispiel für eine misslungene deutsche Sprachausgabe angesehen werden kann. Einige der Stimmen, besonders die von Morgans Tochter, wirken lächerlich, und das Dialogdrehbuch legt die Zeilen der Darsteller oft sinnentstellend frei aus beziehungsweise platziert Text an Stellen, wo das Original durch Schweigen glänzt.

Was erwartet nun aber den Zuschauer, der vernünftigerweise zur Originalstonspur gegriffen hat? „The Last Man on Earth“ ist kein Film, der seine Spannung aus der Konfrontation des Protagonisten mit seinen Gegnern zieht, denn dafür sind die Vampire nicht bedrohlich genug. Auch Morgan merkt an, dass sie höchsten in der Masse eine Gefahr darstellen und er keine Angst vor ihnen hat. Ohnehin sind sie ungewöhnliche Vertreter ihrer Gattung, denn obwohl sie eine Abneigung gegen Knoblauch, Sonnenlicht und ihr eigenes Spiegelbild haben, wirken sie ansonsten eher wie die Zombies aus George A. Romeros „Night of the Living Dead“. Nicht umsonst gab Romero in einem Interview „The Last Man on Earth“ als Inspirationsquelle für seinen eigenen Film an.

Stattdessen funktioniert „The Last Man on Earth“ als solides Psychogramm eines Mannes in einer Extremsituation. Die gesamte erste Stunde des Films wird dafür aufgewendet, die Hauptfigur einzuführen, ihre äußeren und inneren Konflikte darzustellen und die Hintergründe der Ereignisse genauer zu beleuchten. So wirkt dieser Abschnitt wie eine überlange Exposition, in der eigentlich wenig passiert, was aber keinesfalls negativ auffällt. Zu verdanken ist dies Vincent Price, Star unzähliger Horrorfilme, denn ein Film, der über weite Strecken nur von einer Figur getragen wird, steht und fällt mit dem Schauspieler, der sie zum Leben erweckt.

Doch wirklich lebendig erscheint dieser Robert Morgan – in der deutschen Synchronisation spendierte man der Hauptfigur wieder ihren Roman-Nachnamen Neville – nicht. Price präsentiert uns einen Mann, den die jahrelange Einsamkeit, die Trauer über den Verlust von Frau und Kind und das Wissen, dass er weder ihnen noch der Menschheit hat helfen können, müde gemacht hat. Jegliche Spannung scheint seinen Körper verlassen zu haben. So trottet er routiniert durch den Alltag. Selbst wenn er den Vampiren bei Tag Pflöcke in die Herzen rammt, verzieht er kaum eine Miene. Das Spiel Prices lässt den Zuschauer gerade wegen seiner reduzierten Mimik und Gestik nachvollziehen, dass hier ein Mann zu sehen ist, der alles verloren hat. Das alles präsentiert uns der Film in ansprechenden Bildern, denn obwohl „The Last Man on Earth“ ein B-Film ist, sieht man ihm sein niedriges Budget nicht unbedingt an. Kameraarbeit und Lichtsetzung sind ausgezeichnet, sodass man sich den Film auch nach über vierzig Jahren noch gut anschauen kann.

Nach der ersten Stunde gerät die Dramaturgie allerdings ins Straucheln. Mit dem Auftauchen von Ruth überschlagen sich die Ereignisse und neue, aufregende Handlungselemente eröffnen sich, allen voran die Auflösung des simplen Schemas: Morgan, gut; Vampire, böse. Bevor der Film aber die Gelegenheit hat, seine neue Richtung auch nur ansatzweise auszuloten und befriedigend zu erzählen, sind die letzten 24 Spielminuten auch schon vorbei und zurück bleibt ein Zuschauer, der das Gefühl hat, dass ihm etwas vorenthalten wurde.

Fazit: Ein Meisterwerk ist „The Last Man on Earth“ nicht, jedoch handelt es sich um einen in Würde gealterten B-Film. Für Freunde klassischer Science-Fiction-Streifen, die hier ein gut gefilmtes und gespieltes Stück Kino mit Verstand serviert bekommen, und für Filminteressierte, die das Werk als Teil der Rezeptionsgeschichte des Romans mit den weiteren Verfilmungen vergleichen wollen, ist die DVD allemal einen Blick wert.


The Last Man On Earth
USA/Italien 1964
Regie: Ubaldo Ragona, Sidney Salkow
Darsteller: Vincent Price (Robert Morgan), Franca Bettoia (Ruth Collins), Giacomo Rossi-Stuart (Ben Cortman), Emma Danieli (Virginia Morgan), Christi Courtland (Kathy Morgan)

Vertrieb: SUNFILM Entertainment
Erscheinungsdatum: 09.05.2008

Länge: 85 min.
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Deleted Scene, Italienische Titelsequenz, Italienischer Trailer, Bildergalerie, Hintergrundinformationen, Trailer zu „I Am Omega“ (Easter Egg)

Preis: EUR 9,95

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