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Im ersten Band hat Tarean den bösen Hexer Calvas besiegt und den Namen seines Vaters reingewaschen. Gut ein halbes Jahr später erreicht ihn ein mysteriöser Hilferuf, der den Auftakt zu seinem nächsten, noch gefährlicheren Abenteuer bildet.
von Andreas Loos

Sechs Monate nach seinem Sieg über den Hexenmeister Calvas hat der junge Tarean eine verfrühte Midlifecrisis, gelang ihm – wenn auch mit Unterstützung treuer Gefährten – doch das, woran in der Vergangenheit ganze Heere gescheitert waren. Aber was nun? Während der Junge versucht, seinem Leben dauerhaft Sinn zu geben, lockt ihn ein rätselhafter Hilferuf zu der zerstörten Festung des Hexers. In den Ruinen findet Tarean einen gefangenen Kristalldrachen, den er befreien soll. Um dies zu erreichen muss der junge Held sich in die fernen Dunkelreiche begeben, um das magische Siegel zu finden, mit dessen Hilfe Calvas und sein Meister, der Herr der Tiefe, die Kristalldrachen einst von der Welt verbannten.
Die abenteuerliche Reise in die Dunkelreiche ist dann auch der wichtigste Handlungsstrang – neben der charakterlichen Entwicklung von Tarean und einigen ausgewählten Gefährten, denen hier eine Menge introspektiver Augenblicke zu Gute kommen. Insoweit verlässt sich der Autor auf das bewährte Konzept des ersten Teils und verzichtet auch in Band 2 größtenteils auf getrennte Erzählstränge – sieht man von dem anfänglichen Getrenntsein von Tarean und Auril ab. Besonders die Aktionen von Tareans Gegenspielern offenbaren sich nur in den Zusammentreffen mit den Protagonisten. Daher tappt der Leser mit den Helden im Dunkeln und wird demgemäß mit diesen auch jeweils überrascht. Was mich dann doch etwas nachdenklich stimmte, denn das Grundgerüst bleibt somit dasselbe.
Die abenteuerliche Reise gibt der Handlung eine Richtung, und der farbenfrohe und lebendige Schreibstil lassen Handlung und Schauplätze vor dem geistigen Auge lebendig werden. Neben Tarean gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, wie der Albin Auril, dem Vogelmenschen Iegi und dem Wehrbären Bromm. Natürlich ist das Irrlicht Moosbeere ebenfalls wieder mit von der Partie. Ein Abenteuer ohne Tareans fliegendes Gewissen, dem unbeschwerten Widerpart zu dem pessimistischen Jungen, der oftmals mit einer recht fatalistischen Weltsicht daherkommt, können sich die Fans des ersten Bandes auch wohl kaum vorstellen. Denn schließlich war Moosbeere auch bei mir der größte Sympathieträger – und das noch vor Tarean selbst.
Tarean entwickelt sich auch eher zu einer Art tragischer Held, der bei seinen Unternehmungen oftmals nur vom schlimmsten Fall ausgeht und auch ansonsten von Zweifeln aller Art geplagt wird. Hinzu kommt, dass der Autor, dem es gelingt, alle seine Figuren – vom Helden bis zum simplen Nebencharakter – liebevoll zu gestalten, nunmehr auch unverfänglicher dazu übergeht, mühsam im Verlauf der Handlung aufgebaute Figuren zu opfern. War im ersten Band lediglich dem schrullige Erfinder Karnodrim und dem alten Ritter Wilfert ein solches Schicksal beschieden, müssen die Gefährten hier mit erheblich schlimmeren Schicksalsschlägen zurechtkommen. Besonders Iegi, der ungestüme und leichtfertige Prinz der Vogelmenschen, scheint seine Lektionen nur sehr langsam zu lernen. Aber auch Tarean wird einiges auf dem Weg zum finalen Showdown einstecken müssen, der diesmal noch eindrucksvoller ausfällt als das letzte Mal.
Der Leser wird hier, wie schon im ersten Band, immer wieder an Szenen aus dem Kintopp erinnert. Einiges erinnert zum Beispiel an „Indiana Jones“, auch finden sich Motive aus dem Westerngenre. Bei vielem hat man wieder einmal den Eindruck, das schon einmal irgendwo gesehen oder gelesen zu haben, aber wie schon zuvor ist alles so arrangiert, das man dies immer als Hommage verstehen kann und nie als simples Plagiat. Man könnte sagen, Bernd Perplies stiehlt mit Stolz gute Szenen aus Klassikern und verwendet diese auf eine Art und Weise, dass diese dem Leser zugleich vertraut und neu sind. Das exotische Ensemble, das er aufbietet, sorgt schon allein mit seinen einzigartigen Fähigkeiten dafür, dass die Lösung der anstehenden Probleme immer anders ausfallen, als man es aus dem jeweiligen Kinoabenteuer kennt.
Fazit: Die Fortsetzung von Tareans Abenteuern wird erneut als ausgezeichnetes Kopfkino vom Autor in Szene gesetzt. Die Geschichte verläuft wieder gradlinig, weist allerdings einige (durchaus böse) Überraschungen auf, sodass es nicht langweilig wird. In jedem Fall ist es Bernd Perplies nach seinen Debütroman gelungen, der übrigens für den „Deutschen Phantastik Preis“ nominiert wurde, noch einen drauf zu setzen. Auf den dritten Band kann man gespannt sein.
Tarean 2 – Erbe der Kristalldrachen
Fantasy-Roman
Bernd Perplies
Egmont-Lyx 2008
ISBN: 978-3-8025-8184-7
512 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 12,95
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