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Artefakt #26
RPG-Magazine 28.10.10

Pünktlich im Oktober traf das regelmäßig halbjährlich erscheinende Fanzine „Artefakt“ mit der #26 bei mir ein und wusste unter anderem mit einem „Cthulhu“-Abenteuer und einem spielbaren Abenteuerschauplatz zu gefallen. Obendrein gibt es noch ein Interview mit dem stellvertretenden Chefredakteur, Christoph Schubert, der 2003 Jurymitglied beim Deutschen Rollenspielpreis war.

von  Markus Kolbeck

Nach dem Editorial geht es richtig los mit den Rezensionen, diesmal alle von Christoph Schubert verfasst, der sich als intensiver Kenner der Materie erwiesen hat. Rezensiert werden: „Baltimore oder Der standhafte Zinnsoldat und der Vampir“ (illustrierter Roman), „After the Siege“ (kostenloser iPhone-Comic), „Burning Drachens“ (Erweiterungsbox für „Wings of War“), „The Eternal City 1“ (digitaler Comic), „The Life Eaters“ (Graphic Novel) und „Cthuloide Welten #18“ („Cthulhu“-Magazin).

Endlich wieder ein „Cthulhu“-Abenteuer in „Artefakt“: „La isla cultista“ von Christoph Schubert erstreckt sich auf einer Länge von 24 Seiten und liefert ansehnliche Resultate. Das „Cthulhu Now“-Szenario ist für genau vier Charaktere konzipiert (was es leider in der Verwendbarkeit etwas einschränkt, was man aber in Kauf nehmen sollte). Es handelt davon, dass vier Personen auf einer mysteriösen Südseeinsel aufwachen, neben sich eine Steinplatte mit einer Statue zerbrochen in drei Teile. Die Spielercharaktere können sich an nichts erinnern; weder wissen sie, wie sie heißen, noch wie sie auf die Insel gekommen sind und welchen Beruf sie haben. Das Rätselraten für die Spieler und Spielerfiguren kann beginnen! Die Spieler haben auch nur teilweise ausgefüllte Charakterblätter vor sich, z. B. mit den Attributwerten, um die Amnesie der Charakter wiederzuspiegeln. Mit der Zeit füllen sich dann die Charakterblätter mit Näherungswerten für ihre Fertigkeiten. Ein Gedächtnisverlust zu Beginn eines Abenteuers gab es zwar schon bei „Cthulhu“, ist aber sicherlich um einiges origineller als ein Abenteuerauftakt durch einen Auftraggeber, und für die Spieler ist es bestimmt eine anspruchsvolle Herausforderung und Abwechslung.

„Das Gezeitengefängnis“ ist ein fünfseitiger, spielbarer Abenteuerort für Fantasy-Settings von Joachim A. Hagen. Beschrieben wird ein Gefängnis auf einer Insel vor der Küste, das nur durch einen flutbaren Tunnel mit dem Festland verbunden ist. Detaillierte Grundrisse werden mitgeliefert. Viele Abenteurer kommen einmal mit dem Gesetz in Konflikt und müssen eine Haftstrafe absitzen, oder die Abenteurer wollen jemanden aus einem Gefängnis befreien: Hier ist der Abenteuerschauplatz dazu.

Nach einem kurzen Bericht zum Ost-Con 2010 geht es weiter mit der Kurzgeschichte „Der letzte Brief“, verfasst über eine Seite von Joachim A. Hagen, die nicht schlecht ist, aber aufgrund dessen, dass der Adressat (ein Mr. Lovecraft) bekannt ist, etwas vorhersehbar wird.

Zu einem abschließenden Höhepunkt steigert sich die Artikelreihe „Abenteuer interessant gestalten“, in der Mittelteil und Ende der Reihe geliefert werden. Nach zwei weiteren Einstiegen wird die Gestaltung des Hauptteils eines Abenteuers besprochen sowie auf mögliche Enden und Kombinationen von Enden, Verknüpfungen und Vorwegnehmen eingegangen. Lesenswert sind die Tipps allemal!

„Gamer’s Little Helpers“ ist eine nützliche Linksammlung für Spielleiter zum Thema Hilfsmittel wie Bodenpläne, 3D-Papiermodelle und Musik. Manchmal kann die Bastelei zeitaufwändig sein, lohnen tut es sich aber.

„Legends of Aylann“ ist ein Bericht über ein Forenrollenspiel gleichen Namens, bei dem Wert auf plastische Darstellung seitens der Spielleitung und der Spieler gelegt wird, denn es findet in reiner Textform im Internet statt. Möglichkeiten zum Rollenspiel sind mir immer willkommen, vor allem wenn man dafür nicht regelmäßig viel Zeit aufwenden kann.

Abschließend wird das bereits eingangs erwähnte, ausführliche Interview mit Christoph Schubert gebracht, welches den Titel „Ich hab’ selbst einen an der Waffel“ trägt. Es wird etwa beschrieben wie Christoph zu „Artefakt“ kam und welche Zukunft Rollenspiel-Fanzines als Print- und als Digitalmedien erwarten können. Lovecraft, „Cthulhu“ und der Deutsche Rollenspielpreis werden angeschnitten. Wie Christoph zum Rollenspiel kam und was seine Lieblingsrollenspiele sind, findet Erwähnung und noch einiges mehr.

Fazit: Herausragend ist vor allem natürlich „La isla cultista“, das viel Spaß bereiten dürfte, insbesondere für den Spielleiter / die Spielleiterin. „Artefakt“ ist eines der letzten verbliebenen Print-Rollenspiel-Fanzines, das sollte man würdigen. Die #26 ist eine gelungene Sache geworden, da kann man ruhig zugreifen.

„Artefakt #26“ kann man für 4,- € plus 1,15 € Versandkosten unter www.fis-ev.de bestellen.


Artefakt #26
Fanzine für diverse Systeme
Joachim A. Hagen (Chefredakteur)
Förderkreis innovatives Spiel e.V. (fis) 2010
56 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 4,00

bei fis-ev.de bestellen

Artikel zum Weiterlesen

Artefakt #25 - 19.04.10
Artefakt #24 - 07.11.09


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