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Boss Monster
Kartenspiele 17.05.16

Neulich im Dungeon der sonnigen Gemeinde Düsterhausen: „Nun ihr kleinen Menschenkinder. Meint ihr wirklich ihr, könntet hierher kommen und einfach wieder gehen? Meint ihr, ihr könnt auch noch meine Schätze stehlen? Glaubt ihr vielleicht, ihr seid freiwillig hier, weil der Ruf nach Ruhm und Reichtum euch den Weg gewiesen hat? HA! Ihr seid hier weil ICH es so wollte. ICH habe die Gerüchte über meine Schätze in die Welt gesetzt! ICH habe mein Reich für euch vorbereitet. ICH habe die fiesesten Fallen ersonnen und die monströsesten Monster rekrutiert, um euch zu vernichten. Eure Seele werde ich extrahieren und sie mir genüsslich einverleiben. MUHAHAHA!

von  Kai Melhorn

Wahrscheinlich werdet ihr nicht einmal die ersten meiner grausamen Kammern überleben! … Na gut, das habt gerade noch hinbekommen … aber… nun … Okay, ihr seid echt nicht schlecht drauf… AUA. Verdammter Pseudo-Held. Nehmt den Schatz und verschwindet, damit ich eure Konkurrenten vernichten kann. All your souls are belong to ME!.

Erster Eindruck

Einmal der Böse sein oder noch besser: der Endgegner. Einmal derjenige sein, der am Ende einer langen Reihe von Mini- und Zwischenbossen steht. Der einen nahezu unendlichen Vorrat an Anhängern und Schergen um sich geschart hat, die er, ohne mit der Wimper zu zucken, den anstürmenden Helden zum Fraß vorwirft. Der jeden Tag grausame Fallen und Gemeinheiten in die Tat umsetzen lässt, die er sich abends bei einem Glas Rotwein – wahlweise Heldenblut – ersinnt. Spätestens seit „Dungeon Master“ ist diese Idee nicht mehr ganz neu. Neu ist aber sehr wohl die Kombination aus dem 8 Bit-Pixel-Charme der späten 80er Jahre mit dem Sidescroller-Spielprinzip und der passenden Umsetzung in einem Kartenspiel.

Ob das auch auf dem Wohnzimmertisch funktionieren kann? Mal sehen …

Spielprinzip und -welt

Hält man die Box in der Hand, bekommt man direkt eine Art Nintendo-Nostalgie, denn es fällt sofort das Cartridge-Format und das ansprechende Design auf. Außerdem wird man über die wichtigsten Eckdaten des Spiels aufgeklärt. Im Erstlingswerk der Autoren Johnny und Chris O’Neal treten zwei bis vier Bosse gegeneinander an, um in 30 bis 60 Minuten einen Dungeon zu errichten. Es muss die meisten Schätze und den größten Ruhm versprechen, um möglichst viele Möchtegernhelden anzulocken, aber gleichzeitig hinterhältig und tödlich sein, um zu deren Verhängnis zu werden. Dabei wird empfohlen, dass die Bosse wenigstens 10 Jahre alt sein sollten.

Das Ziel des Spiels ist schnell erklärt. Durch die Ausstattung des Dungeons mit Schätzen sollen Helden verschiedenster Art angelockt werden. Die ebenfalls dort platzierten Monster und Fallen sollen den Opfern dann den Garaus machen, damit sich der Boss die Seele des Helden einverleiben kann. Der Boss, der sich als erster zehn Seelen zu Gemüte geführt hat, hat das Spiel gewonnen. Allerdings sollte man auch als Bossmonster vorsichtig sein. Hat man das Dungeon zu attraktiv ausgestattet, kommen die Helden in Scharen. Ist man dann nicht gut genug mit Monstern und Fallen ausgestattet, dringen die Helden durch alle Räume, bis sie vor dem Boss selber stehen. Dann lässt es sich nicht mehr vermeiden, dass diese dem Spieler eine Wunde zufügen und sich als ruhmreiche, strahlende Gewinner aus dem Staub machen. Sollte man auf diese Weise fünf oder mehr Wunden bekommen, hat man das Spiel sofort verloren und darf nur noch dabei zuschauen, wie sich die anderen Bosse um die Vorherrschaft streiten.

Spielmaterial

Öffnet man die Box, findet man dort 155 Karten und eine Spielanleitung. Dabei fällt auf, dass das Spiel ohne Würfel oder Spielmarker jeglicher Art auskommt, was mir persönlich schon mal sehr gut gefällt. Box und Karten sind im Standardformat ohne Schnörkel oder Inlay ausgeführt.

Die Karten sind stimmig und übersichtlich gestaltet. Hierbei wurde darauf geachtet, dass im Kartenaufbau ein gutes Gleichgewicht zwischen den wichtigen Informationen und dem Thema mitsamt der Grafiken eingehalten wird. Für besonderen Spaß haben bei unseren Probespielen die Helden gesorgt: Auf den Heldenkarten sind nur wenig spielbeeinflussende Informationen unterzubringen. Da hat man sich offensichtlich entschieden, jedem Helden ein wenig Leben einzuhauchen. Es gibt Hintergrundinformationen, Motivation oder auch Werdegang in Form einer kurzen Textpassage. Damit die Seele, die man zu verspeisen sucht, auch gewürdigt wird, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir die Texte vorlesen. Aus meiner Sicht eine lohnende Entscheidung, die dem ganzen Spiel zusätzliche Atmosphäre verleiht.

Die Spielanleitung umfasst 24 Seiten, und nach einer kurzen Einleitung werden zunächst die verschiedenen Kartentypen erklärt. Anschließend wird zum Aufbau und Spielablauf übergegangen. Am Ende gibt es dann noch Tipps für Spielvarianten, ein Glossar und eine Zusammenfassung auf der Rückseite, wenn während des Spiels noch mal nachgelesen werden muss. In Summe also ein absolut durchdachtes Paket, das keine Wünsche offen lassen sollte. Leider sind bei den Probespielen ein paar Fragen aufgekommen, die weder in den Regeln, noch im Glossar eindeutig geklärt wurden. Zwar konnten wir uns recht schnell darauf einigen, wie wir mit den kleinen Lücken umgehen wollen, aber in einer anderen Runde oder nach ein paar Monaten Spielpause werden diese Fragen wohl wieder aufkommen, weshalb man gut daran tut, die gefundenen Antworten aufzuschreiben.

Spielfluss

Der Aufbau ist höchst simpel und in wenigen Minuten erledigt. Jede Spielrunde ist in fünf Phasen aufgeteilt, wobei nur in Phase zwei und vier aktiv durch die Spieler ins Spielgeschehen eingegriffen werden kann. Das führt zu einer Rundenlänge von einigen Minuten, wobei normalerweise alle Spieler etwas zu tun bekommen. So fühlt man sich ständig ins Spielgeschehen eingebunden und es kommt nur selten zu Wartezeiten, wenn ein Spieler besonders schwere Entscheidungen bei der Innenausstattung seines Dungeons treffen muss. Somit ist die angegebene Spieldauer von 30 bis 60 Minuten für regelkundige Spieler nicht ganz unrealistisch.

Runde für Runde werden nun reihum die Dungeons um immer mehr Räume erweitert, die durch ihre Schätze die Helden anlocken sollen. Mal sind es Relikte, mal magische Waffen oder Zauberbücher, die die verschiedenen Heldentypen wie Priester, Krieger oder Magier anlocken. Die Helden, die in dieser Runde auf die Suche gehen werden, sind beim Ausbau des Verlieses schon bekannt, womit man sich gut auf sie vorbereiten kann. Ist das gesamte Dungeon nun für bestimmte Heldentypen besonders attraktiv und bietet mehr als die Dungeons der Konkurrenz-Bosse, sammeln sich die Helden vor den Toren und warten darauf, schön einzeln und der Reihe nach eingelassen und am Ende verspeist zu werden.

Zauber, die durch die Bosse verwendet werden können, dienen dazu, ein wenig Unruhe zu stiften und das Blatt an geeigneter Stelle zu wenden. Zwar bringt diese Komponente zusätzlichen Schwung in die Sache, sodass man sich nie zu sicher fühlen sollte, aber dennoch wird im Laufe des Spiels relativ schnell klar, welche Bosse sich in dieser Runde um den Sieg streiten werden. Ein oder zwei Runden vor Ende kann man schon recht zuverlässig vorhersagen, wer gewinnen wird.

Meinung

Das Konzept des Spiels ist konsequent und stimmig umgesetzt. Je nach Spielergruppe macht es wirklich Spaß, sich genau anzuschauen, welchen Helden man gerade zu Seelen verarbeitet. Hier haben die Autoren an der richtigen Stelle Kreativität an den Tag gelegt, wie eigentlich beim gesamten Spiel. Einzig ein paar mehr Anspielungen auf alte (und neue) Spieleklassiker hätten dem Ganzen noch ein wenig mehr Frische verleihen können.

Der Spielfluss ist ordentlich und die Länge jeder Runde gut gewählt, denn es kommt keine Langeweile auf. Über kleinere Mängel bei der Ausformulierung der Spielregeln und die Kalkulierbarkeit des Gewinners in den letzten Runden kann man durchaus hinwegsehen.

Fazit: Das Spiel eignet sich besonders für Genrefans und solche, die es werden wollen. Zu Beginn oder am Ende eines geselligen Abends, etwa zur Einstimmung auf einen Rollenspiel- oder Fantasy-Filmabend oder auf eine Nacht vorm SuperNES wird es für gute Stimmung sorgen. Ein spaßiges, solides Spiel mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, einem gewissen Spaßfaktor und ohne viel Schnick-Schnack.


Boss Monster
Kartenspiel für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren
Johnny O’Neal, Chris O‘Neal
Pegasus Spiele 2016
EAN 4250231709142
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 14,95

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