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09.08.2013 MANTICON 201323.08.13

Ein Ringbote reist zur MANTICON.

Vom 9. bis 11. August 2013 fand auf Burg Starkenburg die MANTICON 2013 statt. Dabei handelt es sich um die Haus-Con vom Mantikore-Verlag, die neben klassischen Rollenspielen auch einen Schwertpunkt auf Spielbücher legt.

von Morgath

Der Mantikore-Verlag wurde im Jahr 2009 von Nicolai Bonczyk gegründet. Damals noch unter dem Namen „Mantikor-Verlag“, doch kaum war das erst Produkt erschienen, meldete eine Grafikerfirma, die den Namen schon länger führte, ihre Namensrechte an und nur dem Entgegenkommen der Firma war es zu verdanken, dass das erste Produkt nicht vollständig vom Markt genommen werden musste (der finanzielle Verlust wäre beachtlich gewesen), sondern mit einer eingelegten Berichtigung weiter verkauft werden konnte. Der Verlag wurde sogleich in „Mantikore-Verlag“ umbenannt, wobei selbst der Inhaber noch nicht festgelegt hat, ob das zusätzliche „e“ ausgesprochen wird oder nicht.

Ziel des Verlages war es zunächst, die 32 Bände der legendären Fantasy-Spielbuch-Reihe „Einsamer Wolf“ zu veröffentlichen. Ein ehrgeiziges Projekt, das auf über zwölf Jahre angelegt ist, dem der Verlag bisher aber gewissenhaft nachkam. Im Laufe der Zeit kamen weitere Rollenspielsysteme (z.B. „Paranoia“ oder „Labyrinth Lord“), Spielbücher (z.B. „Harkuna“ oder „Spielbuch-Abenteuer Weltgeschichte“) und Romane (z.B. von Joe Haldeman und Robert Silverberg) dazu. Der letzte Coup gelang dem Verlag erst kürzlich, indem er die Rechte für das „Game of Thrones“-Rollenspiel erwarb. Inzwischen besteht der Verlag aus über zehn freiberuflichen Mitarbeitern und zahlreichen Leuten, die sich dem Verlag eng verbunden fühlen. Ein Grund dafür war und ist, dass der Verlag auch unbekannte Autoren in sein Verlagsprogramm aufnimmt. So erschien zum Beispiel letztes Jahr ein Spielbuch mit dem Namen „Reiter der schwarzen Sonne“ von dem bis dahin unbekannten Autor Swen Harder, das inzwischen von einigen sogar als eines der besten Spielbücher aller Zeiten gehandelt wird.

Die MANTICON 2013 fand auf der hessischen Burg Starkenburg statt. Die Starkenburg ist die ideale Örtlichkeit für eine Rollenspiel-Con. Sie liegt einsam auf einem kleinen Berg und ist nur über eine lange Straße zu erreichen, die sich durch dichte Wälder um den Berg schlängelt. Die Aussicht ist phänomenal, aber auch die Burg selbst ist beeindruckend. Der Bergfried, der große Burghof mit seinen alten Bäumen und die eingefallene Ost-Mauer bieten ein wundervolles Ambiente. Zudem ist man ungestört und braucht keine Rücksicht auf Nachbarn zu nehmen. Außer einem kleinen Gasthaus neben der Burg ist die Gegend menschenleer. Die Burg selber wurde zu einer Jugendherberge umfunktioniert und bietet ca. 100-120 Gästen Platz. Die Unterbringung und das Essen waren okay – Jugendherberge halt!

Als sich Freitagnachmittag die Tore der MANTICON öffneten, strömten etwas über 80 Rollenspieler ein, die aus ganz Deutschland, Luxemburg und gar Österreich kamen. Schnell fanden sich die ersten Gesprächsgruppen, und auch die erste Rollenspielrunde ließ nicht lange auf sich warten. Obwohl bereits der erste Programmpunkt scheiterte (die Vorstellung des Rollenspiels zu „Game of Thrones“ fand nicht statt, da der Vortragende krankheitsbedingt nicht erschien), tat das der guten Stimmung keinen Abbruch. Durch die Bank herrschte eine lockere Atmosphäre, man kam leicht mit den Gästen ins Gespräch und konnte herrlich fachsimpeln. Als gesellschaftlicher Höhepunkt gab es Samstagabend es einen Grillabend. Während gegessen wurde, saßen die Leute im Burghof, lauschten den Klängen der anwesenden Barden und genossen es einfach, Rollenspieler zu sein. Und gespielt wurde natürlich auch.

Eines der Highlights auf der Con war der Ehrengast Garry Chalk, der in den 1980er-Jahren die Bücher von „Einsamer Wolf“ illustrierte und auch sonst in der Fantasy-Szene kein Unbekannter ist. Der sympathische alte Mann stand in einer Fragestunde jedem Interessenten Rede und Antwort, war aber auch ansonsten präsent und für jeden ansprechbar. Er erzählte den ein oder anderen Schwank aus der Szene und das auf eine ausgesprochene unterhaltsame Art. So antwortete er auf die Frage, wie er seinen Zeichenstil bezeichnen würde, dass er stets versuche, so zu zeichnen, dass er dafür bezahlt werden würde.

Spannend war auch der Workshop zum Thema „Spielbücher“, an dem einige Kenner der Szene wie z. B. Swen Harder oder Alexander Kühnert mitwirkten. Hier erhielt man Informationen aus erster Hand und erfuhr beispielsweise, wie die Autoren beim Schreiben der Spielbücher vorgingen, welche Gedanken sie sich machten und welche Auflagen die Bücher erreichten. Bemerkenswert ist beispielsweise, dass das 1. Buch von „Einsamer Wolf“, das in den 1980ern bei Goldmann erschien, in Deutschland eine Auflage von 350.000 Stück hatte, während die jetzigen meist eine Erstauflage von 600 Stück haben. Obwohl der Vergleich ziemlich ernüchternd ist, hat man doch das Gefühl, dass die Spielbuchszene so lebendig ist wie noch nie zuvor. Noch nie gab es auf dem deutschen Markt so viele Spielbücher wie momentan. Und es kommen noch mehr! So wird beispielsweise im nächsten Jahr ein Spielbuch mit dem Namen „Das Feuer des Mondes“ von zweien der Sussner-Drillinge erscheinen. Beide Autoren waren anwesend und ließen uns bereitwillig in ihr Konzept blicken.

Neben den beschriebenen Highlights gab es natürlich zahlreiche Rollenspielrunden und einige Brettspiele, an denen man teilnehmen konnte. Das hauseigene System „Game of Thrones“ war besonders gefragt und die angebotene Runden daher schnell voll. Die MANTICON war aber keine (reine) Werbeplattform für verlagseigene Produkte, denn jeder konnte anbieten, was er wollte. Mancher Spielleiter oder Autor nutzte diese Gelegenheit, um sein Lieblingssystem vorzustellen oder eigene Rollenspielsysteme oder Abenteuer zu testen. Insgesamt war immer was los und keiner dürfte zu kurz gekommen sein.

Fazit: Die MANTICON 2013 war eine gelungene Veranstaltung. Als die Gäste im Laufe des Sonntags die Burg verließen, waren die meisten übermüdet, aber glücklich. Was will man mehr? Sollte das Niveau auch in den Folgejahren gehalten werden, könnte die MANTICON eine feste Größe werden. Dafür sprechen auch die steigenden Besucherzahlen. Waren es bei der ersten MANTICON im Jahre 2012 noch ca. 40 Gäste, so hat sich die Anzahl dieses Jahr verdoppelt. Sollte dieser Zuwachs anhalten, könnte es im nächsten Jahr mit den Schlafplätzen eng werden, aber auch dafür ist bereits gesorgt, denn es wird die Möglichkeit geben, sein Zelt vor den Mauern der Burg aufzustellen. So oder so, die MANTICON ist allemal eine Reise wert!


Artikel zum Weiterlesen

Labyrinth Lord – Herr der Labyrinthe - 15.06.10
Einsamer Wolf 1: Flucht aus dem Dunkeln - 08.09.09


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