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INTERVIEW: System Matters
Artikel/Interview 03.10.16

Der junge Verlag System Matters hat mit der deutschen Übersetzung des OSR-Rollenspiels „Beyond the Wall“ für Aufmerksamkeit gesorgt. Grund genug für den Ringboten, um sich einmal mit den umtriebigen Neu-Verlegern zu unterhalten.

von  Daniel Neugebauer, Patrick Jedamzik und André Frenzer

Ringbote: Hallo Daniel, hallo Patrick! Danke, dass Ihr uns für ein paar Fragen zur Verfügung steht. „System Matters“ – das war bislang der Name für ein Urgestein der deutschen Rollenspiel-Podcasts. Eine dreistellige Anzahl Folgen und eine beachtlich lange Zeit arbeitet Ihr nun bereits zusammen. Wann entstand die Idee, einen eigenen Verlag zu gründen?

Patrick: Die Idee als solche schwebte schon länger als Hirngespinst im Raum herum, aber konkret umgesetzt wurde sie dann im September 2015.

Daniel: Wir hatten schon recht früh eine Idee, ein bestimmtes Rollenspiel zu übersetzen und herauszubringen, aber dann kam die Idee nicht nur einmal etwas umzusetzen, sondern gleich etwas mehr zu machen.

Ringbote: Was waren Eure Beweggründe, den mutigen Schritt zu wagen, einen eigenen Verlag zu gründen?

Patrick: Wir haben viele Systeme ausprobiert, die wir spannend und interessant fanden, die aber oft nur in englischer Sprache vorlagen. Von daher waren sie hier eher unbekannt, schwerer zu bekommen oder für manche vielleicht auch abschreckend, weil ein deutschsprachiges Spiel schneller und einfacher zu verstehen ist. Also haben wir uns irgendwann überlegt, genau diesen Weg zu gehen, interessante kleine Systeme nach Deutschland zu bringen und damit die Vielfalt unseres Hobbys noch bekannter zu machen.

Ringbote: Euer erstes, selbst verlegtes Rollenspiel ist die deutsche Übersetzung von „Beyond the Wall“. „Beyond the Wall“ macht mit seinen Playbooks zur Charaktererschaffung und den zahlreichen Zufallstabellen vieles anders als die gängigen Rollenspielsysteme. Warum habt Ihr Euch als erstes Projekt für „Beyond the Wall“ entschieden? Wäre ein „klassischeres“ System zum Start nicht vielleicht eine sicherere Wahl gewesen?

Patrick: Unsere Erfahrungen zeigen eher, dass genau dieser Kniff der Charaktererstellung das Spiel für viele interessant machte. Hinzu kommt, dass unserer Erfahrung nach die Terminfindung für Rollenspieler immer schwieriger wird. Neben großen Spielen und Kampagnen für regelmäßige Runden braucht es da auch kleine und schnelle Systeme wie „Beyond the Wall“ oder auch „Schatten des Dämonenfürsten“, bei denen man schnell einsteigen kann und auch wenn jemand ausfällt nicht auf das Rollenspielvergnügen verzichten muss. Diese Mechanik hat auch uns fasziniert und wir freuen uns, dass viele andere Rollenspieler in Deutschland das ähnlich sehen.

Ringbote: Gerade arbeitet Ihr an der Übersetzung von „Further Afield“ – „In die Ferne“, das „Beyond the Wall“ um zahlreiche Optionen erweitern wird. Was erwartet die Spieler mit der Erweiterung?

Daniel: Bislang hat man nur sein Dorf vor Feen, Kulten oder Trollen gerettet. Jetzt zieht es die Abenteurer buchstäblich „In die Ferne“. Wie das Dorf wird nun die Gegend um das Dorf herum erschaffen. Man hat also eine Hexfeldkarte vor sich und platziert abwechselnd besondere Schauplätze, wie eine Stadt, das Versteck eines Monsters oder alte Ruinen. Der Spieler erzählt dann, was sich genau dort verbirgt, beispielsweise sind es die Ruinen eines vergessenen Königreiches, dessen Bewohner ins Feenreich übergesiedelt sind, weil der König eine Wette gegen den Elfenfürsten gewonnen hat und sein Sohn die Elfentochter heiraten durfte. Nun liegt der Palast von Efeu umwachsen da und man sagt, dass die Bewohner des Schlosses alle sieben Jahre zu einem großen Ball in den Palast zurückkehren.

Um das aber nun spannend zu halten, denn die Spieler wollen ja die Gegend erforschen und das kann man nur, wenn man nicht genau weiß, was hinter dem nächsten Hügel liegt, prüft nun der Spielleiter, ob diese Informationen auch stimmen. Dazu macht er eine Attributsprobe und wenn sie misslingt, dann ist die Geschichte im Kern zwar richtig, aber nicht die Schlossbewohner kehren zurück, sondern der Elfenfürst kehrt zurück und stiehlt Menschen für sein Königreich. So bleiben die gemeinsam erschaffenen Orte der Sandbox spannend.

Zudem hat der Spielleiter die Möglichkeit durch vier Bedrohungen, wie z. B. der Drache oder die alte Kaiserstadt, die Kampagnenkarte aktiv zu beeinflussen. Diese Bedrohungen sind Abenteuer, die längere Zeit brauchen, um gelöst zu werden und die ihre ganz eigenen Probleme für die Charaktere verursachen. Beispielsweise ist der rachsüchtige Drache aus seinem Schlummer erwacht und zieht seine Runden über die Hexkarte, brennt Dörfer nieder, vernichtet ganze Rinderherden und hat außerdem seltsame Diener die ihm goldene Schätze bringen … Nur die Spielercharaktere können den Drachen aufhalten das ganze Land zu verwüsten!

Außerdem gibt es neue Zauberrituale, magische Gegenstände und einen ganzen Haufen optionaler Regeln wie man „Beyond the Wall“ als Kampagne spielt. Kurzum: Das volle Paket für weitere spontane Runden in „Beyond the Wall“!

Ringbote: Welche weiteren Pläne verfolgt Ihr mit „Beyond the Wall“? Wird es deutsche Eigenproduktionen geben? Und wie sieht der zukünftige Support der Reihe aus?

Patrick: Wir haben „In die Ferne“ jetzt vorgezogen, da die Nachfrage entsprechend groß ist. Wir werden auch noch eigene Abenteuer herausbringen und planen bis zur RPC im nächsten Jahr noch mit 2 bis 3 Heften mit jeweils 4 Abenteuern und jeweils 6 neuen Charakterbüchern.

Ringbote:
Ihr habt bereits angekündigt, an einer deutschen Übersetzung des Rollenspiels „Shadow of the Demonlord“ zu arbeiten. Erzähl unseren Lesern doch ein wenig von diesem System. Und warum habt Ihr Euch dazu entschieden, gerade „Shadow of the Demonlord“ in Angriff zu nehmen?

Daniel: Robert Schwalb steckt hinter „Schatten des Dämonenfürsten“ und sein Ansatz deckte sich mit unserer Idee, mehr Spiele herauszubringen, die einen schnell ins Spiel einsteigen lassen. Als David Zumsteg sich bei mir meldete und sagte, er hätte einen guten Draht zu Robert Schwalb, da lief er wirklich offene Türen ein. Wir sind in den letzten Kapiteln der Übersetzung und beginnen dann sofort mit dem Lektorat. Wir sind alle ganz heiß auf das Spiel und freuen uns darauf es bald präsentieren zu können.

„Schatten des Dämonenfürsten“ ist deshalb so interessant, weil es zum einen Dark Fantasy im Stil von „Warhammer Fantasy“ und „Demon‘s Souls“ als Thema hat (was mich wahnsinnig anspricht!) und zum anderen keine komplizierten Regeln besitzt (find ich auch gut!).

Zugleich ist es aber auch nicht optionslos. Das bedeutet, das Spiel bleibt langfristig spielbar, ohne spielerisch banal zu werden. Es gibt zahllose Klassenkombinationen und man muss nicht seinen Charakter von Stufe 1 bis Stufe 10 durchplanen. Von Spielabend zu Spielabend trifft man Entscheidungen, in welche Richtung sich der Charakter entwickeln soll und es gibt keine Sackgasse, nur weil man sich auf Stufe 5 verskillt hat. Dadurch bleibt die Einstiegshürde niedrig.

Auch als Spielleiter wird man nicht überfrachtet. Alle Szenarien sind maximal 8 Seiten lang und können an einem Spielabend durchgespielt werden.

Ringbote: Euer erstes Projekt wurde über eine besondere Art des Crowdfundings – eine Vorbestelleraktion – finanziert. Werdet Ihr die nächsten Projekte auch auf diese Art finanzieren?

Patrick: Wir werden gerade zu Beginn noch stark darauf zurückgreifen. Kleinere Systeme oder Bücher werden wir auch auf eigenes Risiko produzieren, aber für größere Projekte wie „In die Ferne“ oder auch „Schatten des Dämonenfürsten“ wird es Vorbestellungs- bzw. Crowdfundingaktionen geben.

Ringbote:
Euer Verlag ist ja noch sehr jung und steht sozusagen gerade in den Startlöchern. Was dürfen die deutschen Rollenspieler noch alles von Euch erwarten? An welchen Projekten arbeitet Ihr bereits, und was ist noch Zukunftsmusik?

Daniel: In meinem Notizbuch stehen noch einige Sachen, aber manche sind noch so weit in der Zukunft, dass es sich gar nicht lohnt darüber zu reden. Ich würde die nächsten Monate mal ins Auge fassen:

„In die Ferne“ ist ja bekannt und kommt zur SPIEL im Oktober heraus. Gleichzeitig erscheint dort auch „Kagematsu“ – wenn alles gut geht! „Kagematsu“ ist ein fantastisches kleines Spiel, das in einem kleinen japanischen Dorf spielt. Das Dorf wird von einer Bedrohung heimgesucht (ein Dämon, eine Hexe oder vielleicht ein böser General?) und nur der Ronin Kagematsu kann die Bedrohung vernichten. Doch der Ronin hat gar kein Interesse daran. Also versuchen die Dorffrauen, Kagematsu zu verführen. Der Twist ist: Kagematsu wird von einer Spielerin gespielt und die Dorffrauen von Spielern. Ein Konzept, das ganz bewusst mit den Geschlechterrollen spielt.

Angekündigt zur RPC 2017 ist „Dungeon World“, das bekannte System, das auf Vincent Bakers „Apocalypse World“ basiert. Hier übersetzt Stefan Droste, und er ist auch der zuständige Redakteur für das Spiel. Für „Schatten des Dämonenfürsten“ ist natürlich auch noch Material ohne Ende erschienen. Seit dem Kickstarter sind über 90 Produkte zu haben. Da planen wir auch, alles nach und nach zu übersetzen.

Andreas Melhorn schreibt ein Buch zum Thema „Abenteuer gestalten“, dass er bei uns veröffentlichen wird und das wertvolle Tipps zu den unterschiedlichsten Aspekten des Abenteuerdesigns geben wird. Stefan Droste arbeitet an „Mosaic“, einem „powered-by-the-Apocalypse“-Spiel, welches im Mittelamerika des 16. Jahrhunderts spielt und verschiedene Kulturen mit einer alternativen Historie konfrontiert. Und außerdem hat Ralf Sandfuchs noch das „Bäronomicon“ in Arbeit, in dem Plüschtiere gegen unheimliche Kräfte antreten. Aber bis dahin ist noch etwas Zeit.

Außerdem habe ich noch zwei kleine Spiele im Auge, die verflixt spannend sind. Für eines sind die Verträge bereits unter Dach und Fach. Sie müssen nur noch unterzeichnet werden. Vermutlich gibt es nach der SPIEL eine Ankündigung dazu, im Idealfall sogar für beide Titel.

Ringbote:
Ich bedanke mich für die freundliche Beantwortung all dieser Fragen und wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und Freude an Eurem Verlag!


Artikel zum Weiterlesen

Beyond the Wall und andere Abenteuer - 19.08.16


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