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Es herrscht Krieg im mittelalterlichen Europa. Die schottischen Eisenzwerge haben sich zu einem Aufstand gegen ihre englischen Besatzer erhoben, obwohl viele von ihnen noch immer als Söldner im fernen Frankreich kämpfen. Die Kobolde aus dem Süden sind in Kastilien eingefallen und Riesenspinnen und Trolle wüten auf den Schlachtfeldern in aller Herren Länder. Dies ist nicht das Europa, das wir glauben aus dem Geschichtsunterricht zu kennen, dies ist eine Uchronia.
von Dominik Cenia

Zugegeben, das Grundprinzip von „BattleLore“ hat schon so einige Jahre auf dem Buckel, denn das von Spieleautor Richard Borg entwickelte „Command and Colors System“ kam schon bei einigen anderen Spieletiteln wie „Battle Cry“, „Memoir 44“ und „Command & Colors: Ancients“ zum Einsatz.
Das Prinzip ist dabei immer gleich: Zwei Armeen stehen sich auf einem Spielbrett mit Hexfeldern mit verschiedenen Geländemerkmalen gegenüber. Mit Hilfe einer Kartenmechanik bewegen die Spieler abwechselnd ihre Einheiten über die linke oder rechte Flanke oder die Mitte des Spielbretts. Treffen zwei Einheiten aufeinander, so entscheiden die Würfel über den Ausgang des Kampfes. Eine bestimmte Kombination aus Farben und anderen Sondersymbolen gibt, je nach Truppentyp, Aufschluss über die Verluste und Auswirkungen auf beiden Seiten. Schwere Infanterie hat etwa immer eine „rote Fahne“. Um diese Einheiten zu verletzten, müssen also „rote Symbole“ gewürfelt werden. Jede Übereinstimmung stellt einen Verlust dar. Eine Einheit Infanterie besteht grundsätzlich immer aus vier Figuren, Kavallerie immer aus drei Modellen. So geht die Schlacht hin und her, bis eine Seite entweder eine bestimmte Anzahl an Siegpunkten oder ein bestimmtes Missionsziel erreicht hat.
„BattleLore“ versucht dabei mit dem Prinzip einer „Uchronia“ (Alternativweltgeschichte) unterschiedlichen Geschmäckern gerecht zu werden. Zum einen gibt es die „mittelalterlichen Szenarien“, welche sich weitgehend ganz oder manchmal auch nur lose an realen historischen Schlachten orientieren. Zum anderen gibt es auch die „Macht-Szenarien“ mit Magie, Zwergen, Kobolden, Monstern und allem was zu einer zünftigen „Fantasy-Keilerei“ dazugehört. In einer dritten Variante ist es sogar möglich, mittelalterliche mit Macht-Szenarien zu verbinden sowie eigene Szenarien zu entwerfen.
Was „BattleLore“ vor allem auszeichnet, sind seine klaren und gut überschaubaren sowie durchdachten Spielregeln. Auch wenn das Regelheft auf den ersten Blick einem waschechten Tabletop- oder Cosim-Regelwerk gleicht, lässt sich „BattleLore“ doch überraschend schnell verstehen und spielen. Viele der Spielregeln werden durch klare Diagramme erklärt, und zahlreiche möglicherweise „strittige“ Spielsituationen lassen sich anhand von genauen Abbildungen schnell auflösen. Außerdem findet man beinahe alle wichtigen Spielelemente auf einem Satz Handkarten mit Regelhilfen wieder, die beiden Spielern während der Partie zu Verfügung steht. Dadurch erspart man sich häufiges Nachschlagen im Regelbuch, da man sich die Regelhilfen schön ordentlich auf der eigenen Seite des Spielbretts anordnen kann. Enthält ein Szenario nicht alle spielrelevanten Elemente (etwa Szenarien ohne Wälder), lässt man die entsprechenden Karten einfach weg, sodass man sich für jede Partie die passenden Referenzkarten für das Szenario zurechtlegen kann. Wer braucht da noch eine weitere Übersichtstafel als Schnellreferenz?
Die insgesamt zehn Szenarien aus dem Grundspiel ergänzen dabei das Lernen der Regeln sehr gut, denn pro Szenario werden Stück für Stück weitere Spielelemente eingebaut. Dabei sind die einzelnen Szenarien jedoch nicht nur einfache „Einsteigermissionen zum Regeln lernen“, sondern sogleich vollwertige Schlachten. Egal ob das erste Szenario „Agincourt“ oder Szenario 10 „Tourelles“, die Spieldauer ist mit ein bis zwei Stunden immer relativ gleich gehalten. Dafür sorgen auch die fein abgestimmten Siegbedingungen in jedem Szenario, welche meist über Siegpunkte entschieden werden.
Die Auswahl der Einheiten umfasst Bogenschützen, leichte bis schwere Infanterie und Kavallerie, sowie Eisenzwerge, Koboldreiter und eine Riesenspinne. Die Figuren sehen in jeder Kategorie gleich aus, werden aber während des Spiels durch unterschiedliche Farben sowie Wimpel und Flaggen unterschieden. Alle Einheiten haben individuelle Werte in Kampf und Bewegung, können eventuell Bonus-Schläge austeilen oder diese ignorieren, sind „Mutig“ oder „Feige“ oder können „Zurückschlagen“ oder „die Verfolgung aufnehmen“, wenn beispielsweise sich die angegriffene Einheit zurückziehen muss. Auch das Gelände (dargestellt durch verschiedene Plättchen auf dem Spielbrett) hat entsprechende Auswirkungen. Wälder und Hügel blockieren die Sichtlinie oder vermindern die Anzahl der Würfel des Angreifers oder Verteidigers. Flüsse lassen sich meist nur an einer Furt oder Brücke überqueren und Wälle sind die idealen Verteidigungsanlagen gegen Angreifer.
In den späteren Szenarien kann außerdem jede Seite während der Schlacht „Macht-Plättchen“ erlangen. Diese sind nötig, um Machtkarten (Zaubersprüche, besondere Fähigkeiten usw.) spielen zu können. In diesem Zusammenhang spielt dabei auch der „Kriegsrat“ eine wichtige Rolle. Denn vor jeder Schlacht können die Spieler bestimmen, welchen Level der Kriegsrat auf jeder Seite haben darf. Entsprechend können die Spieler dann ihren Kriegsrat aus verschiedenen Charakteren zusammenstellen. Die Stufen der einzelnen Ratsmitglieder (zum Beispiel ein Befehlshaber Stufe 2 und ein Kleriker Stufe 1) können dabei Auswirkungen auf die Effektivität einzelner Machtkarten haben.
All diese Regeln sind optional und erhöhen natürlich ein wenig den Umfang des Spielverlaufs. Vor allem wenn die Mitglieder eines Kriegsrats auch noch ihre eigenen „Orte“ mit ins Spiel bringen, die dann vorher auf dem Schlachtfeld platziert werden können. Und obwohl die „mittelalterlichen Szenarien“ schon sehr gut den Kern von „BattleLore“ wiedergeben, so sind es doch die „Macht-Regeln“ und die „Macht-Szenarien“ sowie der Kriegsrat, welche das Spiel erst so richtig abwechslungsreich machen.
Die Schachtel von „BattleLore“ ist prall gefüllt mit Spielmaterial und über 200 Figuren sowie zahlreichen Wimpeln und Flaggen, Würfeln, einem Szenario- und einem Regelbuch, Tokens und Hexfelder-Plättchen. Das Spielbrett ist groß und beidseitig bedruckt, wobei die Rückseite lediglich die Hälfte eines noch viel größeren Spielbretts darstellt. Wer sogar zwei „BattleLore“ Grundspiele sein eigen nennt, kann mit Hilfe von zwei Spielbrettern nämlich ein doppelt so großes „episches“ Schlachtfeld auf den Spieltisch bringen.
Die Fülle des Materials ist erschlagend, und der Aufbau der einzelnen Szenarien (vor allem die Aufstellung der Truppen) nimmt natürlich etwas Zeit in Anspruch. Auch bietet die Schachtel keine Fächer zum Aufbewahren der vielen Figuren. Hier helfen nur „Zip-Beutel“. Einige der Figuren kommen übrigens leider auch schon ziemlich verbogen aus der Schachtel. In den meisten Fällen stört das eher weniger, doch gerade die Modelle von einigen Reitern sind dermaßen krumm, dass sie sich gar nicht mehr richtig hinstellen lassen. Mit heißem Wasser oder einem Föhn lassen sich solche Probleme jedoch leicht beheben. Einfach das Material ein wenig erhitzen, in die richtige Position biegen und erkalten lassen. Bei über 200 Figuren mag das etwas Arbeit sein, doch es ist, wie gesagt, ja auch nicht bei allen Modellen der Fall gegeben.
Fazit: „BattleLore“ ist ein umfangreiches Strategiespiel mit zahlreichen Möglichkeiten sowie einer tollen und opulenten Ausstattung. Viele Regeln sind optional, sodass ganz nach Geschmack entweder rein „mittelalterlich“ oder eben mit „Macht“ gespielt werden kann. Wobei zugegeben für eine reine „mittelalterliche Simulation“ bestimmte Spielregeln dann doch die Feinheiten einer echten Cosim vermissen lassen. Auch mögen „echte Strategen“ mit dem doch recht glücksabhängigen Würfel- und Kartenmechanismus so ihre Probleme haben. Die Regeln von „BattleLore“ sind dann eben doch, trotz aller Details, recht simpel ausgefallen. Alles in allem empfehle ich das Spiel daher lieber Spielern von epischen Fantasy-Schlachten, da die „Macht-Szenarien“ auf Dauer einfach mehr Abwechslung bieten und die Eisenzwerge und Kobolde sowie die Riesenspinnen einfach spannende Einheiten sind, auf die man nur ungern verzichtet. Liebhabern „historischer“ Spiele empfehle ich eher die beiden Vorgänger „Battle Cry“ oder „Command & Colors: Ancients“ oder die Zweiter-Weltkrieg-Variante „Memoir 44“.
Hinweis: „BattleLore“ ist 2006 bei Days of Wonders erschienen. 2008 wanderte das Spiel zu Fantasy Flight Games. Die deutsche Ausgabe ist seitdem in den Händen des Heidelberger Spieleverlags. Für 2010 ist eine überarbeitete deutsche Neuauflage des hier rezensierten Grundspiels geplant. Daher mag der Inhalt der Neuauflage von dem rezensierten Material abweichen.
BattleLore
Brettspiel für 2 Spieler
R. Borg
Days of Wonder 2006
ISBN: n. a.
210 detaillierte Miniaturen, Spielregelbuch inklusive Szenarienheft, doppelseitiger Spielplan, 46 Gelände- und Ortsplättchen, 60 Kommandokarten, 60 Machtkarten, 42 Übersichtskarten, 2 Kriegsrattafeln, 24 Meisterscheiben, 12 Kampfwürfel, deutsch
Preis: EUR 69,95
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