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Rollenspieler im Profil: Jan Stetter20.10.07

Allroundspieler und Exotenliebhaber

1) Unter welchem Namen soll dich die Welt kennen(lernen)?

Online einfach unter JS, gelegentlich findet man mich aber auch unter Crenshaw (eine Anlehnung an den großen Mortifikator der "Mutant Chronicles", womit ich jetzt vermutlich mehrere unbekannte Variablen genannt habe).

 

2) Was bist du/machst du innerhalb der Rollenspielgemeinschaft?

 

Neben der Organisation diverser Offlinerunden habe ich zusammen mit einigen Spielerkumpels schon vor längerer Zeit die neuen technischen Möglichkeiten ausgelotet, die das Netz mit sich bringt. Daraus entstanden zahlreiche Forenrollenspiele und eine Teamspeakrunde, die bestens funktioniert. Für Print- und Onlinemagazine beschrieb ich in mehreren verschiedenen Kolumnen die Erfahrungen damit und mit dem Rollenspiel allgemein, davon abgesehen verfasste ich in diesen Medien sehr viele Rezensionen zu Rollen- und Brettspielprodukten.

 

Auf Cons fühlte und fühle ich mich nach wie vor verpflichtet, Exotensettings unter die Masse des Einheitsbreis zu mischen und auch meine Leute entsprechend zu motivieren, damit Spieler die Möglichkeit wahrnehmen können, andere Settings als die üblichen Verdächtigen kennenzulernen. (Und - zugegeben - auch mal wieder etwas mit den Wörtern "Gore" und "Splatter" anfangen zu können.) Dieses Engagement brachte mir 2007 die "Goldenen Würfel von Hannover Spielt!" ein, worüber ich mich natürlich sehr freute.

 

Darüber hinaus bin ich seit Jahren aktives Mitglied und seit 2006 Administrator eines Rollenspielforums mit einer sehr freundlichen und kultivierten Mitgliedergemeinschaft.

 

Im Moment versuche ich gerade mit relativ viel Aufwand und bisher leider sehr wenig Erfolg, Kontakt zu den französischen Rechteinhabern des seit längerem eingestellten, aber in Frankreich immer noch sehr bekannten und beliebten Fantasy-Rollenspiels "Agone" zu bekommen, um eine deutschsprachige Plattform dafür aufbauen und potenziell den Weg für ein deutsches "Agone" ebnen zu können.

 

3) Seit wann spielst du Rollenspiele? Wann und wie hat bei dir alles angefangen?

 

Ich bin als "Mann der ersten Stunde" seit dem "Das Schwarze Auge Abenteuer Basis-Spiel" von 1984 dabei und blieb diesem Hobby bis heute ohne Unterbrechungen treu. Mal drängte sich vielleicht mehr das Brettspiel in den Vordergrund, aber ich kann mich seit 1984 an keinen Monat ohne mindestens eine Rollenspielsitzung erinnern. Der damalige Tausch von Big-Jim-Actionfiguren gegen "Das Schwarze Auge" hat mein Leben also durchaus verändert und bereichert, es war ein guter Tausch, auch wenn ich danach die Barbies meiner Schwester nicht mehr mit Big Jim verprügeln konnte, sondern das alles selbst besorgen musste.

 

4) Was war dein erster Charakter, und in welchem System? Existiert der Charakter noch?

 

Aber klar! Als Metalfan KONNTE mein "DSA"-Streuner damals einfach nur Dio heißen und das Hand-macht-Teufelshörner-Zeichen als Wappen haben. Gleichzeitig war Dio mein erster perfekter Minmax-Charakter, weil ich eine famose Regellücke in den Soloabenteuern entdeckte (wie übrigens jeder andere wohl auch): Starb der SC - was damals erschreckend schnell passieren konnte -, dann ging man davon aus, dass man mit einem vergleichbaren SC und zufälligerweise gleichem Namen bis zur selben Stelle im Abenteuer erneut vordränge (natürlich OHNE jegliches Hintergrundwissen) und das dann so oft wiederholte, bis man den Kampf schaffen würde.

 

Mit dieser Erkenntnis gelang der automatische Sieg ins Rollenspiel, und mit diesem Sieg ging der Regen aus Erfahrungspunkten und Beute über Dio nieder. Es ist also anzunehmen, dass der erhaltene Dio der zwanzigste Klon meines ersten Dio ist, aber da muss man nachsichtig sein. Amüsant war, dass die ersten Gemeinschaftsrunden von "DSA"-Fans bei allen Charakteren dasselbe Equipment und dieselben Steigerungen offenbarten, weil alle dieselben Soloplots vorher durchgespielt hatten. Es war demnach eine frühe Form Paranoias, bei der bestmöglich hochgezüchtete Klone auf Abenteuerreise gingen, dieselbe entführte Nedime hundertmal befreiten und man natürlich beim Schleiertanz so lange schummelte, bis man die erotischen Strichzeichnungen zu Gesicht bekam.

 

Dio lebt heute noch in meiner alten Box im Spieleschrank. Das nenne ich mal Nostalgie. (Meine Vorliebe für gewitzte Schurken ist übrigens geblieben, aber der Metal wich dem Techno. Heute würde der Charakter vermutlich DJ Hackalot oder so heißen.)

 

5) Welches Rollenspiel ist mit Abstand über die Jahre hinweg dein Lieblingssystem? Und wieso?

 

Eindeutig "Agone", dicht gefolgt von "Tribe 8". "Agone" bietet im Fantasy alles, was auch den gehobenen Ansprüchen erfahrenerer Spieler gerecht wird und setzt Elemente der bekannten Fantasy mit jenen von "Cthulhu" und "7te" See zu etwas Eigenem zusammen. Wenig Standard, aber dennoch genug, um nicht einer extremen Nische zugehörig zu sein; ein sehr durchdachtes und schnelles Regelsystem; eine liebevoll gestaltete und wunderschöne Welt voller gothischer und barocker Stilelemente; eine gute Mischung aus Licht und Schatten, Freude und Bedrohung, Kampf und Intrige. Dürfte ich auf die Rollenspielerinsel nur ein Setting mitnehmen, wäre es "Agone".

 

6) Welches System würdest du nur mit Handschuhen anfassen? Und weshalb?

 

"Shadowrun". Damit sage ich aber nicht, dass ich es schlecht finde, sondern dass es mich trotz mehrfacher Versuche insgesamt nicht fesseln und überzeugen konnte. Das Regelsystem wurde mir als intuitiv und großartig verkauft, ich fand es jedoch weder intuitiv noch großartig. Mit der Welt ging es mir ebenso. Um es anders auszudrücken: Ich habe mich zwar ordentlich darum bemüht, konnte aber nie einen Weg zu "Shadowrun" finden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Davon abgesehen halte ich mich von Settings (und Spielern) fern, in denen ernsthafte Gewalt und Gewaltauslebung der maßgebliche Antrieb der Charaktere sein soll. Es gibt da so ein paar Exoten, die ich mied und meide.

 

7) Dein absoluter Rollenspiel-Geheimtipp? Und warum?

 

Neben "Agone"? "Tribe 8", "Mechanical Dream" und "Armageddon". All diese Settings bewegen sich fern bekannter Standards, bieten tolle Hintergründe, Ideen und interessante Regelmechanismen. Es sind für mich persönlich horizonterweiternde Settings (wie es allerdings viele andere auch sind), die einem Spieler mehr zeigen und abverlangen, als "just another Fantasy-/Cyberpunk-/SciFi-World". Weiterhin empfand ich auch "7te See", "Judge Dredd" und vor allem das großartige, aus Schweden kommende "Mutant Chronicles" als große Bereicherung meiner Sammlung.

 

8) W20...W10...W4...?

 

Egal, hauptsache Würfel. Würfelfreies Rollenspiel oder dieses seltsame Karteninterpretieren ist meine Sache nicht. Würfel müssen sein, und zwar für jedes einzelne Setting ein eigenes, farblich passendes Set. Am liebsten d10, d20 oder d100, aber d6 sind auch in Ordnung. Zu d4, d8 und d12 habe ich allerdings kein sonderlich gutes Verhältnis, weshalb ich bei "Earthdawn" auch nicht gern würfele.

 

9) Deine beste Runde war als...?

 

Magierdieb in unserer jahrelangen "Agone"-Kampagne, die Jan Dreyer leitete, einer der wenigen kontinuierlich herausragenden Spielleiter, die mir bisher begegnet sind. Es stimmte einfach alles: Setting, Regelsystem, Kampagne, Charaktere, Spielleiter, Spieler, Atmosphäre, Zusammenspiel, Vorbereitung. Seine "Cthulhu"-Kampagne kam dem auch sehr nahe. Weiterhin leitete ich über drei Jahre hinweg wöchentlich eine Kampagne in den "Vergessenen Reichen", während der die Charaktere von Mickerlingen mit Stufe 1 zu mächtigen Personen mit Stufe 20 wurden und epische Herausforderungen zu meistern hatten. Das Tagebuch dieser Kampagne umfasst als illustriertes PDF über 250 DIN A4 Seiten, und als sie endete, konnte man wirklich sehr stolze und gleichzeitig traurige Spieler sehen.

 

10) Deine schlimmste Runde war als...?

 

Kämpfer in einem "DSA"-Abenteuer auf dem Leonis-Con in Braunschweig. Mein Freund und ich, zwei spielfreudige Freigeister, trafen auf die starrsinnigsten, verbohrtesten, regel- und weltentreusten "DSA"-Spieler, die uns jemals begegnet sind, und auf den unkreativsten Spielleiter, den man sich vorstellen kann. Erwachsene Leute also, die man sonst nur aus Gruselgeschichten am Rollenspielerkamin kennt. Anfangs wussten wir vor Unglauben gar nicht, wie uns geschah, aber schnell ließ die ganze Bande all ihre Ressentiments kollektiv an uns aus, was dann schon weit ins Reich der Lächerlichkeit reichte, z. B. als der Charakter meines Freundes, der sich über eine Spontanverhaftung doch erheblich wunderte, in einer Hafenschänke von einem riesigen Katapultstein getroffen wurde, der von einem etwa 15 Meter (!) entfernten Katapult auf ihn abgefeuert wurde. Da staunten wir nicht schlecht.

 

Und als wir uns dann in einer Kerkerzelle nur in Unterwäsche wiederfanden, während der Rest der Gruppe mitsamt Kleidung, Rüstung UND Waffen eingesperrt worden war, haben wir das Elend hinter uns gelassen. Auch sowas kann einem leider auf Cons widerfahren. Immerhin sind die Details dieses Abenteuers und dessen Spielleiter mittlerweile Allgemeingut im Anekdotenschatz lokaler Rollenspieler und werden auch von Leuten, die ich gar nicht kenne, immer wieder zum Amüsement der Umgebung aus dem Hut gezaubert.

 

Vergleichbar schlimm war eine "D&D"-Runde auf dem Nordcon kurz nach Erscheinen der 3. Edition. In dieser Runde gab es zu 80% Regeldiskussionen und -interpretationen und zu höchstens 20% Geschichte und Rollenspiel. Und das war auch noch so mau und flau, wie man es von vielen offiziellen "D&D"-Abenteuern gewöhnt ist. Nach diesem Erlebnis hatten wir "D&D" für Jahre aus unserer Wahrnehmung verbannt, bevor wir durch Zufall wieder darauf Aufmerksam wurden und erkannten, dass man damit auch ganz famoses Rollenspiel betreiben kann.

 

11) Spieler oder Spielleiter?

 

Online beides, offline im Augenblick lieber Spieler, weil mir das Vorbereiten und Bestreiten einer langen Sitzung derzeit zuviel ist.

 

12) Regelfuchser oder Freistilspieler?

 

Weder noch. Ein solides Regelgerüst sollte vorhanden sein, sonst wird alles schnell beliebig, und die Diskussionen nehmen kein Ende. Aber wenn es schnell und "cinematisch" gehen soll oder in unklaren Situationen berechtigte Zweifel bestehen, entscheide ich nahezu immer gegen die Regeln und für Action und die Spieler.

 

13) Storyteller oder Würfelfetischist?

 

Geschichtenerzählender Würfelfetischist, der sich irgendwo in der Mitte zwischen willkürlicher Beliebigkeit und starrem Regelkorsett bewegt. Die Tendenz geht in Richtung des Geschichtenerzählens, aber wenn mir und meinen Spielern bei Kämpfen ordentliche Würfelschlachten gefallen, dann sind die Würfel Könige.

 

14) Spielen auf Conventions? Oder lieber die gemütliche Runde zu Hause?

 

Zuhause spielt ja jeder, daher empfiehlt sich jährlich der ein oder andere Conbesuch, um auch mal über den Tellerrand zu schauen. Ein Con ist wichtig, um Neues kennenzulernen, den Horizont zu erweitern und einmal eine ganz andere Luft zu schnuppern. (Das ist metaphorisch gemeint, aber leider am zweiten Con-Tag auch im Wortsinn zu verstehen.) Es können zwar auch sehr deprimierende Erfahrungen sein, aber mit der Zeit bekommt man ein Gespür dafür, was man wann, wo, bei wem und mit wem spielen kann. Ich persönlich bin über Cons an sehr gute Spieler, Spielleiter und Settings gelangt, musste aber andererseits auch so manches Grauen durchleben. Das lässt sich wohl nicht vermeiden und hält besonders die erfahreneren Rollenspieler vom Besuch ab. Wenn ich allerdings überlege, wie sehr auf vielen Cons die Massensettings überlaufen sind und interessante Exoten gemieden werden, kann ich für diese Haltung durchaus Verständnis aufbringen.

 

15) Bier, Cola, Met, Wein? Chips, Pizza oder Kaviar? Was gehört zu einem Rollenspielabend dazu?

 

Wenig davon, denn das einzige für mich Unerlässliche bei Rollenspielsitzungen ist eiskalter Caffait Espresso oder Cappuccino einer bekannten Einzelhandelskette. Ohne geht es nicht. Das ist natürlich keine Sucht, denn ich kann JEDERZEIT damit aufhören, aber... Ohne geht es nicht. Es geht einfach nicht ohne. Und wenn ich an die monatlichen Schlemmexzesse während meiner "Earthdawn"-Runden denke, in deren Verlauf die verzehrten Kalorien in die Tausende gehen, dann ist die sonstige kulinarischen Bescheidenheit in Anbetracht meines Spielpensums auch besser so.

 

16) Fast jeder von uns hat ein paar hehre Rollenspielträume in der Schublade. Welche „Leichen“ liegen bei dir im Schrank?

 

"Advanced HeroQuest" (Ende der 80er), eine 50-seitige Regelerweiterung für das uralte "HeroQuest", um damit auch ordentlich rollenspielen zu können. Funktionierte gut, verschwand aber irgendwann mit dem Brettspiel zusammen im Schrank.

 

"Thorn" (Anfang der 90er), eine Mischung aus "DSA", "AD&D" und "Rolemaster", die es immerhin auf 120 Seiten brachte, aber nie wirklich gespielt wurde.

 

"DSA für Männer" (Mitte der 90er), eine Splatterfortentwicklung von "DSA" mit kritischen Treffern, mehr Schaden, mächtigeren Zaubern, dicken Monstern und prächtiger Beute. War großartig, zog uns aber den Hass und das schiere Entsetzen vieler strikt regel- und weltentreuer "DSA"-Spieler zu.

 

"Weltentor" (Ende der 90er), ein eigenes Regelsystem mit zahlreichen Fremdeinflüssen, das wir monatelang diskutierten, entwickelten und testeten. Es funktionierte grundsätzlich gut wie gewünscht, hatte aber noch einige Balanceprobleme, die wir jedoch nie ausglichen, weil mit "Agone" ein Regelsystem auf den Markt kam, das all unsere Wünsche mehr als erfüllte. Und d20 befriedigte später unsere generischen Ansprüche.

 

17) Mit welcher Idee könnte man die Rollenspielwelt revolutionieren?

 

Mit einer Maschine, die aus den Köpfen nicht weniger Rollenspieler Starrsinn, Intoleranz, Vorurteile, Blasiertheit, Arroganz und Feindsystemdenken hinwegfegen würde. Mit der so gewonnenen geistigen Mobilität verlören die Rollenspielforen zwar die Hälfte ihrer Beiträge, aber die Rollenspielszene gewänne ungemein an Kreativität, Abwechselung, Höflichkeit und Lässigkeit.

 

18) Ein paar letzte weise Worte an alle Rollenspieler dieser Welt? (Okay, alle Leser dieser Seite. :-) )

 

Gelegentlich mal in sich gehen und kritisch überdenken, ob der latent gegen sich selbst gehegte Genieverdacht berechtigt ist.



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